Aktualisiert 07.01.2016 11:06

Brauchtum

Warum essen wir heute Dreikönigskuchen?

Am 6. Januar ist klar: Es werden Dreikönigskuchen gegessen. Jedes Jahr rund 1,5 Millionen Stück. Weniger klar ist der Ursprung des Brauchs.

von
Fee Riebeling

Kaum ein Haushalt, in dem heute kein Dreikönigskuchen (siehe Box) auf dem Tisch steht. Er gehört zum 6. Januar wie das Feuerwerk zu Silvester. Doch wer hat ihn erfunden? Und wie hat er es so weit gebracht?

Dieser Frage ist zu Lebzeiten der Berner Brotforscher Max Währen (1919-2008) nachgegangen. Seine Nachforschungen ergaben, dass ein vergleichbares süsses Gebäck in der Schweiz mindestens seit dem Jahr 1390 bekannt ist. Damals wurde erstmals ein solches urkundlich erwähnt.

Auch Sklaven konnten König werden

Doch laut dem Experten liegt der Ursprung des Kuchens noch weiter zurück, nämlich im 5. Jahrhundert vor Christus. In der römischen Antike soll der Kuchen anlässlich eines Volksfests zu Ehren des Gottes Saturn verteilt worden sein.

Zwar waren damals Bohnen statt Plastik-Figürli im Kuchen versteckt, aber der Brauch war der gleiche: Wer eine fand, durfte sich für den Rest des Tages als König sehen. Das soll sogar für die Sklaven gegolten haben, schreibt Währen. Mit den römischen Legionären sei der Brauch dann nach Mitteleuropa und damit auch in die Schweiz gekommen.

Der Schweizer Historiker Konrad J. Kuhn begegnet dieser Ursprungssuche in einer aktuellen Untersuchung (hier als Pdf herunterladbar) allerdings mit Skepsis. Er schreibt, dass dieser Überlieferung aus «volkskundlich-wissenschaftlicher Perspektive sehr vorsichtig zu begegnen» sei. Dafür spreche nicht nur die «dünne Quellengrundlage», sondern auch, dass die «rund 1000 Jahre ohne jegliches Zeugnis für diesen Brauch» in Währens Ausführungen übergangen würden.

Grosse Wissenslücke

Fest steht hingegen, dass der Vorläufer unseres heutigen Dreikönigskuchens – der Bohnenkuchen – zwischen 1390 und 1952 eine eher untergeordnete Rolle spielte und – wenn überhaupt – nur in ein paar wenigen Kantonen bekannt war.

Das änderte sich, als Brotexperte Währen 1952 mit Experten des Schweizerischen Bäcker- und Konditorenverbandes SBKV zusammenspannte und sich mit ihnen für die «Wiederbelebung des Brauches» starkmachte.

Neuer alter Brauch

Dafür entwickelte er zusammen mit der Fachschule Richemont der Bäcker und Konditoren in Luzern ein spezielles Dreikönigskuchen-Rezept, das «aus Hefeteig, Butter, Sultaninen und Mandeln besteht, und die Form des Kuchens wurde auf ein grosses Mittelstück mit kreisförmig angeordneten, runden Kuchenstücken festgelegt, was als Sinnbild des König mit seinen Vasallen erklärt wurde», heisst es bei Kuhn.

Doch damit nicht genug: Das neue alte Gebäck wurde schliesslich an einer Medienkonferenz präsentiert; schweizweit wurden Bäckermeister mit Infomaterial versorgt und die Öffentlichkeit mit dem wiederbelebten Brauch vertraut gemacht.

Die Mühen zahlten sich aus. Schon im Jahr darauf gingen rund 50'000 Dreikönigskuchen, wie wir sie heute kennen, über die Bäckertheken. Bald mischten auch Migros und Coop mit und die Streuung des Kuchens wuchs: 1970 wurden schon 200'000 Stück verkauft, 1980 waren es rund eine Million.

Der Brauch, wie wir ihn heute feiern, geht also streng genommen auf eine nicht über alle Zweifel erhabene Arbeit eines Brotforschers zurück, die vom Bäcker- und Konditorenverband als Geschäftsidee dankend aufgenommen wurde.

So entsteht der Königskuchen. (Video: Stefan Tschumi)

König für einen Tag

Beim Dreikönigskuchen handelt sich dabei um einen süssen Hefeteigkuchen, der aus sieben kugeligen Stücken besteht. In einem der runden Kuchenstücke des Kranzes – jedoch niemals im Mittelteil – befindet sich eine kleine weisse Königsfigur aus Kunststoff, die denjenigen, der es entdeckt, zum König oder Königin für einen Tag kürt und ihn berechtigt, die mit dem Kuchen mitgelieferte Krone aufzusetzen und für einen Tag Wünsche zu äussern und Befehle zu erteilen.

Das Süssgebäck wird jeweils am Dreikönigstag gereicht und damit an dem Tag, an dem die Anbetung des Jesus-Kindes durch die drei Könige gefeiert wird.

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