Obwohl Meister der Anpassung: Warum der aktuelle Klimawandel für Pinguine der letzte sein könnte

Publiziert

Obwohl Meister der AnpassungWarum der aktuelle Klimawandel für Pinguine der letzte sein könnte

Pinguine gibt es schon seit über 60 Millionen Jahren. In dieser Zeit konnten ihnen selbst extreme Klimaschwankungen nichts anhaben. Der aktuelle Klimawandel könnte trotzdem ihr Ende bedeuten.

von
Fee Anabelle Riebeling
1 / 9
Der Klimawandel ist für Pinguine kein Fremdwort. Schon mehrfach haben sie stark steigende und fallende Temperaturen erlebt. Dabei haben sie stets mit Anpassung reagiert, wie Forschende im Fachjournal «Nature Communications» schreiben. 

Der Klimawandel ist für Pinguine kein Fremdwort. Schon mehrfach haben sie stark steigende und fallende Temperaturen erlebt. Dabei haben sie stets mit Anpassung reagiert, wie Forschende im Fachjournal «Nature Communications» schreiben. 

Unsplash
Laut der Studie wurde die Evolution der Pinguine, die auf dem heute weitgehend versunkenen Mikrokontinent Zealandia begann, vor allem durch Veränderungen des Klimas und der Meeresströmungen vorangetrieben. (im Bild: Lage Zealandias)

Laut der Studie wurde die Evolution der Pinguine, die auf dem heute weitgehend versunkenen Mikrokontinent Zealandia begann, vor allem durch Veränderungen des Klimas und der Meeresströmungen vorangetrieben. (im Bild: Lage Zealandias)

Wikimedia Commons/PD
So entwickelten sich mehrere neue Arten, als sich vor rund 24 Millionen Jahren die sogenannte Drake-Passage entwickelte, eine Meeresstrasse zwischen der Südspitze Südamerikas und der Nordspitze der Antarktischen Halbinsel. 

So entwickelten sich mehrere neue Arten, als sich vor rund 24 Millionen Jahren die sogenannte Drake-Passage entwickelte, eine Meeresstrasse zwischen der Südspitze Südamerikas und der Nordspitze der Antarktischen Halbinsel. 

My Google Maps 

Darum gehts

  • Globale Temperaturveränderungen waren für Pinguine bisher kein Problem.

  • Sie trieben vielmehr ihre Evolution voran, wie eine Studie zeigt.

  • Allerdings gehen die Anpassungen nur langsam voran.

  • Für den aktuellen Klimawandel könnten sie sich nicht schnell genug weiterentwickeln.

  • Er könnte ihr letzter sein, befürchten Forschende.

Pinguine sind Meister der Anpassung. Nur so konnte die Tiergruppe bis heute überdauern und selbst extreme Klimaveränderungen überstehen. Das berichten Forschende um Theresa L. Cole von der Universität Kopenhagen in einer im Fachjournal «Nature Communications» veröffentlichten Studie (siehe Box). Laut der Studie wurde die Evolution der Pinguine, die auf dem heute weitgehend versunkenen Mikrokontinent Zealandia begann, vor allem durch Veränderungen des Klimas und der Meeresströmungen vorangetrieben.

Die Studie

Die Forschenden analysierten Pinguinfossilien und den vollständigen Satz genetischer Informationen (Genom) von heute lebenden Tieren. Laut «National Geographic» ist es damit die erste Studie, in der die Genome aller lebenden und kürzlich ausgestorbenen Pinguinlinien mit dem vollständigen Fossilnachweis kombiniert wurden. Dieses Vorgehen sei wichtig, da etwa drei Viertel der Pinguinarten ausgestorben sind. «Man muss sich die Fossilien ansehen, sonst bekommt man nur ein Fragment der Geschichte», so Paläontologe und Co-Autor der Studie Daniel Ksepka zu Nytimes.com.

So entwickelten sich mehrere neue Arten, als sich vor rund 24 Millionen Jahren die sogenannte Drake-Passage entwickelte, eine Meeresstrasse zwischen der Südspitze Südamerikas und der Nordspitze der Antarktischen Halbinsel. Das Auftauchen der modernen Kronenpinguine fiel mit der globalen Abkühlung vor 5,3 bis 15 Millionen Jahren zusammen, die zu einem Massensterben führte und während der sich der Ostantarktische Eisschild entwickelte. Zu weiteren neuen Arten kam es gemäss Spektrum.de in den letzten rund drei Millionen Jahren, als die Schwankungen zwischen Warm- und Kaltzeiten immer wieder Pinguine in einzelnen Regionen abschnitten.

Die Entwicklung der Pinguine hänge «ziemlich genau mit dem historischen Klimawandel und der Vergletscherung zusammen», zitiert Nytimes.com die nicht an der Studie beteiligte Ökologin Juliana Vianna.

Verändert wurde nach Bedarf

Das Team um Cole identifizierte eine Reihe von Genen, die die zum Überleben notwendigen Anpassungen wie Körpergrösse, Unterwassersicht, Wärmeregulierung und Tauchfähigkeit möglich gemacht haben könnten. Einige Gene sorgten beispielsweise dafür, dass die Unterarmknochen kürzer wurden, während andere die Federn der Pinguine reduzierten, sodass sie Flossen entwickelten.

Andere Gene trugen dazu bei, dass die Pinguine weisses Fett einlagerten, das als Isoliermaterial und Energiequelle dient und den Vögeln hilft, in eisigen Umgebungen warm zu bleiben.

Schlechte Aussichten für Pinguine

Trotz der Fähigkeit der Pinguine sich anzupassen, könnte die derzeitige Klimaerwärmung ein Problem für die Tiere darstellen. Denn Pinguine entwickeln sich im Vergleich zu anderen Vögeln extrem langsam, so die Forschenden. Zudem verlangsamt sich ihre Evolution, je wärmer es wird. Warum, ist unklar. Doch angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich das Klima verändert, verheisst es «nichts Gutes für die Pinguine», so die Meeresbiologin Barbara Wienecke, die nicht an der Studie beteiligt war, zu ABC.net.au.

«In den letzten 60 Millionen Jahren haben sich diese ikonischen Vögel zu hochspezialisierten Meeresräubern entwickelt und sich an einige der extremsten Umgebungen der Erde angepasst», heisst es in der Studie. «Mittlerweile aber wurden sie zum Symboltier für die Verwundbarkeit der kälteangepassten Fauna in einer sich rasch erwärmenden Welt.»

Schon jetzt wird die Hälfte aller lebenden Pinguinarten auf der Roten Liste der bedrohten Arten der IUCN als gefährdet oder bedroht eingestuft.

Magst du Pinguine?

Wissen-Push

Abonniere in der 20-Minuten-App die Benachrichtigungen des Wissen-Kanals. Du wirst über bahnbrechende Erkenntnisse und Entdeckungen aus der Forschung, Erklärungen zu aktuellen Ereignissen und kuriose Nachrichten aus der weiten Welt der Wissenschaft informiert. Auch erhältst du Antworten auf Alltagsfragen und Tipps für ein besseres Leben.

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann «Einstellungen» und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Wissen» an – et voilà!

Deine Meinung

19 Kommentare