Aktualisiert 18.05.2016 05:13

Analyse

Warum Fischer trotzdem der Richtige ist für die Nati

Ist am Dienstag die Amtszeit von Patrick Fischer als Nati-Trainer zu Ende gegangen? Ein erneuter Wechsel könnte ein Fehler sein.

von
Marcel Allemann, Moskau
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Dienstag, 17. Mai 2016Die WM ist für die Schweizer vorbei, sie müssen nach der Gruppenphase die Heimreise antreten. Die Nationalmannschaft verliert das entscheidende Spiel gegen Tschechien 4:5.

Dienstag, 17. Mai 2016Die WM ist für die Schweizer vorbei, sie müssen nach der Gruppenphase die Heimreise antreten. Die Nationalmannschaft verliert das entscheidende Spiel gegen Tschechien 4:5.

epa/Sergei Ilnitsky
Zwar geht die Schweiz im ersten Drittel durch Denis Hollenstein 1:0 in Führung, ...

Zwar geht die Schweiz im ersten Drittel durch Denis Hollenstein 1:0 in Führung, ...

AFP/Yuri Kadobnov
... in der Folge sind die Tschechen aber klar die bessere Mannschaft und drehen die Partie in souveräner Manier.

... in der Folge sind die Tschechen aber klar die bessere Mannschaft und drehen die Partie in souveräner Manier.

AFP/Yuri Kadobnov

Die Viertelfinals verpasst und damit das Ziel nicht erreicht. Die Eishockey-Nationalmannschaft hat an der WM in Russland ihre Vorgabe nicht erfüllt. Das bedeutet: Der Vertrag von Nationaltrainer Patrick Fischer läuft nicht automatisch bis 2018 weiter, sondern muss neu verhandelt werden.

Fischer würde gerne bleiben, wie er am Dienstag in Moskau erklärte. Zusammen mit seinem aus den Assistenten Felix Hollenstein und Reto von Arx bestehenden Coaching-Staff. «Wenn wir dürfen, würden wir gerne mit dieser Mannschaft weiterarbeiten», sagte er, «doch das kann nicht ich entscheiden. Wir haben das Ziel nicht erreicht, und da ist es logisch, dass sich die Verbandsspitze Gedanken macht.»

Entscheid bis Mitte Juni

Raeto Raffainer, der Head of Nationalteams bei Swiss Ice Hockey, liess sich nach dem WM-Out noch nicht in die Karten blicken: «Jetzt etwas dazu zu sagen, wäre nicht professionell.» Man werde ab kommender Woche mit Fischer, Hollenstein und von Arx Gespräche führen. Das Ziel sei, bis Mitte Juni einen Entscheid zu fällen. Bei der Analyse des Verbandes gehe es nicht nur um das nackte Resultat, sondern auch um den gesamten Prozess, so Raffainer weiter. «Es war nicht alles gut, aber auch nicht alles schlecht.» Was das für Fischer bedeutet, liess Raffainer offen.

Nachdem der Verband 2014 WM-Silberheld Sean Simpson aus dem Amt getrieben hat, ist die Kontinuität auf dem Posten des Nationaltrainers verloren gegangen. Es folgte der Nonvaleur Glen Hanlon, unter dem die Nati vor einem Jahr in Prag miserabel spielte, aber die Viertelfinals schaffte. Nun spielte die Schweiz mit Neuling Fischer besser, aktiver und attraktiver, aber verpasste die K.-o.-Runde. Mit ihrem punktemässigen (und nicht leistungsmässigen) Fehlstart hatte sich die Mannschaft in die Bredouille gebracht.

Fehlende Qualität im Kader

Unter dem wirren Hanlon wäre sie womöglich auseinandergefallen und vielleicht sogar abgestiegen. Nun hat sie sich mit viel Moral gewehrt, aber es reichte am Ende auch aus Qualitätsgründen nicht für die Viertelfinals. Die beiden Goalies waren nicht gut genug, auf der Center-Position fehlte die nötige Klasse und im Abschluss wurde – wie so oft – in den entscheidenden Momenten die Kaltblütigkeit vermisst.

Der junge Coaching-Staff hat sicherlich den einen oder anderen Fehler gemacht. Fischer zeigte sich nach dem Ausscheiden durchaus selbstkritisch. «Das geht zurück auf uns Coaches», sagte er zum Beispiel. Und: «Daraus müssen wir lernen, wenn wir weitermachen dürfen.» Der 40-Jährige hat aber auch frischen Wind, einen guten Geist und neue Begeisterung in die Nationalmannschaft gebracht. Die Spieler ziehen voll mit.

Fischer soll seine Hausaufgaben machen dürfen

Fischer sollte nun auch die Chance erhalten, nach seinem ersten WM-Turnier als Headcoach die Hausaufgaben zu machen, die richtigen Schlüsse aus diesen sieben Spielen in elf Tagen zu ziehen, seine womöglich nicht immer richtige Spielerwahl zu überdenken, sein System ein wenig anzupassen und es in einem Jahr besser zu machen. Vielleicht nicht gerade mit einem Freifahrtschein bis zu den Olympischen Spielen 2018, aber sicher bis zur WM 2017 plus einer Option.

Der Verband hat mit der Wahl von Fischer Mut gezeigt und ist gleichzeitig ein Risiko eingegangen. Wenn er nun die hoch angepriesene Swissness bereits wieder über den Haufen wirft und sich auf Feld eins zurückbegibt, steht die Schweiz in einem Jahr vielleicht wieder am selben Punkt und im selben Dilemma. Mit Fischer aber kann man an einen Fortschritt bezüglich Kontinuität glauben, wie man ihn bei anderen Nationen sieht. Deshalb ist und bleibt Patrick Fischer bis auf Weiteres der Richtige.

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