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Doktor Sex«Warum ekeln sich Männer vor ihrem Sperma?»

Iris stört sich daran, dass Männer von ihren Partnerinnen einen unbefangenen Umgang mit dem Ejakulat erwarten, selbst aber grosse Probleme damit haben.

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Samen unter dem Elektronenmikroskop. (Symbolbild: Google)

Samen unter dem Elektronenmikroskop. (Symbolbild: Google)

Frage von Iris (38) an Doktor Sex: Mich beschäftigt schon länger eine Frage in Zusammenhang mit dem Umgang von Männern mit ihrem Ejakulat. Zugespitzt formuliert könnte man sagen, dass sie uns Frauen ihre Samenflüssigkeit am liebsten überall hinspritzen. Und schlucken sollen wir sie auch noch. Aber wenn sie selber damit in Berührung kommen, ekeln sie sich. Sie muss dann schnellstmöglich weggewischt werden. Ich habe dieses Verhalten schon einige Male selber beobachtet und auch schon darüber gelesen. Warum ekeln sich so viele Männer vor ihrem eigenen Sperma? Und ist dies eher ein Hetero-Phänomen oder geht es homosexuellen Männern ähnlich, obschon diese sich ja gewohnt sind, auch mit dem Sperma von anderen Männern in Kontakt zu kommen? Ich würde es einfach gerne verstehen.

Antwort von Doktor Sex

Liebe Iris

Der Umgang mit dem Sperma beim Sex scheint mir grundsätzlich nicht ganz unproblematisch zu sein – egal, ob aus der Sicht des Mannes oder aus derjenigen der Frau. Ein bisschen erinnert er mich an das Verhalten mancher Frauen in Zusammenhang mit der Menstruationsblutung. Mann nimmt den Umstand, dass ab einem gewissen Alter beim Orgasmus Samenflüssigkeit abgesondert wird zwangsläufig in Kauf, aber obschon es sich dabei um einen natürlichen Vorgang handelt, ist die Beziehung dazu alles andere als entspannt. Dafür spricht auch die Tatsache, dass die Väter immer noch in der Minderheit sind, die mit ihren Söhnen vor der Eintreten der Pubertät über den bevorstehenden ersten Samenerguss reden.

Trotz des eher ambivalenten Verhältnisses vieler Männer mit ihrem Ejakulat finde ich den von dir gewählten Ansatz wenig sinnvoll, das Ganze verallgemeinern und auch noch gleich eine griffige Erklärung dafür konstruieren zu wollen. Der Umgang mit den Körperausscheidungen und die Beziehung dazu ist von Mensch zu Mensch verschieden. Beides hängt von Lernprozessen ab und wird insbesondere beeinflusst von der Reinlichkeitserziehung in der Kindheit.

Gemäss einer nicht repräsentativen Umfrage der Zeitschrift «Jolie» spucken 53 Prozent der Frauen das Ejakulat nach dem Oralsex aus, während 47 Prozent die Samenflüssigkeit schlucken. Zahlen über (homosexuelle) Männer habe ich – wen wunderts – keine gefunden.

Wenn sich die Buben bei mir im Sexualpädagogikunterricht jeweils darüber erstaunt zeigen, dass – entgegen ihren Vorannahmen – manche Frauen keinen Spass haben daran, Sperma zu schlucken, schlage ich ihnen jeweils vor, es selber mal zu probieren. Die Reaktion auf meinen Vorschlag ist dann jeweils ein lautes Gejohle, durchzogen von «Wäääh»-, «Bäääh»- und «Siiicher nicht»-Rufen. Ich weise sie dann jeweils darauf hin, dass es unfair ist von einem Mann, zu erwarten, dass eine Frau seinen Samenerguss schluckt, während er sich selbst davor ekelt. Und dass der Selbstversuch für einige von ihnen möglicherweise zur heilsamen Erkenntnis führen könnte, wie unangenehm es sein kann, dieses Sekret zu schlucken.

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