Aktualisiert 28.07.2016 08:47

Gotthard-Unfall Warum bremste der LKW nicht automatisch?

Am Gotthard-Südportal zerquetschte ein LKW, der in ein Stauende fuhr, ein Auto. Die Bremssysteme in LKWs sind nur Assistenten – und nicht selbstständig.

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Eine deutsche Familie mit zwei Mädchen im Alter von 8 und 12 Jahren ist am Dienstagmittag bei einem Unfall auf der A2 vor dem Gotthard ums Leben gekommen.

Eine deutsche Familie mit zwei Mädchen im Alter von 8 und 12 Jahren ist am Dienstagmittag bei einem Unfall auf der A2 vor dem Gotthard ums Leben gekommen.

M.Franjo
Ihr Auto wurde zwischen zwei Lastwagen eingeklemmt.

Ihr Auto wurde zwischen zwei Lastwagen eingeklemmt.

M. Franjo
Auch am Mittwochmorgen waren am Unglücksort noch Spuren des Unfalls zu sehen, wie Tio.ch schreibt. Feuerwehrleute räumten Schrauben, Öl und Eisenstücke mit einer speziellen Maschine von der Fahrbahn weg.

Auch am Mittwochmorgen waren am Unglücksort noch Spuren des Unfalls zu sehen, wie Tio.ch schreibt. Feuerwehrleute räumten Schrauben, Öl und Eisenstücke mit einer speziellen Maschine von der Fahrbahn weg.

M. Franjo

Spediteur Ueli Giezendanner ist geschockt über den schweren Auffahrunfall, der gestern vier Menschen das Leben kostete. «Es hat mir die Tränen in die Augen getrieben, das ist einfach furchtbar.» Auch der SVP-Nationalrat rätselt über die Unfallursache.

Zwar seien viele moderne Lastwagen mit automatischen Notbremsassistenten und Abstandhaltern, die bei Bedarf automatisch abbremsen, ausgerüstet. Doch auch das gebe keine vollständige Sicherheit. «Wenn ein Chauffeur am Handy spielt, unaufmerksam ist oder ein medizinisches Problem hat, nützt auch der beste Bremsassistent nicht mehr.»

«Das sind keine alten Rostlauben»

Die Polizei müsse nun die Unfallursache klären, er glaubt aber nicht, dass es an den Fahrzeugen gelegen hat. «Das sind Scania*, also topmoderne Lastwagen und keine alten Rostlauben. Diese wunderschönen roten Camions sieht man öfter in der Schweiz.»

Doch wie sieht die Situation in der Schweiz aus? Seit 2013 müssen alle importierten oder in der Schweiz hergestellten Fahrzeuge mit einem Notbremsassistenten ausgerüstet sein. Viele sind zudem freiwillig mit einem Abstandsregeltempomaten ausgestattet. Dieser misst den Abstand zum vorderen Fahrzeug und bremst selbstständig ab, wenn es zu nah ist.

«So weit sind wir noch nicht»

Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen (Astra) sagt aber: «Bremsen muss der Fahrer immer noch selbst.» Der Lenker bleibe in der Verantwortung. «Das wird auch mit allen technischen Veränderungen noch lange so bleiben.»

Denn alle Unfälle liessen sich auch mit der neusten Technik nicht verhindern. Technisch werde es schon relativ bald möglich sein, dass alle Fahrzeuge mit automatischen Notbremssystemen ausgerüstet sind. «So weit sind wir aber weder in der Schweiz, noch in der EU.» Was solche Systeme alles können müssten, sei noch nicht festgelegt – und deshalb noch nicht vorgeschrieben.

Und der Astra-Sprecher gibt zu bedenken: «Trotz des tragischen Unfalls: Gemessen an den zurückgelegten Kilometern gibt es im Schwerverkehr im Vergleich zum Rest unterdurchschnittlich viele Unfälle.» Er könne sich nicht an einen ähnlichen Fall erinnern.

*Verwechslung: Besagte Spedition setzt Iveco-Lastwagen ein.

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