Rheinfelden AG: Warum fing das Unfallauto überhaupt Feuer?
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Rheinfelden AGWarum fing das Unfallauto überhaupt Feuer?

In der Nacht auf Samstag starben fünf Männer in einem Auto, das nach einem Unfall in Flammen aufging. Solche Fahrzeugbrände kommen sehr selten vor.

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Freunde und Angehörige besuchten die Unfallstellen an der Salinenstrasse in Rheinfelden AG. An dieser Stelle brannte der Unfallwagen mit sieben Insassen aus. Fünf junge Männer überlebten den Unfall nicht.

Freunde und Angehörige besuchten die Unfallstellen an der Salinenstrasse in Rheinfelden AG. An dieser Stelle brannte der Unfallwagen mit sieben Insassen aus. Fünf junge Männer überlebten den Unfall nicht.

20 Minuten/CS
Das Auto streifte zuerst diesen Kandelaber und prallte danach in einen Baum.

Das Auto streifte zuerst diesen Kandelaber und prallte danach in einen Baum.

20 Minuten/cs
Trauernde Angehörige und Freunde besuchen die Unfallstelle.

Trauernde Angehörige und Freunde besuchen die Unfallstelle.

20 Minuten/cs

In Sarnen starben im August 2013 ein Erwachsener und zwei Kinder, nachdem ihr Auto nach einer Frontalkollision in Brand geraten war. In Burgistein BE rammte vergangenes Jahr ein Autolenker einen Brückenpfeiler und konnte danach nur noch tot aus dem ausgebrannten Auto geborgen werden. Am Samstag traf es nun fünf Männer: Sie verbrannten in einem VW Golf in Rheinfelden, nachdem sie in einen Baum geprallt waren.

Zwar geraten immer wieder Autos wegen Defekten unterwegs in Brand. Doch dass nach einem Unfall der Wagen Feuer fängt, versuchen Hersteller zu vermeiden – und «es kommt zum Glück nur sehr selten vor», wie es beim Bundesamt für Strassen (Astra) heisst. Eine Statistik dazu ist derzeit nicht erhältlich.

Auslaufendes Benzin ist das Hauptproblem

Was muss passieren, dass ein Auto nach einem Unfall Feuer fängt? Pascal Berchtold, technischer Leiter beim TCS, erklärt: «Meistens entsteht ein Brand im Motorraum. Dort befinden sich viele heisse Teile oder durch den Aufprall entstehen Funken. Kommen diese mit Kraftstoff in Berührung, kann sich der entzünden.»

Entsteht das Feuer im Motorraum, bleibt den Insassen meist noch genug Zeit, sich aus dem Fahrzeug zu befreien. Laut der deutschen Unfallforschung für Versicherer vergehen zwischen fünf bis zehn Minuten, bis die Flammen und der Rauch die Fahrgastzelle erreichen. Allerdings hänge die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Brandes von verschiedenen Faktoren ab, wie der Menge des Kraftstoffs und den Witterungsbedingungen.

Schwer entzündliche Polster und Teppiche

Pascal Berchtold schildert ein anderes Szenario: «Der Brandherd kann auch beim Tank entstehen, da dieser an der Unterseite der Fahrzeuge angebracht ist.» Dessen Hülle aus Kunststoff könne sich zwar bis zu einem gewissen Grad deformieren, aber je nach Stärke der Kollision gebe auch die nach und könne undicht werden. «Wenn nun das Benzin zum Beispiel auf den heissen Auspuff gelangt, kann das Feuer auch unter dem Fahrzeug entstehen.»

Eine fatale Kettenreaktion. Autohersteller versuchen deshalb mit baulichen Massnahmen, Insassen vor einem Feuer zu schützen. Berchtold: «Zum Beispiel schaltet die Pumpe, die den Kraftstoff vom Benzin in den Motor pumpt, bei einem Unfall automatisch aus.» Zusätzlich verwenden die Autobauer feuerdämmendes Material in der Fahrgastzelle. «Polster, Teppiche oder auch die lärmdämmenden Stoffe, die in den Wänden eingebaut sind, sind heute schwer entzündlich», sagt der TCS-Experte.

Zwei Gutachten in Auftrag gegeben

Die Aargauer Staatsanwaltschaft hat zwei Gutachten in Auftrag gegeben. Den fünf Verstorbenen wurden Blut- und Urinproben entnommen für toxikologische Untersuchungen. Das Institut für Rechtsmedizin klärt ab, ob es Spuren von Alkohol und Betäubungsmitteln gibt.

Der Präsident des aargauischen Feuerwehrverbands, Joe Habermacher, erlebte in seiner Karriere nur zweimal mit, wie Autos nach einem Unfall in Brand gerieten. Werde die Feuerwehr zu einem brennenden Auto gerufen, sei es je nach Brandverlauf schwierig zu erkennen, ob sich noch jemand im Fahrzeuginnern befinde. «Entdecken wir noch Personen im Innern, versuchen wir die natürlich zu retten – Zeit ist bei uns immer ein Faktor.»

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