Aktualisiert 30.03.2013 17:04

86-jähriger tötet

Warum George Sanders seine Frau erschoss

Jahrelang hatte der Amerikaner George Sanders seine pflegebedürftige Frau gepflegt. Dann erschoss er sie nach eigenen Angaben auf ihren Wunsch. Dafür wurde er von einem Gericht verurteilt.

von
Brian Skoloff, AP

Ein 86-jähriger Mann, der nach eigenen Angaben nach jahrelanger Pflege seine schwer kranke Frau auf deren Wunsch erschoss, ist im US-Staat Arizona zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Zuvor hatten in einer emotionalen Anhörung vor einem Gericht in Phoenix Familienmitglieder für ihn ausgesagt.

George Sanders drohten mehr als zwölf Jahre Gefängnis, nachdem er sich des Totschlags schuldig bekannt hatte. Der Richter entschied auf Bewährung.

Der 86-Jährige hatte ausgesagt, dass bei seiner fünf Jahre jüngeren Frau Victoria 1969 Multiple Sklerose diagnostiziert worden sei. Vom nordwestlichen Staat Washington seien sie wegen des trockenen, warmen Klimas in den 70er Jahren nach Sun City bei Phoenix gezogen. Wenige Tage vor der Tat wurde Wundbrand in ihrem Fuss festgestellt.

«Das war der letzte Tropfen»

In einem auf Video aufgezeichneten Geständnis sagte Sanders, seine Frau habe ihn angefleht, sie zu töten. «Sie wollte nicht länger als ich leben und auf die Gnade von jemand anders angewiesen sein», sagte er in dem Geständnis, das kurz nach der Tat am 9. November aufgezeichnet wurde. «Wir haben uns so sehr geliebt. Es war ein wunderbares Leben trotz all der schweren Dinge, die wir am Ende durchmachen mussten.»

Sanders wurde zunächst des Mordes beschuldigt, plädierte dann aber auf Totschlag in einem Fall, den Anklage wie Verteidigung als Tötung auf Verlangen einstuften. Tag und Nacht pflegte Sanders seine Frau. Doch dann verschlechterte sich sein eigener Gesundheitszustand, eine Pflegekraft musste eingestellt werden. Dann wurde der Wundbrand diagnostiziert, und seine Frau sollte erst ins Krankenhaus und dann ins Pflegeheim. «Das war der letzte Tropfen», sagte Sanders. «Sie wollte nicht ins Krankenhaus - und fing an, ihre Zehen abzuschneiden.»

«Tu es, tu es, tu es!»

Sie habe ihn angefleht, sie zu töten. «Ich sagte, Liebling, ich kann das nicht. Sie sagte doch, du kannst das.» Er habe dann seinen Revolver geholt und mit einer Decke umwickelt, damit die Kugel nicht bis in die Küche gehe. «Sie fragte, wird das wehtun, und ich sagte, du wirst nichts spüren», sagte Sanders. «Sie sagte tu es, tu es, tu es. Und ich liess es einfach geschehen.»

Sanders sass gut fünf Stunden im Büro des Sheriffs, als seine Frau im Krankenhaus behandelt wurde. Die Kugel in den Kopf hatte sie nicht sofort getötet. Sie starb einige Tage danach. «Ich denke daran, wie sie in ihrem Bett lag und es tut mir weh. Ich habe mich all die Jahre um sie gekümmert und zu denken, das macht jemand anderes, der sich nicht wirklich um sie kümmert - furchtbar.» Nun denke er darüber nach, wie er fähig war, abzudrücken. «Es schien damals völlig einleuchtend zu sein.»

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