Gefährliche Altlast: Warum hier kein Gemüse wachsen darf
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Gefährliche AltlastWarum hier kein Gemüse wachsen darf

Urban Gardening boomt – nur nicht rund um Carcassonne. Hier ist es verboten, regionales Obst und Gemüse zu verkaufen oder zu essen.

von
Fee Riebeling
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Wer die grünen Felder rund um das südfranzösische Carcassonnne sieht, mag kaum glauben, dass Obst und Gemüse aus der Region mit einem Bann belegt ist.

Wer die grünen Felder rund um das südfranzösische Carcassonnne sieht, mag kaum glauben, dass Obst und Gemüse aus der Region mit einem Bann belegt ist.

Wikimedia Commons/Chensiyuan/CC BY-SA 4.0
Tatsächlich ist es hier seit dem Jahr 1997 verboten, lokal angebaute Produkte sowie lokales Wasser zu nutzen.

Tatsächlich ist es hier seit dem Jahr 1997 verboten, lokal angebaute Produkte sowie lokales Wasser zu nutzen.

iStock/Fotografixx
Grund dafür sind hohe Konzentrationen von Blei, Arsen, Kadmium und Quecksilber im Boden. (Im Bild: vergrösserte Arsenkristalle)

Grund dafür sind hohe Konzentrationen von Blei, Arsen, Kadmium und Quecksilber im Boden. (Im Bild: vergrösserte Arsenkristalle)

Wikimedia Commons/Rob Lavinsky/CC BY-SA 3.0

Lebensmittel aus der Region haben in der Regel einen guten Ruf. Doch es gibt Ausnahmen. In der südfranzösischen Stadt Carcassonne ist es seit 1997 verboten, Obst und Gemüse aus umliegenden Gemeinden zu essen und das lokale Wasser zu nutzen.

Grund für diesen Erlass sind die hohen Konzentrationen von Blei, Arsen, Kadmium und Quecksilber, die in der Umgebung zu finden sind. Die giftigen Schwermetalle würden über das Essen in den Körper gelangen, wo sie Krebs verursachen könnten. Doch warum sind die Werte rund um Carcassonne überhaupt so hoch?

Grösste Arsenmine der Welt

Die Ursache liegt in der Vergangenheit. Denn ganz in der Nähe befinden sich die Überreste der einst grössten Arsenmine der Welt, der sogenannten Salsigne-Mine. Bis zu ihrer Schliessung im Jahr 2004 wurde hier auch Gold abgebaut.

Zwar sind diese Zeiten lange vorbei, doch ruhig ist es um die Mine nicht geworden. Umweltverbände monieren, dass die Lagerstätten mittlerweile grosse Mengen von Arsen ins Wasser abgeben.

Dies ist möglich, weil die Minenarbeiter damals das Erz fein mahlen mussten, um an die begehrten Metalle zu kommen. Dabei wurden auch Arsen und andere Schwermetalle gelöst, die nun ausgewaschen werden und sich in der Natur verteilen. Zudem nutzten Weinbauern in der Gegend früher Arsenpulver zur Schädlingsbekämpfung. Überflutungen der Mine wie zuletzt im Oktober 2018 dürften ebenfalls zu einem Anstieg der Arsenwerte im Boden beigetragen haben.

Aktuell 38 Vergiftete

Wie gross die Gefahr ist, in der Region Schwermetalle aufzunehmen, zeigen aktuelle Berichte aus Frankreich. Unter Berufung auf die Gesundheitsbehörde der Region Okzitanien ist die Rede von 38 Kindern, bei denen beunruhigende Mengen Arsen im Körper gemessen wurden.

Laut Radio France International lag die Konzentration bei den betroffenen Kindern und Babys zum Teil deutlich über dem Richtwert von zehn Mikrogramm pro Gramm Kreatin in Urinproben.

Um herauszufinden, wo die Kinder das Schwermetall aufgenommen haben, testen die Behörden nun Boden und Luft auf Arsen. Bis dahin wurden mehrere Spielplätze vorsorglich abgesperrt.

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