Aktualisiert 22.02.2011 14:38

«Time-out»Warum Hockey-Trainer gefeuert werden müssen

Das Merkmal der heute endenden Qualifikation: Fünf Trainerentlassungen. Obwohl nicht immer ein besserer Rang resultiert, sind sie fast immer notwendig und richtig.

von
K. Zaugg

Theoretiker bezeichnen Trainerentlassungen gerne als unnötige Massnahme. Und haben auf den ersten Blick ein einleuchtendes Argument: Nach einer Trainerentlassung verbessern sich die Mannschaften in der Tabelle in der Regel nicht spektakulär nach oben.

Aber etwas anderes ist viel entscheidender: Mannschaften können durch die Trainerentlassung vor dem Zerfall bewahrt, stabilisiert und vor dem Fall nach unten bewahrt werden. Ohne Trainerentlassung (Schläpfer für Ehlers) wäre Biel gleich nach dem Aufstieg wieder in die NLB relegiert worden oder in der zweiten Saison (Schläpfer für Ruhnke) abgestiegen. Ambri und die Lakers wären ohne Trainerentlassung inzwischen so zerrüttet, dass der Abstieg befürchtet werden müsste. Basel ist 2008 abgestiegen, weil der Trainer zu spät gefeuert worden ist. Die SCL Tigers wären nicht in den Playoffs, wenn Christian Weber im Laufe der letzten Saison nicht freiwillig gegangen wäre.

Die Chemie muss stimmen

Emotionen spielen im Eishockey eine entscheidende Rolle. Einer zerrütteten Mannschaft fehlen die Emotionen, fehlt die Dynamik, fehlt die Entschlossenheit. Deshalb muss die Chemie in der Mannschaft stimmen. Der Laborant, der für die richtige Chemie sorgt, ist der Trainer. Oder noch banaler: Mit einem Chef, den die wichtigen Spieler (Alphatiere) nicht mehr sehen können, ist es unmöglich, Erfolg zu haben. Und eine Mannschaft ist nur erfolgreich, wenn Intensität und Qualität des Trainings hoch sind, wenn ein Trainer fähig ist, die Spieler fordern und fördern. Auch das ist nur möglich, wenn die Chemie stimmt. Deshalb werden die Trainer in jeder Liga der Welt gefeuert. In der NHL, in Finnland, in Russland oder in der NLA.

Eine Trainerentlassung kann hingegen nicht in jedem Fall tiefer sitzende Probleme in einem Hockeyunternehmen lösen. Wenn beispielsweise die Alphatiere direkten Zugang zum Management (also zu den Vorgesetzten des Trainers) und dadurch zu viel Macht haben, dann ist der Trainer am Ende des Tages machtlos. Die ZSC Lions und Lugano sind dafür ein Lehrbuchbeispiel. Die ZSC Lions und Lugano sind deshalb auch diese Saison mit einem neuen Trainer nicht besser geworden. Aber Lugano konnte dank der Trainerentlassung wenigstens ein tiefes Niveau stabilisieren. Spieler, die erfolgreich Trainer absägen, gibt es in allen Ligen, auch in der NHL.

Der richtige Trainer ist ausschlaggebend

Erfolg ist im Eishockey nur mit dem richtigen Trainer möglich und der richtige Trainer kann hin und wieder auch eine Krise überwinden. Die Anstellung eines Eishockeytrainers ist einer der schwierigsten Personalentscheide des bezahlten Sportes. Deshalb ist die Zahl der Fehlentscheide verhältnismässig noch und deshalb ist es oft notwendig, einen Fehlentscheid durch Entlassung zu korrigieren. Selbst fachlich hoch qualifizierte Trainer scheitern, wenn sie den Draht zu den Alphatieren nicht finden. Wenn ein Trainer in Langnau oder in Davos funktioniert, so ist keineswegs sicher, dass er auch in Bern oder Zürich oder Lugano Erfolg haben kann. Zudem können Transfers das Wesen und Wirken einer Mannschaft verändern und die Arbeit des Trainers erschweren. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Trainer zu den Spielern passen muss - und nicht umgekehrt. Weil Trainer einfacher auszuwechseln sind als gute Spieler.

Wenn wir also die fünf Trainerentlassungen dieser Qualifikation kurz und knapp analysieren, sehen wir, dass alle notwendig waren. Aber nur zwei haben geholfen. Ambri (Constantine für Laporte) und die Lakers (Pawlow für Weber) haben sich unter dem neuen Trainer nicht nur stabilisiert. Beide Teams sind besser geworden. Die ZSC Lions (Gustafsson für Muller) und Lugano (McNamara für Bozon) haben die falschen Trainerwahl durch Entlassung korrigiert, aber den richtigen Trainer noch nicht gefunden. Lugano konnte wenigstens einen noch tieferen Fall vermeiden. Fribourg (Matt für Pelletier) hat den Trainer wahrscheinlich im falschen Moment gefeuert. Die Zeit von Serge Pelletier ist zwar abgelaufen, es war ein längst erwarteter Trainerwechsel. Aber Pelletier noch vor den Playoffs zu feuern, war nicht zwingend notwendig. In den letzten drei Jahren hat Pelletier nämlich nach mässiger Qualifikation jeweils erstaunlich gute Playoffs gespielt und das wäre vielleicht noch einmal möglich gewesen. Aber eben: Nur vielleicht.

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