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Reality DokusWarum boomen Trash-Formate am TV?

Die unzähligen Reality-Doku-Shows lassen die Grenzen zwischen dem Fernsehen und dem echten Leben schmelzen. Die Einschaltquoten sind ausgezeichnet. Warum tun wir uns das an?

von
Felix Burch

«Extrem schön! Endlich ein neues Leben» heisst eine neue Sendung auf RTL2, die jeweils am Montagabend verzweifelte Menschen glücklich machen soll.

Die Sendung beginnt mit Katrin, die sich nicht wohl fühlt in ihrem Körper. Verschüchtert sitzt sie auf einem Stuhl, weint, ist depremiert und erzählt frustriert, wie sehr sie unter ihrem Aussehen leidet. Dann nuschelt sie etwas von Selbstmordgedanken. Der Zuschauer nimmt ihr die Unzufriedenheit ab, nervlich am Ende scheint die junge Frau aber nicht zu sein.

Schlecht gemacht und von schlechten Schauspielern gespielt

Schnitt. Katrin und ihr Freund spazieren händchenhaltend durch ein Einkaufzentrum. Begleitet werden sie von einer Kamera - natürlich völlig unbemerkt. Plötzlich sagt eine Stimme durch den Lautsprecher des Zentrums, dass die Katrin eine Grunderneuerung bekomme. Jubelnd fällt sie ihrem Freund um den Hals. Spätestens jetzt komme sich der Zuschauer vor wie in einem modernen Aschenputtel-Märchen, schreibt Der Westen. Nur eben ein schlecht inszeniertes Märchen mit schlechten Schauspielern. Das Mitleid ist weg, der Wunsch der Frau zuzusehen, wie sie ein neues Gebiss bekommt, schwindet.

Immer wieder aufstehen, wenn man am Boden liegt

Warum schauen wir trotzdem weiter? Warum haben triviale Formate wie «K11 - Kommissare im Einsatz», «Vermisst» oder «Lenzen und Partner», aber auch Sozial-TV à la «Raus aus den Schulden», «Abschlussklasse» oder «Big Brother» derart gute Einschaltquoten? Hier ein Erklärungsversuch: Im Gegensatz zu vielen Hollywood-Filmen spielen die Reality-Doku-Shows nicht einfach in einer heilen glitzernden Welt. Den Hauptfiguren geht es schlecht, sie sind unzufrieden.

Oft kommt ihnen dann ein Experte zu Hilfe. Einer, der weiss, wie es geht. Zum Beispiel ein Schuldenberater. Dieser Experte schafft es, den Armen aus der Klemme zu helfen. Am Schluss gibt es meistens doch ein Happy-End, wie in Hollywood, es war aber alles ein bisschen komplizierter und ein bisschen weniger offensichtlich. Laut blokster.de hat der Zuschauer das Gefühl, dabei vom Experten etwas zu lernen. Zudem kann sich der Zuschauer mit den Höhen und Tiefen der Hauptpersonen identifizieren.

Leichte Kost

Weiter sind die Formate extrem einfach aufgebaut. Stimmen aus dem «Off» sorgen dafür, dass jeder mitkommt. Selbst nach einem Gang zum WC oder Kühlschrank kann der Zuschauer der Geschichte ohne Probleme wieder folgen. Viele Zuschauer haben nach Feierabend einfach keine Energie mehr für harte News, sie können mit solchen seichten Soaps abschalten.

Stehen die Leute auf Trash?

Bei den Sozial-TV-Formaten spielt sicher auch mit, dass dem Zuschauer eine Welt gezeigt wird, die noch mehr aus den Fugen geraten ist, als die, in welcher er selber lebt. Mit dem Motto: Mir geht es schlecht, aber denen geht es noch schlechter, lässt sich gut fernsehen.

Genau herausfinden, warum die Reality-Doku-Soaps so gut ankommen, werden wir wohl nie. Eine Frage muss jedoch gestellt werden: Stehen wir einfach auf Trash?

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