Aktualisiert 26.12.2011 11:13

«Time-Out»

Warum der Spengler Cup so erfolgreich ist

Der Spengler Cup ist eine der erfolgreichsten Sport-Veranstaltungen der Welt. Obwohl der sportliche Titel fast keinen Wert hat. Warum ist das so?

von
Klaus Zaugg
Ein Bild aus vergangenen Zeiten des Spengler Cups aus dem Jahr 1997. (Bild: Keystone)

Ein Bild aus vergangenen Zeiten des Spengler Cups aus dem Jahr 1997. (Bild: Keystone)

Der Spengler Cup ist eine Sportveranstaltung. Und doch ist das sportliche Resultat zweitrangig. Hier ist der Traum aller Sportmanager in Erfüllung gegangen: Zuschauerzahlen, Medienpräsenz, Werbeeinnahmen und Popularität sind nicht vom Resultat abhängig. Ein Perpetuum mobile des Sportes: Einmal in Gang gesetzt, dreht es sich ohne die Energiezufuhr von Resultaten bis in alle Ewigkeit.

Erinnern Sie sich noch an die Spengler Cup-Sieger der letzten drei Jahre? Nein? Erinnern Sie sich an die Schweizer Meister der letzten drei Jahre? Mit ziemlicher Sicherheit. Womit wir den Beweis für die Unwichtigkeit der Spengler Cup-Resultate bewiesen haben: Hier ist Sport zu Kultur geworden. Ob der HCD gewinnt oder verliert, ist egal.

Mit Zutaten angereichert

Das Erfolgsgeheimnis des Turniers ist die Zauberformel vom Zauberberg (Thomas Mann hat 1924 in Davos den Klassiker «Der Zauberberg» geschrieben). Für die Zauberformel des Spengler Cups braucht es ein paar Zutaten. Erstens, den Kurort Davos im bergigen Heidi-Winterwunderland. Zweitens, den Termin zwischen Weihnachten und Neujahr. Wenn sonst nichts läuft und jeder dankbar ist für ein bisschen Abwechslung. Drittens, das hölzige Stadion, das akustisch und optisch an eine Hockey-Kathedrale mahnt und als eines der architektonisch schönsten der Welt gilt. Viertens, die garantierte TV-Übertragung, die aus jedem Spiel beste TV-Unterhaltung macht. Dazu kommt die Tradition: Urgrossvater, Grossvater und Vater verfolgten den Spengler Cup auch schon am Fernsehen (erste Live-Übertragung 1960). Und schliesslich und endlich gibt es beim Spengler Cup fast nur Heimteams: Die Kanadier sind beliebt, die Russen werden verehrt, die Tschechen respektiert und der HCD ist sowieso Kult. Nur gegen die Deutschen sind alle.

Es hat immer wieder Versuche gegeben, den Spengler Cup mit ähnlichen Turnieren zu konkurrenzieren. Zum Beispiel in Arosa, St. Petersburg, Salzburg, Villars, St. Moritz, Stockholm, München, in der hohen Tatra und sogar der internationale Eishockeyverband (IIHF) hat immer wieder an internationalen Klubwettbewerben gebastelt. Alle diese Versuche sind jämmerlich gescheitert und die IIHF hat sich dabei eine Schadenersatzklage und einen Bundesgerichtsfall eingehandelt.

Der Spengler Cup in Bern? In Zürich? Den Spengler Cup in der Vorsaison? Der Spengler Cup als Neulancierung im 21. Jahrhundert mit allen Mitteln des Marketings? Alles chancenlos. Die Zauberformel ist nicht übertragbar. Sie ist nur in Davos anwendbar und gibt dem Turnier den unverwechselbaren Charakter so wie das Geheimrezept von Coca Cola der braunen Brausebrühe den unverwechselbaren Geschmack gibt. Schon 1927 notierte der Chronist der «Davoser Zeitung», dass 4000 Zuschauer (!) mit dem Siegestor von Bobby Bell in Ekstase verfallen seien.

Wie Rio ohne Karneval

Und warum sind alle «Gegen-Spengler Cups» gescheitert und warum werden sie immer scheitern? Ganz einfach: Es geht nicht ohne die Zauberformel vom Zauberberg.

Der Spengler Cup braucht Davos als Bühne – aber umgekehrt braucht Davos den Spengler Cup. Davos ohne dieses Turnier wäre wie Rio ohne den Karneval, Basel ohne Fasnacht oder Zürich ohne Sechseläuten. Und unser Eishockey wäre ohne den Spengler Cup wie ein Tanz ohne Musik oder Schwingen ohne Sägemehl. Ja, das Schweizer Eishockey definiert sich über dieses Turnier: Wir haben den Spengler Cup, also sind wir. Dass es ab 2012 jedes Jahr für die Klubs im Unterland gesamthaft eine Million aus dem Spengler Cup-Gewinn geben wird, macht das Turnier noch schöner.

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