Schulbank statt Badi: Warum es nie Hitzefrei gibt
Aktualisiert

Schulbank statt BadiWarum es nie Hitzefrei gibt

Schiesst das Thermometer durch die Decke, hätten die Lehrer durchaus Spielraum. Doch es sind die eigenen Eltern, die den Schülern das Hitzefrei vermiesen.

von
Michael Küng
Müssen ihre Hoffnungen mit dem Ende der Sommerferien künftig in das Mitleid ihrer Lehrer setzen: Drei junge Frauen beim vor der Hitze rettenden Sprung ins kühle Nass des Zürichsees.

Müssen ihre Hoffnungen mit dem Ende der Sommerferien künftig in das Mitleid ihrer Lehrer setzen: Drei junge Frauen beim vor der Hitze rettenden Sprung ins kühle Nass des Zürichsees.

Das musste ja so kommen: Kaum sind die verregneten Sommerferien um, schafft es der Hochsommer doch noch in die Schweiz. Und so müssen nun Tausende die Schulbank drücken, wenn sie doch eigentlich vom Herumfläzen auf dem Badituch träumen.

Letzte Hoffnung «Hitzefrei», mag sich da mancher Schüler denken. Doch wurde dieser Passus in den vergangenen Jahren aus vielen Schulreglementen gestrichen – wenn es ihn denn überhaupt je gab.

Seit jeher ohne eine solche Klausel kommt etwa der Kanton St. Gallen aus: «Das letzte Mal, dass in vereinzelten Gemeinden der Unterricht wegen Hitze ausfiel, war 2003», so Rolf Rimensberger. Der Leiter des Amtes für Volksschule hält aber fest: «Diese Woche wird es kein Hitzefrei geben.» In der Unterrichtsgestaltung sind die Lehrer hingegen frei: Sport im Freibad, Zeichnen im Park. «Die Lehrer nützen diese Möglichkeiten rege», weiss der ehemalige Sekundarlehrer.

In die Badi gehen? «Das ist nicht Sinn der Sache»

Ähnlich die Situation der Kinder in Basel: Der Stadtkanton hat den Hitzefrei-Passus im Schulreglement 2003 gestrichen – ausgerechnet im Jahrhundertsommer. Valérie Rhein vom Erziehungsdepartement begründet den Wegfall mit der veränderten Situation der Eltern: «Der Betreuungsgedanke war mit ausschlaggebend für den Entscheid. Häufig arbeiten beide Elternteile, da wären spontane Freitage nicht zumutbar».

Paradox mutet der zweite Grund an: So sei aufgefallen, dass die Kinder ihre Freizeit häufig ungeschützt im Freien verbracht hätten – «das war nicht im Sinne von hitzefreien Nachmittagen», so Rhein. Badi-Verbot wegen zu schönem Wetter? Weshalb die Kids nicht nach draussen sollten, erklärt Philipp Schori, Medienbeauftragter der Stadt Bern: «Tatsächlich ist vor allem der gesundheitliche Aspekt ausschlaggebend, sind doch die Ozon-Werte bei anhaltend schönem Wetter deutlich erhöht.»

Schweren Stoff in die Morgenstunden legen

Zwar gestalten die meisten Lehrer die erste Schulwoche nach den Sommerferien eher locker. Aber es soll sie ja geben, die fiesen Pauker, die gleich in der ersten Woche des neuen Schuljahrs das Erinnerungsvermögen der Schüler erstmal mit einem ordentlichen Test prüfen wollen. Um den Kindern konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen, bietet es sich an, Prüfungen wie auch allgemein schweren Stoff in den Morgenstunden abzuhandeln. Für den Nachmittag ist Mitmach-Unterricht geeignet: Podiumsdiskussion im Deutsch-, Analyse intelligenter Karikaturen im Geschichts-, Smalltalk im Französisch- oder Gerichtssimulation im Rechtsunterricht. Generell wird Lehrern in kantonalen Richtlinien geraten, einen Gang runter zu schalten.

Wie wird beziehungsweise wurde in Ihrer Schule mit Hitzeperioden umgegangen? Hatten Sie jemals Hitzefrei? Schreiben Sie ins Talkback!

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