Warum haben antike Statuen eigentlich so kleine Penisse?

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Expertin klärt aufWarum haben antike Statuen eigentlich so kleine Penisse?

Im Verhältnis zum Rest des Körpers sind antike Steinskulpturen untenrum eher schlecht bestückt. Das hat gleich mehrere Gründe.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Diese Statue zeigt ein Bild von einem Mann, der aber untenrum nicht üppig bestückt ist. (Im Bild: griechische Statue in der Ausstellung «Ancient Greeks: Athletes, Warriors and Heroes» im australischen Nationalmuseum in Canberra, Dezember 2021)

Diese Statue zeigt ein Bild von einem Mann, der aber untenrum nicht üppig bestückt ist. (Im Bild: griechische Statue in der Ausstellung «Ancient Greeks: Athletes, Warriors and Heroes» im australischen Nationalmuseum in Canberra, Dezember 2021)

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Ein Schicksal, das sie mit vielen antiken Statuen teilt. So auch mit der von griechischen Bildhauern erschaffenen Figur Hercules Farnese. Wie es zu den kleinen Gemächten kam, erklärt die Kunsthistorikerin Ellen Oredsson auf ihrem Blog.

Ein Schicksal, das sie mit vielen antiken Statuen teilt. So auch mit der von griechischen Bildhauern erschaffenen Figur Hercules Farnese. Wie es zu den kleinen Gemächten kam, erklärt die Kunsthistorikerin Ellen Oredsson auf ihrem Blog.

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Laut Oredsson gibt es zwei Erklärungen: Einerseits sind die Penisse schlaff, was sie kleiner wirken lässt. Andererseits «deutet alles daraufhin, dass kleine Penisse früher besser angesehen waren als grosse». (Im Bild: die Laokoon-Gruppe im Cortile della Pigna in Rom, 2009)

Laut Oredsson gibt es zwei Erklärungen: Einerseits sind die Penisse schlaff, was sie kleiner wirken lässt. Andererseits «deutet alles daraufhin, dass kleine Penisse früher besser angesehen waren als grosse». (Im Bild: die Laokoon-Gruppe im Cortile della Pigna in Rom, 2009)

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Darum gehts

Michelangelos berühmte David-Statue, deren Original in der Galleria dell’Accademia in Florenz steht, gilt bis heute als Sinnbild des perfekten, männlichen Körpers. Nur ein kleines Detail fällt da aus dem Rahmen: sein zumindest aus heutiger Sicht auffallend kleiner Penis. Mit diesem steht David aber nicht alleine da: Viele antike – insbesondere griechische – Skulpturen sind unten herum wenig gut bestückt.

Den Grund dafür liefert Ellen Oredsson vom britischen Nationalarchiv auf ihrem Blog «How to talk about art history». Dort beantwortet die Kunsthistorikerin die Fragen ihrer Leserinnen und Leser zu ihrem Spezialgebiet – auch die nach den kleinen Penissen bei antiken Statuen. Laut der Expertin gibt es zwei gleichwertige Erklärungen: Einerseits sind die in Marmor gemeisselten Penisse schlaff, was sie kleiner wirken lässt. Andererseits «deutet alles daraufhin, dass kleine Penisse früher besser angesehen waren als grosse». 

Kleine und straffe Genitalien bevorzugt

Oredsson bezieht sich dabei auf den britischen Historiker Kenneth Dover, laut dem grosse Penisse damals als hässlich empfunden wurden. Zudem seien sie mit Wollust und Dummheit assoziiert worden. Als Beispiel nennt sie den griechischen Fruchtbarkeitsgott Priapus, der auf Statuen stets mit einem riesigen Gemächt dargestellt (siehe Bildstrecke) und deshalb von den anderen – weniger gut bestückten – Göttern vom Olymp geworfen wurde. Ein kleines Glied hingegen, so die Kunsthistorikerin, hätte es den Männern erlaubt, einen kühlen Kopf zu bewahren und logisch zu denken. Eine Tugend, aus damaliger Sicht. Denn der ideale Grieche war rational, intellektuell und respekteinflössend.

Ähnlich sieht es auch die französische Künstlerin Ingrid Berthon-Moine, die eine Serie von Bildern der Hoden antiker Statuen aufgenommen hat. «Das antike Griechenland war eine sehr maskulinistische Kultur.» Man habe damals kleine und straffe Genitalien bevorzugt, um die männliche Selbstbeherrschung in Sachen Sexualität zu zeigen. «Heute haben sich Handel, Kino und Werbung in eine Massenware verwandelt, die uns sagt, dass es auf die Grösse ankommt und dabei gilt: Je grösser, desto besser.» Dem ist jedoch nicht so, wie Forschende in Erfahrung gebracht haben.

Hattest du dir die Frage nach der Penisgrösse auch schon gestellt?

Bei David könnte auch Angst eine Rolle spielen

Für Michelangelos David gibt es laut einem Artikel der Fachzeitschrift «The Age» noch eine weitere Theorie: Davids Penis hat sich während des Kampfes gegen Goliath aus Angst ganz klein gemacht. Das soll sich auch im angespannten Gesicht der Statue widerspiegeln, das gemäss Pietro Antonio Bernabei vom Careggi-Spital in Florenz eine Mischung aus Anspannung und Angst zeigt. Wie die entspannte Körperhaltung dazu passen soll, lässt der Experte allerdings unbeantwortet.

Statuen zu nackt für Katar

Für einige Menschen sind übrigens auch die kleinen Penisse der Statuen zu viel Penis. Die für eine Ausstellung über die Olympischen Spiele im Jahr 2013 von Athen an Katar ausgeliehenen Steinskulpturen waren vor Ort von den Ausstellungsverantwortlichen im Lendenbereich verhüllt worden. Die Züchtigung kam ans Tageslicht, als Kulturminister Costas Tzavaras im März des Jahres in das Emirat reiste. Er musste feststellen, dass Textilstücke den freien Blick auf die Statuen verbargen, um die weiblichen Zuschauer vor «unangenehmen» Momenten zu bewahren.

Weil sich die Verantwortlichen weigerten, die Stoffe zu entfernen, hat Athen die Steinfiguren vorzeitig zurück in die Heimat geholt. «Natürlich sagte der Minister, er respektiere einerseits lokale Bräuche vollends. Andererseits könne er nicht akzeptieren, dass die Statuen nicht in ihrem natürlichen Zustand ausgestellt werden. Sie sind grossartige Kunstwerke und es war aus ästhetischer Sicht falsch», zitierte Theguardian.com damals eine anonyme Quelle. 

Warum sind so viele Statuen (halb)nackt?

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