Knapp, knapper, Mini - Warum das Minirock-Comeback zur richtigen Zeit kommt
Bei Miu Miu war der Rock oben und unten kurz.

Bei Miu Miu war der Rock oben und unten kurz.

Instagram/miumiu
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Knapp, knapper, MiniWarum das Minirock-Comeback zur richtigen Zeit kommt

Kurze Röcke – und der Aufschwung ist nah? Geht es nach der Modewelt, dürfen wir optimistisch in die Zukunft blicken: Der Minijupes ist zurück.

von
Johanna Senn

Zieht die Wirtschaft an, werden die Röcke kürzer – und umgekehrt: Das besagt der Minirock-Index, mit dem Ökonomen versuchen, die wirtschaftliche Entwicklung vorauszusagen. Die Antwort, wie der wirtschaftliche Trend die nächsten Monate aussehen könnte, kommt von den Shows der vergangenen Modewochen. Egal, ob an der Fashion Week in New York, London, Mailand oder Paris – geht es nach der Modeszene, so stehen uns rosige Zeiten bevor: Die Rocksäume sind kürzer denn je.

Alle zeigten Minis

Die Präsentationen von kurzen Röcken war dieses Jahr so omnipräsent, dass sogar die amerikanische «Vogue» schreibt: «Es ist fast einfacher zu sagen, welche Designer dieses Jahr keine superkurzen Röcke gezeigt haben.» An der Mailänder Modewoche etwa schwebte Gigi Hadid für Max Mara in einem dunkelblauen, superkurzen Denim-Skirt über den Laufsteg:

Auch bei Chanel und Fendace (der Kollaboration von Fendi und Versace) wurde viel Bein gezeigt:

Bei Saint Laurent wurde kurzerhand der Blazer zum Mini und mit Strumpfhosen, Handschuhen und grossem Schmuck kombiniert:

Stetig währt der 2000er-Trend?

Besonders für mediales Aufsehen sorgte die Show von Miu Miu. Der Modeblog «Diet Prada» titelte: «Miu Miu kündigt die Rückkehr des 2000er-Hüft-Minirocks an». Tatsächlich erinnern die superkurzen Röcke des italienischen Labels an die Minijupes – oder fast schon Gürtel – des Millenniums, die gerade mal das Nötigste verdeckten. Die Looks von Miu Miu wurden von «Diet Prada» auch mit Outfits von Christina Aguilera, Nicole Richie, Paris Hilton & Co. in ihrer Blütezeit verglichen:

Die Entwicklung des kurzen Rocksaums à la 2000er liegt damit voll im Zeitgeist. Auf Tiktok und im realen Leben lassen die Teenager und jungen Menschen der Gen-Z seit geraumer Zeit wieder den einen oder anderen Y2K-Trend, wie die Zeitepoche der 2000er auch genannt wird, aufleben.

Selbstbestimmung der Sixties

Dabei schwingt beim Comeback des Minirocks nicht nur eine Referenz auf die 2000er mit, sondern auch auf die 60er. Da war es die britische Designerin Mary Quant, die dafür verantwortlich war, dass plötzlich alle Frauen Bein zeigten. An den Silhouetten der 60er orientierte sich auch die Spring-Summer-Kollektion für 2022 von Maria Grazia Chiuri für Dior, die sich vom Slim Look von 1961 inspirieren liess:

Zeitgleich wurde in den 60ern nicht nur der Weg für den Minijupes geebnet, sondern auch die Pille erfunden: Erstmals rückte die weibliche Sexualität ins Zentrum. In einer Zeit, in der wieder über Grundrechte von Frauen diskutiert wird, nicht nur in Gebieten wie in Afghanistan, sondern auch in Texas, wird die weibliche Sexualität erneut zu einem gesellschaftlichen Thema. So gesehen könnte die Wiedergeburt des Minis auch als eine gewisse Selbstbestimmung der Frau – wenigstens in der Garderobe – gesehen werden.

Ein neuer Optimismus

Für Mary Quant, der Schöpferin des Minirocks, ging es bei dessen Erfindung aber nicht nur darum, der Frau die sexuelle Selbstbestimmung zu schenken. Dabei stand auch ein Lebensgefühl im Mittelpunkt.

In einem Interview mit der britischen «Vogue» in 1995 sagte sie: «Die Miniröcke feierten die Jugend, das Leben und die enormen Möglichkeiten. Sie sagten: ‹Das Leben ist toll.›» Dieses neue Lebensgefühl passt auch mit den neuen Öffnungsschritten zusammen, die verschiedenste Regierungen auf der Welt im Zuge der Pandemie unternehmen.

Die Aussenwelt lockt wieder mit Abenteuern und modisch sind wir dazu angehalten, in vollen Zügen mitzumachen: Bei den Looks mit Minirock kommt eine neue Lust dazu, sich nach Monaten in Jogginganzügen wieder hübsch zu machen. Dazu gehört auch Haut zu zeigen. An dieser Lebensfreude sollen alle teilhaben. Genau so wie alle, die möchten, einen Mini tragen können. Plus-Size-Model Alva Claire macht es vor:

Ob wir tatsächlich so optimistisch in die Zukunft blicken dürfen, wie es uns die kurzen Rocksäume verheissen, wird sich zeigen. Bis dahin halten wir die rosarote Brille und den Minirock schon einmal griffbereit.

Der Minijupes ist zurück: Grund zur Freude oder eher ein Graus? Sag es uns in den Kommentaren.

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