Explosive Seen: Warum der Nyos-See einst in einer Nacht 1746 Menschen ersticken liess

Publiziert

Explosive SeenWarum der Nyos-See einst in einer Nacht 1746 Menschen ersticken liess

36 Jahre ist es her, dass der Nyos-See in Kamerun plötzlich giftiges Gas ausstiess. 1746 Menschen und über 8000 Tiere starben. Die Katastrophe könnte sich an anderer Stelle wiederholen.

von
Fee Anabelle Riebeling
1 / 11
Im Jahr 1986 trat in Kamerun überraschend eine Kohlendioxidwolke aus dem See Nyos aus und tötete fast 1800 Dorfbewohnerinnen und -bewohner und mehr als 8000 Tiere. 

Im Jahr 1986 trat in Kamerun überraschend eine Kohlendioxidwolke aus dem See Nyos aus und tötete fast 1800 Dorfbewohnerinnen und -bewohner und mehr als 8000 Tiere. 

Sygma via Getty Images
Der Nyos-See befindet sich auf einer Vulkankette, der Kamerunlinie. Untersuchungen ergaben, dass sich das aus dem Erdmantel freigesetzte CO2 seit Jahrhunderten auf dem Grund des Sees angesammelt hatte. Eine plötzliche Störung des Seewassers infolge eines Erdrutsches führte zu der Freisetzung der Millionen Tonnen Gas.

Der Nyos-See befindet sich auf einer Vulkankette, der Kamerunlinie. Untersuchungen ergaben, dass sich das aus dem Erdmantel freigesetzte CO2 seit Jahrhunderten auf dem Grund des Sees angesammelt hatte. Eine plötzliche Störung des Seewassers infolge eines Erdrutsches führte zu der Freisetzung der Millionen Tonnen Gas.

Wikimedia  Commons/OpenStax/CC BY 4.0
Zwar hatte es im Vorfeld Anzeichen gegeben, doch das Blubbern war nicht als Vorankündigung von etwas Unheilvollem erkannt worden. Erst im Nachhinein berichteten Augenzeuginnen und -zeugen von einer Verfärbung des Seewassers und einem Gestank von faulen Eiern. 

Zwar hatte es im Vorfeld Anzeichen gegeben, doch das Blubbern war nicht als Vorankündigung von etwas Unheilvollem erkannt worden. Erst im Nachhinein berichteten Augenzeuginnen und -zeugen von einer Verfärbung des Seewassers und einem Gestank von faulen Eiern. 

Corbis/VCG via Getty Images

Darum gehts

  • Die tödliche  Katastrophe vom Nyos-See liegt 36 Jahre zurück.

  • 1986 traten aus dem kamerunischen See auf einmal Unmengen Gas aus, das Menschen und Tiere in der Umgebung ersticken liess.  

  • Laut Henry Ngenyam Bang, Experte für Geologie und Katastrophenmanagement, könnte sich so ein Vorfall wiederholen.

  • Auch in Europa gebe es einen so potenziell gefährlichen See.

Ein dumpfes Donnergrollen kündigte am 21. August 1986 die Katastrophe an. Erst erloschen Gaslampen, Petroleumfackeln und Herdfeuer, dann alles Leben im Umkreis des Nyos-Sees in Kamerun. 1746 Menschen und mehr als 8000 Tiere erstickten, weil der See schlagartig rund 1,6 Millionen Tonnen Gas – überwiegend Kohlendioxid (CO2) – freigesetzt hatte. Die Gaswelle überrollte noch in 20 Kilometern Entfernung Täler und Dörfer.

Es war mindestens der zweite Vorfall dieser Art: Zwei Jahre zuvor waren am Monoum-See 37 Menschen gestorben. Mythen aus der Gegend um den See weisen darauf hin, dass es auch schon früher derartige Unglücke gegeben hat. Und es könnte noch weitere Male passieren. 

Wie kam es zu der See-Explosion?

Die Untersuchungen zur Ursache der Katastrophe am Nyos-See ergaben, dass sich das aus dem Erdmantel freigesetzte Kohlendioxidgas seit Jahrhunderten auf dem Grund des Sees angesammelt hatte. Eine plötzliche Störung des Seewassers infolge eines Erdrutsches führte zu der Freisetzung der Millionen Tonnen Kohlendioxidgas.

Seit 2003 gibt es ein Entgasungs-Projekt, das eine Wiederholung der Katastrophe verhindern soll: Das mit CO2 gesättigte Wasser sprudelt vom Seegrund durch ein in die tiefen Wasserschichten reichendes Rohr in Form einer bis zu 20 Meter hohen Fontäne aus dem See heraus. Durch diese kontrollierte Entgasung soll eine gefährliche CO2-Übersättigung verhindert werden.

Veränderungen am Kuk-See

Dies nicht nur in Kamerun, so Henry Ngenyam Bang, Experte für Geologie und Katastrophenmanagement von der Bournemouth University, in einem Artikel auf theconservation.com: «Weitere Gewässer sind der Kiwusee an der Grenze zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo, der Ngozi-See in Tansania und der Monticchio-See in Italien.»

Besonders beunruhigt zeigt er sich dennoch von einem kamerunischen See: dem Kuk-See, der nur wenige Kilometer vom Nyos-See entfernt und ebenfalls Teil der Kamerunlinie genannten Vulkankette ist. Sein Wasser habe sich zuletzt von Blau zu einem trüben Rot verfärbt – so wie es auch nach der Katastrophe von 1986 beobachtet worden sei. Auch der Geruch von faulen Eiern, wie er damals von Überlebenden beschrieben wurde, sei dort festgestellt worden.

Experte ruft zum Handeln auf

Bang rät dazu, die Kraterseen in der Region und insbesondere den Kuk-See genau zu untersuchen. «Der Kuk-See wurde kurz nach der Katastrophe am Nyos-See untersucht und enthielt kein überschüssiges Kohlendioxid. Aufgrund seiner relativ geringen Tiefe und Oberfläche ist das Risiko, dass Gas in grossen Mengen eingeschlossen wird, gering», so der Wissenschaftler. Doch diese Erkenntnisse seien über 30 Jahre alt. Aufgrund seiner Lage auf der Kamerunlinie könnten jederzeit vulkanische Gase in den See eindringen und möglicherweise zu einer erneuten Katastrophe führen.

«Das Vernünftigste wäre, die Menschen vom See fernzuhalten, bis eine rasche und glaubwürdige Untersuchung durchgeführt worden ist.»

Henry Ngenyam Bang, Experte für Geologie und Katastrophenmanagement von der Bournemouth University

Der Experte kritisiert, dass in der offiziellen Pressemitteilung die aktuellen Veränderungen mit starken Regenfällen erklärt wurden. «Das beruht auf Annahmen.» Die Mitteilung sei nur einen Tag nach Bekanntwerden der Veränderungen verschickt worden. «Es ist nicht möglich, dass ein Wissenschaftler eine physische Untersuchung des Sees durchgeführt hat.» Dass die Zehntausenden Menschen, die in der Region leben, dazu aufgerufen worden seien, «ruhig zu bleiben und wachsam zu sein, um die Verwaltung kontinuierlich über jeden weiteren Vorfall zu informieren», reicht Bang zufolge nicht aus.

«Das Vernünftigste wäre, die Menschen vom See fernzuhalten, bis eine rasche und glaubwürdige Untersuchung durchgeführt worden ist.» Die Durchführung der notwendigen Tests sei zwar eine logistische Herausforderung, aber die Überwachung sei die einzige Möglichkeit, sich auf künftige See-Explosionen vorzubereiten und sie zu verhindern. 

Warst du schon einmal in Kamerun?

Wissen-Push

Abonniere in der 20-Minuten-App die Benachrichtigungen des Wissen-Kanals. Du wirst über bahnbrechende Erkenntnisse und Entdeckungen aus der Forschung, Erklärungen zu aktuellen Ereignissen und kuriose Nachrichten aus der weiten Welt der Wissenschaft informiert. Auch erhältst du Antworten auf Alltagsfragen und Tipps für ein besseres Leben.

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann «Einstellungen» und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Wissen» an – et voilà!

Deine Meinung

18 Kommentare