«Time-out» mit Klaus Zaugg: Warum die Kloten Flyers ein logischer Leader sind
Aktualisiert

«Time-out» mit Klaus ZauggWarum die Kloten Flyers ein logischer Leader sind

Die Kloten Flyers schreiben Geschichte: Leader nach fünf Auswärtsspielen in Serie. Das hat es so seit er Einführung der Playoffs (1985/86) noch nicht gegeben. Doch dahinter steckt eine Logik.

von
Klaus Zaugg

Die historische Leaderposition ist auf den ersten Blick völlig überraschend. Erstens gehörten die Flieger vor dem Saisonstart nicht zu den grossen Favoriten. Und zweitens müssen sie wegen des Umbaus des Stadions die ersten acht Spiele auswärts austragen.

Der Heimvorteil ist indes im Eishockey eher ein Heimnachteil. Und zwar auf allen Ebenen. Seit 1986 hat beispielsweise nie mehr ein Gastgeber die Heim-WM gewonnen. Weder Finnland noch Schweden noch Tschechien noch die Russen. Zuletzt sind sogar die Kanadier auf eigenem Eis gescheitert. Und die entscheidenden Spiele in den Playoffs gehen sehr oft auf eigenem Eis verloren: Der SC Bern hat alle fünf Titel im Playoffzeitalter auswärts gewonnen, der EV Zug gewann seine einzige Meisterschaft mit einem Sieg in Davos und der SC Bern musste auf eigenem Eis Meisterfeiern der Kloten Flyers und des HC Lugano erleben.

Für Auswärtsspiele geeignet

Kein anderes NLA-Team ist so sehr für Auswärtspiele geeignet wie jenes der Kloten Flyers. Das taktische Layout des schwedischen Cheftrainers Anders Eldebrink ist defensiv ausgerichtet und basiert auf guter Spielorganisation und schnellen Gegenstössen. Wer gegen diese Mannschaft offensives Vollgashockey spielt, wer mit den Fliegern offensiv tanzt, begibt sich in Gefahr. Die mit den Fliegern tanzen sind meistens chancenlos. Diese Saison am spektakulärsten die schnellen, total offensiv ausgerichteten SCL Tigers, die auf eigenem Eis schon nach 2 Minuten und 47 Sekunden 0:2 im Rückstand lagen und schliesslich 1:5 verloren.

Die Flyers haben die idealen Spieler für schnelles Konterhockey. Die teuflisch schnelle und wendige Tanzmaus Kimmo Rintanen führt die NLA-Skorerliste an. Und auf den Plätzen drei und vier folgen zwei weitere Klotener (Roman Wick und Tommi Santala).

Mühe gegen defensive Teams

Hingegen haben die Flyers grösste Mühe, wenn der Gegner die Räume nicht öffnet. Sondern mit grösster defensiver Sorgfalt sein Defensiv-Dispositiv aufzieht und mit vier Mann an der eigenen blauen Linie «mauert». Dann müssen die Zürcher das Spiel öffnen und laufen selber in Konter. Im letzten Frühjahr verabschiedeten sich die Klotener mit einer Heimniederlage gegen die ZSC Lions aus den Playoffs.

Im Eishockey gibt es nur wenige Mannschaften, die spielerisch so überlegen sind, dass sie jeden Gegner mit offensivem Powerhockey ohne Rücksicht auf defensive Verluste vom Eis fegen können - der Vorteil liegt bei der defensiv besser organisierten Mannschaft. Selbst der HC Davos, der wie keine andere Mannschaft für offensives Powerhockey steht, hat ein defensives taktisches Layout. Trainer Arno del Curtos Meisterstück ist eine Spielorganisation, die kaum ein anderes europäisches Team in dieser Perfektion erreicht: Die Defensive beginnt mit dem vordersten Stürmer. An einem guten Abend blockieren alle vier HCD-Fünferblocks die gegnerischen Angriffsversuche schon im Ansatz im gegnerischen Drittel.

Kloten-Heimspiele: Das Glück der Konkurrenz

So gesehen sind die Kloten Flyers also ein logischer Leader. Und sie wären ein Meisterschaftsfavorit, wenn sie freiwillig alle Partien auswärts bestreiten und die Matcheinnahmen mit dem Gastgeber teilen würden. Das wäre sogar ein gutes Geschäft: Keine Eismieten für den Spieltag, keine Sicherheitskosten.

Zum Glück für die Konkurrenz muss der aktuelle Tabellenführer im Oktober wieder Heimspiele austragen. Das erste in dieser Saison am 4. Oktober gegen den HC Davos.

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