Stress-Reaktion: Warum glotzt du so?

Aktualisiert

Stress-ReaktionWarum glotzt du so?

Unter Anspannung stehende Menschen fühlen sich stärker beobachtet als entspannte. Geerbt haben wir diese Eigenschaft vermutlich von unseren frühesten Vorfahren.

Fühlen Sie sich häufig beobachtet? Dann ergeht es Ihnen wie Ihren Vorfahren. (Bild: Colourbox)

Fühlen Sie sich häufig beobachtet? Dann ergeht es Ihnen wie Ihren Vorfahren. (Bild: Colourbox)

Gestresste Menschen fühlen sich stärker beobachtet als entspannte. Das zeigt ein Experiment eines Psychologen der Universität Bern. Laut ihm ist diese Reaktion wohl ein Mechanismus, um mögliche Bedrohungen möglichst frühzeitig zu entdecken.

Gemeinsam mit einer Kollegin aus den USA testete der Berner Forscher Janek Lobmaier den Einfluss des Stresshormons Cortisol auf die menschliche Wahrnehmung, wie die Uni Bern in ihrer Webzeitung «uniaktuell» berichtet. Dazu tauchten die Psychologen die Hand von Testpersonen zuerst drei Minuten lang in eisiges Wasser.

Hormone verändern unsere Wahrnehmung

Durch diesen körperlichen Stress produzierte das Hormonsystem der Probanden vermehrt Cortisol, wie die Forscher im Fachmagazin «Psychoneuroendocrinology» berichten. Dann wurden den Testpersonen diverse Gesichter gezeigt mit verschiedenen Gefühlsausdrücken und mit verschiedenen Blickwinkeln.

Es zeigte sich, dass sich gestresste Personen deutlich stärker beobachtet fühlten als entspannte, deren Hand nicht ins Eiswasser getaucht worden war. Die Gestressten bezogen viel mehr Blicke auf sich selbst, sogar wenn die Gesichter auf den Bildern deutlich am Probanden vorbeischauten.

Sensibilisierung auf potentielle Gefahren

Offenbar reagieren wir unter Anspannung relativ wahllos auf externe Reize. Wir münzen alle Blicke und alle Emotionen auf uns - egal ob feindselig oder freundlich. Evolutionsbiologisch ergebe dieses Verhalten aber durchaus Sinn, wird Lobmaier in dem Artikel zitiert.

«Das ist ein konservierter Mechanismus aus der Vorzeit, als der Säbelzahntiger das Leben des Neandertalers bedrohte.» Das heisst: Unter Stress sind wir auf alles gefasst - wir versuchen, alles im Blick und im Griff zu haben, um ja nicht von einem Feind überrascht zu werden.

(sda)

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