Überlastetes Strassennetz: Warum der Kanton Luzern jetzt wieder auf Ampeln statt Kreisel setzt
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Überlastetes StrassennetzWarum der Kanton Luzern jetzt wieder auf Ampeln statt Kreisel setzt

Lange galten sie als die Lösung der Schweizer Verkehrsprobleme: Kreisel. Um das Verkehrschaos im Kanton Luzern in den Griff zu bekommen, sollen Kreisel jetzt allerdings wieder zurückgebaut und durch Kreuzungen mit Ampeln ersetzt werden.

von
Matthias Giordano
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Auf ein solches intelligentes Ampelsystem, wie es die Stadt Luzern getestet hatte, will künftig auch der Kanton setzen.

Auf ein solches intelligentes Ampelsystem, wie es die Stadt Luzern getestet hatte, will künftig auch der Kanton setzen.

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Mit der sogenannten Selbststeuerung werden Busse und Notfallfahrzeuge priorisiert, ohne dass es für Fussgänger zu längeren Wartezeiten kommt.

Mit der sogenannten Selbststeuerung werden Busse und Notfallfahrzeuge priorisiert, ohne dass es für Fussgänger zu längeren Wartezeiten kommt.

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Resultat des Tests: Am Verkehrsknoten Tribschen-/Kellerstrasse wurde die durchschnittliche Wartezeit für Fussgänger um 29 Prozent reduziert. Für den motorisierten Individualverkehr und Velos sank die Wartezeit um 18 Prozent. Auch der ÖV war minimal schneller.

Resultat des Tests: Am Verkehrsknoten Tribschen-/Kellerstrasse wurde die durchschnittliche Wartezeit für Fussgänger um 29 Prozent reduziert. Für den motorisierten Individualverkehr und Velos sank die Wartezeit um 18 Prozent. Auch der ÖV war minimal schneller.

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Darum geht’s

  • Der Kanton Luzern will besonders in der stark wachsenden Region Sursee aus Kreiseln wieder Kreuzungen mit Ampeln machen.

  • Grund dafür sei die Überlastung der Verkehrsknoten, Ampeln würden den Verkehr besser regulieren.

  • Ob die Gemeinden mitspielen, ist noch unklar. Da dies einen Systemwechsel bedeuten würde, räumten sie sich mehr Zeit für ihre Antwort ein.

Im Kanton Luzern von A nach B zu kommen dauert immer länger. Hauptschuld sind überlastete Strassen- und ÖV-Netze. Besonders davon betroffen ist die Region Sursee, die in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist – und bis 2040 weiter wachsen wird. Der Fahrplan des öffentlichen Verkehrs lässt sich bereits heute während der Stosszeiten nicht immer einhalten, teilte der Kanton Luzern mit. In seinem Gesamtverkehrsbericht hält er nun Ideen bereit, wie das Problem gelöst werden kann. Und diese deuten offenbar auf einen Richtungswechsel in der Verkehrspolitik: Ampel statt Kreisel.

Intelligente Ampeln offenbar effizienter als Kreisel

Konkret sollen in Sursee unter anderem sieben Kreisel wieder in Kreuzungen mit Ampeln umgebaut werden. Zudem sollen die Busse in den Hauptverkehrszeiten bevorzugt werden. Brisant dabei: Der Kreisel Chotten in Sursee wurde erst 2016 für 4,6 Millionen Franken umgebaut. Wie der Kanton weiter mitteilt, soll nicht der Ausbau der bestehenden Strassennetze das Ziel sein, sondern die bestehende Infrastruktur effizient zu nutzen und flächeneffiziente Verkehrsmittel, also etwa Busse, zu fördern.

Möglich sei das mit Lichtsignalanlagen der neuesten Generation. Diese ermöglichen laut der Dienststelle für Verkehr und Infrastruktur (Vif) eine «exakte Steuerung und Bewirtschaftung des Verkehrs». Diese modernen Ampelsysteme werden durch Algorithmen gesteuert. Die Grün-Phasen sind nicht einprogrammiert, sondern die Anlage berechnet selbst, wie der Verkehr am effizientesten abgewickelt werden kann. Positive Erfahrungen hat damit bereits die Stadt Luzern gemacht, wo solche intelligenten Ampelanlagen die Tribschenstrasse regeln. Die Wartezeiten haben sich dort um ein Drittel reduziert.

Ist das das Ende der Kreisel?

«Insbesondere in den Spitzenzeiten stossen die Kreisel im vorliegenden Fall an ihre Kapazitätsgrenzen. Vor allem bleibt der ÖV immer wieder stecken», sagt Gregor Schwegler, Kantonsingenieur und Leiter der Vif der «Luzerner Zeitung». «Eine Verkehrsdosierung, also den restlichen Verkehr zurückhalten, um dem Bus den Vortritt zu lassen, ist an einem Kreisel praktisch unmöglich. Mit einer Ampellösung der neuesten Generation geht das.» Kreisel blieben jedoch ein bewährtes Instrument in der Verkehrsplanung. Probleme gebe es aber, wenn die Kapazitätsgrenzen in Spitzenzeiten erreicht sind oder eine Buspriorisierung gewünscht wird.

Der Bericht befindet sich in der Vernehmlassung. Die Kosten betragen 50 bis 60 Millionen Franken. Starten würde der Umbau ab 2030. Die betroffenen Gemeinden hatten bis Mitte April Zeit, sich dazu zu äussern. Weil die Massnahmen allerdings einen Systemwechsel bedeuten würden, teilten die Gemeinden mit, mehr Zeit für eine Antwort zu benötigen. 

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