Aktualisiert 30.06.2016 16:48

Social-Media-Falle

Warum du für eine USA-Reise braver sein musst

Bald könntest du für deine USA-Reise deine Social-Media-Accounts offenlegen müssen. Auch wenn du kein mediengeiler Terrorist bist, kann das sehr schnell mit einem Einreiseverbot enden.

von
liv

Warst du schon einmal USA-Tourist, kennst du das Prozedere: Vor jeder Reise in die Vereinigten Staaten bist du gezwungen, online ein ESTA-Gesuch für den amerikanischen Heimatschutz auszufüllen. Beantworten musst du auf dem Fragebogen Dinge wie, ob du Drogen nimmst oder eine Nazivergangenheit hast. Nun sollen Touristen auf dem Einreiseformular – auf freiwilliger Basis (lach) – bald auch noch angeben, unter welchen Namen sie auf Social Media zu finden sind (20 Minuten berichtete).

Eine Begründung für diese Änderung gibt es von offizieller Seite nicht. US-Medien spekulieren, dass die Massnahmen mit den Amokläufen in Orlando und San Bernardino in Zusammenhang stehen. Einer der Attentäter des Massakers in Kalifornien hatte auf Facebook verräterische Privatnachrichten ausgetauscht und der Orlando-Amokläufer soll mutmasslich auf Dating-Apps wir Grindr Nachrichten versandt haben, die Schlüsse auf seine geplante Tat zugelassen hätten.

Das klingt erst einmal vernünftig. Doch mit einem Facebook-Namen allein würden die Amerikaner nicht an allzu viele Privatinformationen kommen. Und welcher Amokläufer würde allen Ernstes seinen Schlachtplan snappen? Zudem waren die Attentäter amerikanische Staatsbürger. Wollen die amerikanischen Behörden unsere Daten vielleicht, um nicht öffentliche Nachrichten mitzulesen, die nichts mit Terroranschlägen zu tun haben?

Wird uns in Zukunft nun das Einreiserecht verweigert, weil wir in einem Facebookchat mal erwähnten, dass wir einen Joint geraucht haben? Oder dass wir in den USA die Kinder unserer Verwandten hüten wollen?

Letzteres wurde einer jungen Deutschen vergangenes Jahr zum Verhängnis. Aimee Schneider wurde bei ihrer Ankunft in Ohio an der Grenzkontrolle einem Verhör unterzogen, bei dem sie aufgefordert wurde, den Facebook-Chatverlauf mit ihren amerikanischen Verwandten offenzulegen. Bei ihnen wollte sie ein paar Monate Ferien machen. Weil im Chat stand, dass sie sich vorstellen könne, auf ihre kleinen Cousins aufzupassen, setzte die Behörde sie umgehend in ein Flugzeug zurück Richtung Heimat. Und nicht nur das. Sie erteilten der 20-Jährigen ein lebenslängliches Einreiseverbot, weil sie versucht habe, illegal in den Staaten zu arbeiten.

Aimees Fall zeigt, dass bei der US-Einreisebehörde nur schon ein Verdacht genügt, um Strafen auszusprechen. Die kommende Änderung für Touristen solltest du daher im Hinterkopf behalten, wenn du eine Amerika-Reise planst. Die Privatsphäre, die die Social-Media-Messengerdienste suggerieren, täuscht.

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