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Antworten auf Ihre Fragen«Warum hat die Crew dem Eisbären nicht geholfen?»

Das Video des verhungernden Eisbären hat die 20-Minuten-Leser berührt und viele Fragen aufgeworfen. Hier lesen Sie die Antworten.

von
Fee Riebeling

Der Klimawandel ist für Eisbären fatal. (Video: Tamedia/Paul Nicklen)

Die Aufnahmen des stark abgemagerten Eisbären, der auf der Suche nach Futter durch eine eisfreie Landschaft in der Arktis stolpert, hat bei den 20-Minuten-Lesern viele Reaktionen ausgelöst. Mehr als 1000 Kommentare sind dazu eingegangen.

Die einen interpretieren das Schicksal des Tiers als Beweis für den Klimawandel. Andere sehen auf den Aufnahmen (siehe Video oben) nur einen altersschwachen Bären. «Der Eisbär ist alt und stirbt ... so ist das Leben», schreibt etwa User Eskimo und bezeichnet das Video als Weihnachts-Propaganda. Wieder andere haben vor allem Fragen:

Weiss man, ob der Eisbär noch lebt?

Die Aufnahmen wurden im August gemacht, also in jener kurzen Phase, in der es überhaupt möglich ist, in entlegene Gebiete der Arktis vorzudringen. Bereits im Herbst lassen dies die Wetterbedingungen nicht mehr zu, weshalb Nicklen und Mittermeier dann auch ihren Rückzug antraten. Daher wissen sie nicht, was aus dem Tier geworden ist. Nicklen geht jedoch davon aus, dass der Eisbär in den Tagen nach der Begegnung gestorben ist.

Warum haben die Fotografen dem Tier nicht geholfen?

Geholfen hätten Paul Nicklen und Cristina Mittermeier dem Tier nur zu gern, schreibt Letztere in einem Kommentar zum Video. Doch das hätten sie aus verschiedenen Gründen nicht gekonnt. So hätten sie selbst nur eine Handvoll Nüsse dabei gehabt – «zu wenig, um den Bär satt zu bekommen. Damit hätten wir sein Leiden nur verlängert.» Ausserdem wäre die Annäherung an ein hungerndes Raubtier Wahnsinn gewesen, «vor allem, wenn man wie wir keine Waffe dabei hat».

Auch Hilfe zu holen war keine Option: Das nächste Dorf sei zu weit entfernt gewesen, so die Biologin. Deshalb «tat ich das einzig mir Mögliche: Ich benutzte meine Kamera, um sicherzustellen, dass wir diese Tragödie mit der Welt teilen können.»

Alt oder ausgehungert: Was stimmt nicht mit dem Eisbären?

«Der Eisbär ist eindeutig stark unterernährt», sagt Steven Amstrup, leitender Wissenschaftler bei Polar Bears International. Darauf deuteten sowohl die magere Erscheinung als auch die hervorstehenden Knochen hin. Die verkümmerte Muskulatur zeige, dass er schon seit längerem hungere. Eindeutig könnte das allerdings nur eine genaue Untersuchung zeigen.

Dass es sich bei dem Tier um ein altersschwaches Exemplar handelt, ist laut Paul Nicklen, der die Aufnahmen gemacht hat, sehr unwahrscheinlich: Normalerweise wiesen Eisbären im Alter zahlreiche Narben auf – Zeugen von vergangenen Kämpfen. Die hätte der gefilmte Bär aber nicht gehabt.

Sind Eisbären gefährdet?

Laut der Umweltorganisation WWF gibt es weltweit zwischen 22'000 und 31'000 Exemplare der Art Ursus maritimus. Damit sind Eisbären nicht unmittelbar vom Aussterben bedroht. Allerdings sind die Tiere in den Polargebieten nicht gleichmässig verteilt:

Auch geht es ihnen nicht überall gleich gut, wie Nicklen mit eigenen Augen gesehen hat. Während er in Russland Eisbären beobachten konnte, die «so dick waren, dass sie kaum mehr laufen konnten», fotografierte er in Norwegen schon verhungerte Exemplare. Wie bei dem abgemagerten Bär in Kanada waren auch da die Eismassen deutlich zurückgegangen:

Aufgrund der verstärkten Packeisschmelze, die durch die Erderwärmung verursacht wird, rechnet die Weltnaturschutzunion IUCN damit, dass der Bestand in den nächsten 45 Jahren um mindestens 30 Prozent schrumpfen wird.

Weil auch Meeresverschmutzung, die zunehmende Schifffahrt, mehr Touristen sowie die Erforschung und Förderung von Öl- und Gasvorkommen in der Arktis ihren Teil dazu beitragen, wird der Eisbär von der IUCN seit 2006 als «gefährdet» gelistet.

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