SC Bern: Warum dem SCB die Blamage droht
Aktualisiert

SC BernWarum dem SCB die Blamage droht

Falscher Trainer, zu alte Spieler, viele Verletzte, schlechte Ausländer. Vielleicht. Fakt ist: Der SCB ist zu wenig gut.

von
Peter Berger

Nur mit Fribourgs Hilfe gegen Aufsteiger Lausanne und einem eigenen Sieg gegen Qualifikationssieger ZSC Lions kann der SCB am Dienstag noch die Playoffs schaffen. Der Absturz der Berner, die als erster amtierender Meister die Playoffs zu verpassen drohen, hat viele Ursachen. Einen einzelnen Hauptgrund gibt es nicht.

CEO Marc Lüthi hat im Januar bei der Einsetzung von Guy Boucher als drittem Coach nach Antti Törmänen und Lars Leuenberger gesagt, dass die Misere schon vor zwei Jahren begonnen habe. Im Oktober 2011 hatte er selber Törmänen zum Nachfolger von Larry Huras gemacht. Mag sein, dass der Finne zu stark auf die Eigenverantwortung der Spieler gesetzt hat. Aber er hat einmal den Titel geholt (2013) und diesen einmal nur um 2,5 Sekunden verpasst (2012). Der amtierende Boucher hat den Schlüssel zum Erfolg auch noch nicht gefunden. Er liess am Samstag beim 0:2 gegen Fribourg phasenweise mit vier Centern und einem Verteidiger Powerplay spielen. Kein Wunder, fanden die Stürmer ihre Laufwege und Positionen nicht.

Nur Plüss ist ein Leitwolf

Es stimmt, dass mit Gerber, Furrer, Jobin und Roche vier der Top-Verteidiger immer wieder fehlten und immer noch teilweise fehlen. Es stimmt, dass die vorherigen Leistungsträger Rüthemann (37), Ritchie (36), Plüss (36) und Gardner (35) in die Jahre gekommen sind und Sportchef Sven Leuenberger im Laufe der Saison das Kader mit den in Lugano nicht mehr erwünschten Sauriern Domenichelli (38) und Metropolit (39) aufgestockt hat. Von der alten Garde ist nur noch Plüss ein Leitwolf. Mit Dostoinov und Loichat hatte Leuenberger zudem das Kader mit Schweizer Stürmern aus der NLB aufgestockt. Diese benötigen noch Zeit, um Stützen zu werden. Kam dazu, dass die Ausländer nicht überzeugten: Ritchie fand seine Form nie, Roche nur selten, und der finnische Neuzuzug Mikko Lehtonen war ein Totalausfall.

«Nicht so gut wie gedacht»

Vielleicht verleiteten all diese Gründe Stürmer Gardner am Samstag zur Aussage: «Die jetzige Situation ist eine Möglichkeit für uns und den Klub zu sehen, dass wir nicht so gut sind, wie wir gedacht haben.» Auch Captain Plüss sagte nach der Niederlage gegen Fribourg: «Wir waren zuletzt einfach nicht gut genug.» Trotz allem hatte der SCB vor Weihnachten neun von zehn Partien gewonnen und damit gezeigt, dass er trotz aller Missstände eigentlich Playoff-fähig wäre. Sogar sein müsste. Noch immer besteht die kleine Chance, dass der SCB seinen Titel wiederholen kann. Deshalb betont Plüss: «Ich weigere mich, nach 49 Runden eine Analyse zu machen, abgerechnet wird nach 50.»

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