27 Migranten ertrinken – Warum hat hier die französische Polizei nicht interveniert?
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27 Migranten ertrinkenWarum hat hier die französische Polizei nicht interveniert?

Mindestens 27 Migranten sind bei einem Bootsunglück im Ärmelkanal gestorben. Die französische Polizei schaute zu, wie die Flüchtenden in See gestochen sind.

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Die französische Polizei schaut zu, wie eine Gruppe von Migranten und Migrantinnen in See stechen. 

Die französische Polizei schaut zu, wie eine Gruppe von Migranten und Migrantinnen in See stechen.

REUTERS
Die Flüchtenden wollen mit einem Gummiboot den Ärmelkanal überqueren. 

Die Flüchtenden wollen mit einem Gummiboot den Ärmelkanal überqueren.

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Die Polizisten intervenierten nicht. 

Die Polizisten intervenierten nicht.

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Darum gehts

  • Am Mittwoch hat sich im Ärmelkanal ein tödliches Drama abgespielt.

  • Mindestens 27 Migranten und Migrantinnen starben, als ihr Boot kenterte.

  • Die britische Regierung rief die französischen Behörden zu mehr Anstrengungen auf, die Überfahrten zu verhindern.

Beim Kentern eines Boots im Ärmelkanal sind mindestens 27 Menschen gestorben. Die Besatzung eines Bootes der französischen Marine habe am Mittwochnachmittag vor der Küste von Calais eine Gruppe Menschen im Wasser treiben sehen, teilte das Innenministerium in Paris mit. 27 von ihnen konnten nur noch tot geborgen werden, wie die französische Polizei mitteilt. Mehrere Schiffbrüchige wurden teils bewusstlos von der Marine an Bord genommen.

Nun sind Bilder aufgetaucht, die französische Polizisten beim Beobachten der Migranten und Migrantinnen zeigen, als diese mit einem Gummiboot ins Meer gestiegen sind, um den Ärmelkanal zu überqueren. Die Polizei hat nicht interveniert und liess die Flüchtenden gewähren. Und dies, obwohl mehrere französische Politiker und Politikerinnen bereits vor einem Jahr gewarnt haben, man müsse eingreifen, sonst wird im Ärmelkanal «ein Massengrab geschaffen».

Die britische Regierung rief die französischen Behörden zu mehr Anstrengungen auf, die Überfahrten zu verhindern. Premierminister Boris Johnson warb mit Nachdruck für gemeinsame Patrouillen an der französischen Küste. Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin mahnte zur Zusammenarbeit. An der englischen Küste kamen am Donnerstag erneut Migranten und Migrantinnen auf kleinen Booten an, wie britische Medien berichteten.

Grossbritannien will vor Ort in Frankreich helfen

Johnson wiederholte den Vorwurf, Frankreich tue zu wenig, um die Überfahrten zu verhindern. Sein Sprecher wies auf die umgerechnet 62 Millionen Euro hin, mit denen Grossbritannien die französischen Kontrollen am Ärmelkanal unterstützt. Das Geld sei dafür gedacht, Migranten und Migrantinnen aufzuhalten, sagte er. In diesem Jahr sind bereits etwa 26’000 Migranten und Migrantinnen an der englischen Küste angekommen – dreimal so viele wie im gesamten Vorjahr.

«Wir sind bereit, Unterstützung vor Ort zu bieten», sagte der britische Innen-Staatssekretär Kevin Foster der BBC. «Wir sind bereit, Ressourcen zu bieten. Wir sind bereit, Personal zu schicken und den französischen Behörden zu helfen.» Das Geschäftsmodell der Menschenschmuggler müsse zerstört werden. Französische Politiker und Politikerinnen lehnten die britische Forderung ab, eigene Beamte und Beamtinnen nach Frankreich zu schicken.

Die Bürgermeisterin von Calais, Natacha Bouchart, machte Johnsons harte Migrationspolitik für die Krise verantwortlich. Der Vize-Präsident der Region Hauts-de-France, in der Calais liegt, Franck Dhersin, forderte die britischen Behörden auf, härter gegen die Hintermänner der Schleuser vorzugehen. Diese lebten in London und verdienten Hunderte Millionen Euro, sagte er.

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Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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(dpa/fos)

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