Auto-Ratgeber: Warum fahren wir nicht mit Brennstoffzelle?
Aktualisiert

Auto-RatgeberWarum fahren wir nicht mit Brennstoffzelle?

Uwe wundert sich, dass der Wasserstoffantrieb hierzulande ein Nischendasein fristet. Denn die Technologie ist vorhanden und funktioniert.

von
Markus Aegerter
AGVS
Es gibt in der Schweiz erst zwei Wasserstofftankstellen: bei Coop in Hunzenschwil (Bild) und bei der Empa in Dübendorf.

Es gibt in der Schweiz erst zwei Wasserstofftankstellen: bei Coop in Hunzenschwil (Bild) und bei der Empa in Dübendorf.

Hyundai

Frage von Uwe ans AGVS-Expertenteam: Es ist offensichtlich, dass sich der reine Elektroantrieb nicht durchsetzen wird. Er ist nur eine Brückentechnologie. Warum wird der Wasserstoffantrieb mit Brennstoffzelle, der in deutschen U-Booten schon seit mehreren Jahren einwandfrei funktioniert, nicht endlich entsprechend gefördert? BMW zum Beispiel hat schon vor einigen Jahren einen serienmässig tauglichen Motor mit dieser Technik entwickelt.

Antwort:

Lieber Uwe

Über die Fragen, was nun eine Brückentechnologie ist und welche Antriebstechnologie sich in den nächsten zehn bis 20 Jahren durchsetzen wird, darüber streiten die Gelehrten. Wir alle wissen, dass sich die individuelle Mobilität verändert, aber wir kennen nicht das Ziel dieser Veränderung.

Klar ist, dass das Pariser Klimaabkommen mit seinen CO2-Grenzwerten eine Abkehr von fossilen Brennstoffen mit sich bringt. Elektro? (Plug-in-)Hybrid? Brennstoffzelle? Synthetisch hergestelltes CNG/LNG? Oder doch weiter mit Benzin und Diesel, die ebenfalls synthetisch hergestellt werden können? Das weiss heute niemand. Christian Bach, als Abteilungsleiter Fahrzeugantriebssysteme an der Empa einer der Experten auf dem Gebiet, rechnet damit, dass auch 2030 noch 80 bis 90 Prozent der Neuwagen einen Verbrennungsmotor aufweisen werden – allerdings als Hybrid.

Die Frage nach dem Antriebskonzept ist dabei sekundär: Viel wichtiger als die Technologie ist die genutzte Energie. Ein CNG-Fahrzeug, das mit 100 Prozent Biogas betrieben wird, ist unter dem Strich deutlich ökologischer unterwegs als ein Elektrofahrzeug, das mit Strom aus Kohlekraftwerken betankt wird. Das gilt auch für den Wasserstoffantrieb: Hier wird aus dem Energieträger Wasserstoff in der Brennstoffzelle elektrische Energie erzeugt. Ökologisch sinnvoll ist Wasserstoff als Energieträger dann, wenn er mittels Ökostrom durch Elektrolyse von Wasser hergestellt wird. Wasserstoff eignet sich perfekt als Speichermedium für überschüssigen Solar- und/oder Windstrom. Deshalb wird in diesem Zusammenhang auch von «grünem» Wasserstoff gesprochen.

Aktuell sind in der Schweiz zwei PW-Modelle mit Wasserstoffantrieb erhältlich: der Hyundai Nexo Fuel Cell und der Toyota Mirai. Es gibt in der Schweiz erst zwei Wasserstofftankstellen: bei Coop in Hunzenschwil und bei der Empa in Dübendorf. Solange die Infrastruktur derart bescheiden ist, wird der Wasserstoffantrieb eine Nischentechnologie sein. Es ist die klassische Huhn-Ei-Problematik: Ohne Wasserstofftankstellen keine Wasserstoffautos und umgekehrt. Immerhin: Am Genfer Auto-Salon hat die Schweizerische Erdölvereinigung eine Wasserstofftankstelle ausgestellt, um diese zu fördern. Einfluss auf die Verbreitung werden auch die zukünftigen Nutzfahrzeuge haben. Coop setzt auf Wasserstoff als LKW-Treibstoff und plant seine bestehenden Tankstellen auszubauen.

Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss der Politik. Momentan steht hier die Variante «batterie-elektrisch» ganz klar im Fokus – die durchaus sinnvollen Alternativen Erdgas und Wasserstoff haben es da sehr schwer.

Bei der Wahl eines Neuwagens sollte ohnehin nicht allein die Antriebstechnologie im Vordergrund stehen. Daneben stellt sich eine Vielzahl von Fragen: Wie und wozu brauche ich das Auto – für längere Reisen oder für kurze Fahrten ins Einkaufszentrum? Bin ich mit der Familie unterwegs oder fahre ich meistens alleine? Welche Distanz lege ich im Jahr zurück? Der AGVS-Garagist analysiert deine Mobilitätsbedürfnisse und findet mit dir die ideale Lösung.

Gute Fahrt!

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Du planst den Kauf eines neuen Autos und weisst nicht, welcher Antrieb zu dir passt? Du möchtest Dein Fahrzeug aufpeppen und fragst Dich, was erlaubt ist? Du hast Fragen zu Nm, PS, Zoll und dB? Dich interessieren rechtliche Fragen rund ums Auto? Ein kompetentes und motiviertes Team von AGVS-Experten beantwortet jeden Mittwoch deine Frage zum Thema individuelle Mobilität.

Sende deine Frage(n) einfach per Mail anautoratgeber@20minuten.ch. Die interessantesten und aktuellsten Fragen und natürlich die Antworten publizieren wir jeden Mittwoch unter dem Vornamen des Fragenden hier im Autochannel auf 20min.ch.

Der AGVS ist der Verband der Schweizer Garagisten. 4000 Betriebe mit 39'000 Mitarbeitenden (darunter 9000 Nachwuchskräfte in Aus- und Weiterbildung) sorgen dafür, dass wir sicher, zuverlässig und energieeffizient unterwegs sind.

Und dieses Expertenteam sorgt für Durchblick: Markus Aegerter (Handel und Dienstleistungen), Olivier Maeder (Bildung), Markus Peter (Technik und Umwelt) und AGVS-Juristin Olivia Solari (Recht).

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