17.01.2019 12:33

James McAvoy in «Glass»Warum hörst du jetzt Drake statt Kanye?

Wir haben in London mit den Stars des Superhelden-Thrillers «Glass» gesprochen. Und ihnen die wirklich wichtigen Fragen gestellt.

von
shy

Der Trailer zu «Glass», dem dritten und letzten Film in M. Night Shyamalans «Eastrail 177»-Trilogie. <i>(Video: Walt Disney)</i>

Der 2017er Psycho-Horrortrip «Split» stellte sich ganz am Schluss als Fortsetzung zum Superhelden-Thriller «Unbreakable» aus dem Jahr 2000 heraus. Mit «Glass» schliesst Regisseur, Drehbuchschreiber und Produzent M. Night Shyamalan (48) diese Trilogie nun ab.

20 Minuten hat ihn sowie die Hauptdarsteller James McAvoy (39), Samuel L. Jackson (70) und Sarah Paulson (44) in London zum Interview getroffen.

Sarah Paulson

In einem Film über Superhelden spielst du eine Psychologin ohne Superkräfte. Fies, nicht?

Als Night mir das sagte, war es ein ziemlicher Dämpfer. Ich fragte: «Warte, ich kann nicht fliegen oder Gedanken lesen oder überhaupt irgendwas?» Er so: «Nein.» Und ich: «Nun, ich will trotzdem dabei sein.» Man könnte ja durchaus sagen, dass Psychologen auch bestimmte Fähigkeiten haben – einfach nicht übermenschliche.

Deine Figur stellt sich Superhelden entgegen. Wie fühlt es sich an, eher auf der bösen Seite zu stehen?

Die Leute lieben es, eine Figur zu hassen. Zum Beispiel meine Mutter: Sie kann bei Filmen einen richtigen Hass gegenüber den Bösen entwickeln. «Er war so gemein!» «Mama, das bedeutet, dass er seinen Job gut gemacht hat.» «Ich mag den nicht, er war so gemein.» Hoffentlich spiele ich nie einen richtigen Bösewicht, denn sie würde sagen: «Du warst schrecklich, weil du gemein warst.»

Wie ist Night als Chef auf dem Set?

Er war sehr konkret. Diese Welt existiert seit vielen Jahren in seinem Kopf – darum geschieht am Set nichts zufällig. Ich weiss, dass er offen für Vorschläge gewesen wäre, aber weil er alles so gut durchdacht hatte, mischte ich mich nicht gross ein. Dabei bin ich sonst nicht so: Ich mache mir eine Menge Gedanken und äussere meine Meinung und Bedürfnisse oft – und damit meine ich nicht, dass ich pinkfarbene M&M's in meiner Garderobe verlange.

M. Night Shyamalan

Das Budget von «Glass» beträgt rund 20 Millionen Franken und wurde ausschliesslich von dir selbst finanziert – warum?

Ich wollte ohne Sicherheitsnetz arbeiten. Wenn deine eigene Existenz auf dem Spiel steht, gehst du nichts beiläufig an und fragst dich sogar: «Ist das der richtige Kugelschreiber für diese Szene?» Mit mir auf dem Set zu sein, macht darum keinen Spass – ich bin superernst bei allem.

Superheldenfilme sind im Mainstream angekommen. Das war vor 19 Jahren, als du «Unbreakable» releast hast, nicht der Fall. Wie hat dieser Umstand «Glass» beeinflusst?

Im Kern gar nicht. Aber die Meta-Konversation über Comichefte hätte es im Film sonst wohl nicht gegeben. Wie wenn Mr. Glass zum Beispiel findet: «Ah, jetzt versammeln sich die Hauptfiguren.» Oder: «Der Showdown zwischen Gut und Böse findet an einem öffentlichen Ort statt, wo ihn alle mitbekommen.»

Es muss Spass machen, wenn man weiss, dass die Leute das mittlerweile verstehen.

Sehr! Das gilt auch für die kleinen Referenzen wie das Magazincover, auf dem steht «It's a true Marvel», geschrieben in der Marvel-Schriftart. Oder im TV heisst es «Reps from D.C. come to laud the Tower» – eine Anspielung auf DC Comics.

Samuel L. Jackson und James McAvoy

Samuel, du bist ein grosser Fan von Popkultur, speziell von Comics. Woher kommt deiner Meinung nach die Faszination für Superhelden?

Die Leute begeistern sich für Dinge, die nicht Teil ihres alltäglichen Lebens sind. Sie stellen sich gern vor, dass es Menschen gibt, die fliegen oder durch die Zeit reisen. Als Kind liebte ich Piratenfilme, weil Piraten auf Booten lebten, über das Meer fuhren, sich von Schiff zu Schiff schwangen und einander bekämpften. Es ist Eskapismus.

James, wie sieht es aus, wenn du die 24 Identitäten deiner Figur probst?

Ich habe wirklich viel vor dem Spiegel geübt. Ich versetzte mich in neue Identitäten und überprüfte, ob mein Gesicht dabei wirklich anders aussah. Es fühlte sich zunächst bescheuert an, half mir aber sehr.

James, eine der Identitäten deiner Figur ist der neun Jahre alte Hedwig. In «Split» gibt dieser an, sein Lieblingsrapper sei Kanye West. Die Handlung von «Glass» spielt nur wenige Wochen danach und Hedwig sagt, dass er nun lieber Drake hört – was ist passiert?

James: Ääähm …

Sam: Er hat gesehen, wie Kanye Trump im Weissen Haus besucht hat.

James: Okay, diese Begründung macht Sinn. (lacht)

«Glass» läuft jetzt in den Deutschschweizer Kinos.

Zum Film: In «Glass» treffen der Gute und die Bösen aus «Unbreakable» und «Split» erstmals aufeinander – es kommt zum grossen Showdown, wie Sam Jacksons Elijah das in Anlehnung an Comichefte bezeichnet. M. Night Shyamalan ist sich bewusst, dass das Finale seiner «Eastrail 177»-Trilogie ein gewisses «Avengers»-Flair hat. Nur: Während es bei den eher flachen Marvel-Cinematic-Universe-Figuren kein Problem ist, wenn sie in den Ensemble-Filmen wenig Leinwandzeit haben, kommt Shyamalan damit nur schwer zurecht. Er versucht, Elijah, David (Bruce Willis) und Kevin (James McAvoy) dieselbe Tiefe wie in den Vorgänger-Werken zu geben, vernachlässigt dabei aber die Spannung und webt Nebenfiguren ungeschickt ein. Der Twist am Ende ist etwas billig, aber mitreissend und «Glass» somit ein mittelmässiger, aber passabler Abschluss der Trilogie. (Bilder: Walt Disney / EPA/Will Oliver)

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