Bundesrats-Vereidigung: Warum blieb Sommarugas Hand unten?
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Bundesrats-VereidigungWarum blieb Sommarugas Hand unten?

Sechs Bundesräte schworen nach ihrer Wahl bei Gott, dem Land zu dienen. Nur Simonetta Sommaruga tanzte aus der Reihe – wie schon andere SP-Bundesräte vor ihr.

von
fum

Stramm stehen die vier Damen und vier Herren – Bundeskanzlerin Corina Casanova wurde ebenfalls vereidigt – zwischen den beiden Bundesweibeln und strecken drei Finger in die Höhe. «Ich schwöre vor Gott dem Allmächtigen, die Verfassung und die Gesetze zu beachten und die Pflichten meines Amtes gewissenhaft zu erfüllen», liest der Generalsekretär der Bundesversammlung vor. Die Bundesräte murmeln anschliessend halblaut und undeutlich.

Alle? Nein, die wiedergewählte Bundesrätin Simonetta Sommaruga verzichtet – im Einklang mit dem Parlamentsgesetz – aufs Schwören bei Gott. Stattdessen legt sie wie schon bei ihrer Wahl im September 2010 ein Gelübde ab. Damals sagte sie gegenüber 20 Minuten Online: «Man schwört bei Gott und das ist nicht meine Art, mich zu bekennen. Aber ein Gelübde hat für mich die gleiche Kraft, die gleiche Aussage.»

Sommaruga ist nicht die einzige Magistratin, die bei Bundesratsvereidigungen aus der Reihe tanzte. Ruth Dreifuss legte sich bei den Gesamterneuerungswahlen 1999 die Hand auf die Brust. Auch die nun abgetretene Bundesrätin Micheline Calmy-Rey verzichtete bei der Vereidigung im Jahr 2003 auf den Schwur (siehe Bildstrecke).

Auffällig ist, dass in den vergangenen Jahren nur Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei das Gelübde dem Schwur vorzogen. Es ist kein Geheimnis, dass viele von ihnen tendenziell religionskritischer sind als Vertreter anderer Parteien. Allerdings längst nicht alle: Die Bundesräte Berset, Leuenberger und Stich schworen noch traditionell bei Gott, dem Land gewissenhaft zu dienen.

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