Aktualisiert

FergusonWarum brauchte die Jury 3 Monate für den Entscheid?

Der weisse Polizist, der den schwarzen Jugendlichen Michael Brown erschoss, wird nicht angeklagt. Vier Fragen zu dem für viele enttäuschenden Entscheid der Anklagekammer.

von
sut
1 / 5
Demonstranten versammeln sich am Abend des 24. November 2014 vor dem Ferguson Police Department.

Demonstranten versammeln sich am Abend des 24. November 2014 vor dem Ferguson Police Department.

Keystone/Charlie Riedel
Für die ganzen USA, unter anderem auch Los Angeles und New York, wurden am 24. November 2014  Protestkundgebungen gegen Polizeigewalt angekündigt.

Für die ganzen USA, unter anderem auch Los Angeles und New York, wurden am 24. November 2014 Protestkundgebungen gegen Polizeigewalt angekündigt.

Keystone/Charlie Riedel
Dieses von der Familie veröffentlichte Bild zeigt den 18-jährigen Michael Brown.

Dieses von der Familie veröffentlichte Bild zeigt den 18-jährigen Michael Brown.

Keystone/Anonymous

Nach den Ausführungen von Staatsanwalt Robert McCulloch in St. Louis, Missouri, vom Montagabend kam die zwölfköpfige «Grand-Jury»-Anklagekammer zu einer klaren Entscheidung. Drei Monate nachdem der 18-jährige Schwarze Michael Brown im Vorort Ferguson vom weissen Polizisten Darren Wilson niedergeschossen wurde, stuften die neun weissen und drei schwarzen Geschworenen diese Tat als Selbstverteidigung ein. Der bisher unbescholtene Schütze wird nicht strafrechtlich angeklagt. Das umfangreiche Beweismaterial wurde noch am Montagabend veröffentlicht.

Die schwarze Fraktion im US-Kongress nannte die Entscheidung eine «Ohrfeige für alle Amerikaner». Die Familie des Opfers erklärte sich in einem Statement «tief enttäuscht, dass der Killer unseres Sohns keine Konsequenzen erfahren wird». Sie rief aber dazu auf, nur friedlich zu demonstrieren. Auch Präsident Barack Obama appellierte in einer kurzen Ansprache an die Besonnenheit. «Andere zu verletzen und Eigentum zu zerstören, ist keine Antwort», sagte er, indem er die Brown-Familie zitierte.

Gewalt, während Obama spricht

Obama strich heraus, dass Gesetze in den USA zuweilen diskriminierend angewandt würden. Er versprach, hier korrigierend tätig zu werden. Aber eine Lösung könne «nicht gefunden werden, indem man Autofenster einschlägt». Während Obama sprach, zeigte am Fernsehen die zweite Bildschirmhälfte, wie Demonstranten live einen Streifenwagen umzustürzen versuchten und erste Tränengasschwaden über Ferguson zogen.

Vier Fragen und Antworten zum Fall Michael Brown:

1. Warum brauchte die Grand Jury drei Monate?

Staatsanwalt Robert McCulloch hatte beschlossen, der Anklagekammer sämtliche Beweismittel in dem Fall vorzulegen. Normalerweise zeigen Staatsanwälte nur jene Zeugenaussagen, die für eine Anklage nötig sind. Im Fall der Tötung von Michael Brown wollte der Chefankläger offenbar ein möglichst legitimes Ergebnis erzielen.

2. Wie haben sich die Behörden auf die Bekanntmachung vorbereitet?

Missouris Gouverneur Jay Nixon verhängte schon am Montag der Vorwoche den Ausnahmezustand über Ferguson. Nixon befahl zudem der Nationalgarde, zusätzliche Truppen bereitzustellen. Zusammen mit der örtlichen Polizei ist in den vergangenen Tagen intensive Einsatzplanung betrieben worden.

3. Wie war die Stimmung in der Bevölkerung?

Die lange Wartezeit schürte Unwillen in der Bevölkerung. Schon am Wochenende ging eine wachsende Zahl von Bürgerinnen und Bürgern auf die Strasse. Am Abend nach der Entscheidung kam es zu einigen Zusammenstössen auf den Strassen von Ferguson. Schüsse fielen. Tränengaspetarden wurden geworfen, um die Demonstranten zu zerstreuen. In den nächsten Tagen wird sich zeigen, wie die mehrheitlich afroamerikanischen Einwohner von Ferguson auf die Entscheidung der Grand-Jury-Anklagekammer reagieren.

4. Was geschieht mit dem Problem der Polizeibrutalität?

Der Tod Michael Browns hat die nationale Aufmerksamkeit auf den oft allzu schnellen Griff amerikanischer Polizisten nach ihren Waffen gelenkt. Medien berichten vermehrt über Einzelfälle. Dass der Waffeneinsatz der Polizei ein Problem ist, bestätigte am Montag eine von der «Salt Lake Tribune» veröffentlichte Statistik. Danach wurden in den letzten fünf Jahren in Utah mehr Menschen von der Polizei getötet als von Bandenmitgliedern, Drogenhändlern oder Kinderschändern. Wie die Polizeibrutalität insbesondere gegen Afroamerikaner eingedämmt werden soll, bleibt indes umstritten.

Obamas Ansprache:

(Quelle: YouTube/PBS Newshour)

Deine Meinung