Für 8000 Pfund: Warum ein britischer Journalist 1962 die Seychellen-Insel Moyenne kaufte

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Für 8000 PfundWarum ein britischer Journalist 1962 die Seychellen-Insel Moyenne kaufte

Brendon Grimshaw tat etwas, wovon viele von uns nur träumen: Er kaufte sich eine tropische Insel – um sie wieder zu dem Paradies zu machen, das sie einmal war. 

von
Fee Anabelle Riebeling
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Rund 500 Meter lang und knapp 300 Meter breit – das ist die Seychellen-Insel Moyenne. 

Rund 500 Meter lang und knapp 300 Meter breit – das ist die Seychellen-Insel Moyenne. 

Flickr.com/Gerwin Sturm/CC BY-SA 2.0
Moyenne ist rund 4,5 Kilometer von der Hauptinsel Mahé entfernt.

Moyenne ist rund 4,5 Kilometer von der Hauptinsel Mahé entfernt.

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Anfang der 1960er-Jahre verliebte sich der britische Journalist Brendon Grimshaw in das weniger als einen Quadratkilometer grosse Eiland – und kaufte es. (Im Bild: Inselbesitzer Grimshaw) 

Anfang der 1960er-Jahre verliebte sich der britische Journalist Brendon Grimshaw in das weniger als einen Quadratkilometer grosse Eiland – und kaufte es. (Im Bild: Inselbesitzer Grimshaw) 

imago images/Everett Collection

Darum gehts

  • Die Seychellen-Insel Moyenne ist der kleinste Nationalpark der Welt. 

  • Diesen Status verdankt sie dem Briten Brendon Grimshaw, der die Insel in den 1960er-Jahren gekauft und in ein Naturparadies verwandelt hat.

  • Auch horrende Summen, die man ihm für die Insel bot, brachten ihn nicht davon ab. 

Die Seychellen sind ein beliebtes Reiseziel. Auch dem britischen Journalisten Brendon Grimshaw gefiel es dort. So gut, dass er seinen Job als Reporter in den ehemaligen britischen Kolonien in Afrika aufgab und in den 1960er-Jahren auf die kleine Insel Moyenne zog, und diese sogar kaufte. Für 8000 Pfund wechselte das rund 500 Meter lange und knapp 300 Meter breite Eiland im Jahr 1962 in seinen Besitz.

So paradiesisch wie heute (siehe Bildstrecke) war es damals dort aber noch nicht: Moyenne war während der Kolonialzeit nahezu vollständig abgeholzt worden und war stark verwildert. «Unkraut erstickte den Unterboden», zitierte ihn BBC.com. Die Insel sei so überwuchert gewesen, «dass herabfallende Kokosnüsse nie den Boden erreichten, wie man so sagte». Der 37-jährige Grimshaw war gekommen, um dies zu ändern.

Lebensraum für Tausende Tiere

Gemeinsam mit einem Einheimischen, dem 19-jährigen Fischersohn René Antoine Lafortune, rodete er das Gestrüpp und pflanzte unter anderem 16’000 Bäume an, darunter Mahagoni, Palmen, Mango, Papaya, um einen Lebensraum zu schaffen – für sich und die 120 Aldabra-Riesenschildkröten, die er auf Moyenne wieder angesiedelt hat. Um einen Überblick über die Grösse der Population zu haben, nummerierte er sie, indem er mit Farbe Zahlen auf ihre Panzer malte, wie Dailymail.co.uk berichtete.

Auch Tausende Vögel kehrten dank des Einsatzes des Duos auf die Insel zurück. Die beiden Männer errichteten zudem ein einfaches Haus, in dem Grimshaw bis zu seinem Tod im Jahr 2012 lebte. Ausserdem schufen sie einen rund fünf Kilometer langen Naturpfad. 

Selbst 50 Millionen liessen Grimshaw nicht verkaufen

Dem Exil-Briten ging es bei alledem nicht nur um sich und die einheimischen Tiere. «Seine Vision war es, eine unberührte Insel für zukünftige Generationen von Seychellois und der Welt zu hinterlassen», zitiert die BBC seinen Freund Suketu Patel. Und so schlug der Brite alle Kaufanfragen in den Wind. Sogar jene, die ihm 50 Millionen US-Dollar eingebracht hätte. Denn: «Der einzige Grund, warum jemand diese Insel kaufen würde, wäre, um ein grosses Hotel zu bauen.»

Weil er keine Nachkommen hatte, denen er sein Inselparadies vererben konnte, und sein Freund Lafortune vor ihm starb, gründete Grimshaw gemeinsam mit Patel einen ewigen Treuhandfonds zum Schutz der Insel. Weiter unterzeichnete er im Jahr 2009 ein Abkommen mit dem Umweltministerium der Seychellen, laut dem Moyenne nicht nur Teil des Sainte-Anne-Marine-Nationalparks, sondern auch ein eigenständiger Nationalpark ist. Seither wird der Moyenne Island National Park als kleinster Nationalpark der Welt geführt.

Piratenschatz

Beim Räumen einer überwucherten Stelle im Nordwesten der Insel fand Grimshaw zwei Gräber. Auf ihren Grabsteinen stand: «Unhappily Unknown.» Der Ex-Journalist war überzeugt, dass hier Piraten aus vergangenen Jahrhunderten begraben waren. Schliesslich war einer der Strände an der Nordseite als Piratenbucht bekannt. Der Überlieferung nach sollen in den Gräbern zwei Seeräuber liegen, die dort platziert wurden, um den auf der Insel verborgenen Schatz zu beschützen. Ob Grimshaw an die Legenden wirklich glaubte, ist nicht bekannt. Allerdings soll er sich auf die Suche gemacht haben. Die Totenkopfsymbole markieren die Stellen, an denen er sein Glück versucht hat.

Karte von Moyenne.

Karte von Moyenne.

A Grain of Sand: The Story of One Man and an Island via Grimshaworigin.org

Offen für Besucherinnen und Besucher

Seit dem Tod Grimshaws ist die Insel nicht mehr ständig bewohnt. Sie kann aber – wie auch schon zu seinen Lebzeiten – weiterhin von Touristinnen und Touristen besucht werden. Daran dürfte sich auch in Zukunft nichts ändern, weil es der letzte Wunsch des Briten war, so Travelbook.de: «Moyenne soll als Ort des Gebets, des Friedens, der Ruhe, der Entspannung und des Wissens für Seychellois und Besucher aus Übersee aller Nationalitäten, Hautfarben und Glaubensrichtungen erhalten bleiben.»

Moyenne ist am besten von der Hauptinsel Mahé aus erreichbar, die auch die grösste der insgesamt 115 Seychellen-Inseln und bei Reisenden sehr beliebt ist.  

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