UBS-GV: Warum die UBS auf Tauchstation geht
Aktualisiert

UBS-GVWarum die UBS auf Tauchstation geht

Die Grossbank ist sich nicht zu schade, auf Staatshilfe zurückzugreifen. Doch die mediale Aufmerksamkeit bei ihrer Generalversammlung schätzt sie gar nicht.

von
mdr
Bitte nicht zu viele Zuschauer: Die UBS will keine Live-Übertragung in den Medien, wenn die UBS-Aktionäre über die Décharge von Ex-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel und anderen Führungskräften entscheiden. Ospel an der UBS-Generalversammlung im April 2007.

Bitte nicht zu viele Zuschauer: Die UBS will keine Live-Übertragung in den Medien, wenn die UBS-Aktionäre über die Décharge von Ex-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel und anderen Führungskräften entscheiden. Ospel an der UBS-Generalversammlung im April 2007.

Das Donnerwetter wird gross sein, das am Mittwoch in Basel auf die Verantwortlichen der Grossbank UBS niedergeht. Die Aktionäre werden an der Generalversammlung über die Manager-Boni wettern und die Geschäftspolitik der früheren Verantwortlichen wird in der Kritik stehen. Doch die Schweiz soll dabei nicht zusehen, so die Meinung der UBS. Das Schweizer Fernsehen darf die Generalversammlung nicht live übertragen, wie es auf Anfrage heisst. Eine Begründung dafür hat SF nicht erhalten. Und auch 20 Minuten Online hat keine Erlaubnis bekommen für eine Live-Übertragung aus der St. Jakobshalle in Basel. Offenbar will die UBS nicht, dass die Kritik an ihrem Geschäftsgebaren von einer breiten Bevölkerung beobachtet wird.

Die UBS gibt sich wortkarg. Eine Begründung für das Verbot gibt es nicht. Sprecher Dominique Gerster verweist nur auf die Live-Übertragung auf der UBS-Website. Diese mache die Grossbank schon seit Jahren. «So erhalten auch Aktionäre, die nicht nach Basel kommen können und die interessierte Bevölkerung die Möglichkeit, das Geschehen an der Generalversammlung mitzuverfolgen», sagt Gerster. Zwar ist die Live-Übertragung für jedermann zugänglich. Die Hürde ist jedoch höher. Die Zuschauen müssen sich zuerst registrieren.

Aktionäre sollen sich nicht ans Mikrofon drängen

Dass das Übertragungsverbot der UBS mit drohenden Kritik zu tun hat, zeigt der gleiche Streit vor gut zwei Jahren. Bereits damals wollte das Schweizer Fernsehen die ausserordentliche Generalversammlung übertragen — und erhielt eine Absage, wie Tages-Anzeiger.ch berichtete. Bei einer Live-Übertragung würden mehr Leute ans Mikrofon drängen, um am Fernsehen zu kommen, begründete die UBS laut dem damaligem SF-Chefredaktor Ueli Haldimann die Absage. «Für die Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit der Bank wäre Transparenz sicher gut», sagte Haldimann gegenüber Tages-Anzeiger.ch.

An der Generalversammlung im Februar 2008 ging es um die erste Kapitalerhöhung als Folge der US-Immobilienkrise-Krise. Zwei Jahre später würde Transparenz der UBS sogar noch besser anstehen. Die Grossbank musste ein milliardenschweres Rettungspaket der Eidgenossenschaft in Anspruch nehmen und brauchte Schützenhilfe bei der Auslieferung von Kundendaten an die USA. Und das UBS-Debakel ist noch nicht vorüber: Im Juni soll das Parlament den Staatsvertrag mit den USA durchwinken, um der UBS einen Prozess vor der dortigen Justiz zu ersparen. Ist sich dieser besonderen Situation bewusst, die eine grössere Transparenz erwarten lässt? Die Antwort der UBS: Kein Kommentar.

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