Aktualisiert 18.05.2020 15:18

Ex-Verwaltungsrat

Warum holt sich Trump einen Lonza-Chef?

Ein Lonza-VR musste zurücktreten, weil er für Trumps «Operation Warp Speed» arbeitet. Will der US-Präsident so Druck auf die Impfstoff-Hersteller machen? Kann Lonza überhaupt bestimmen, wer zuerst drankommt?

von
Raphael Knecht
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Moncef Slaoui ist der Chef von Donald Trumps «Operation Warp Speed», die den US-Amerikanern bis Ende Jahr einen Impfstoff sichern soll.

Moncef Slaoui ist der Chef von Donald Trumps «Operation Warp Speed», die den US-Amerikanern bis Ende Jahr einen Impfstoff sichern soll.

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 Slaoui war seit Ende April Mitglied des Verwaltungsrats des Schweizer Pharmakonzerns Lonza.

Slaoui war seit Ende April Mitglied des Verwaltungsrats des Schweizer Pharmakonzerns Lonza.

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Er ist am Montag aus dem Verwaltungsrat von Lonza ausgeschieden.

Er ist am Montag aus dem Verwaltungsrat von Lonza ausgeschieden.

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Darum gehts

  • Ein ehemaliger Lonza-VR ist jetzt Chef von Trumps Impfprogramm.
  • Lonza arbeitet mit einer US-Firma zusammen, um einen Covid-19-Impfstoff zu produzieren.
  • Die Produktion soll auch auf Schweizer Boden stattfinden.
  • Welches Land den Impfstoff als Erstes erhält, kann Lonza aber nicht mitbestimmen.

US-Präsident Donald Trump will mit dem Programm «Operation Warp Speed» sicherstellen, dass seinem Volk bis Ende Jahr ein Impfstoff gegen das Coronavirus zur Verfügung steht. Für das am Wochenende lancierte Impfprogramm hat sich Trump einen Topmann von Lonza als Chef ausgesucht: Moncef Slaoui.

Slaoui war gerade erst Ende April dem Verwaltungsrat des Basler Pharma-Konzerns beigetreten. Am Montag musste er bereits seinen Rücktritt einreichen, da sein Engagement für Trump einen Interessenskonflikt darstellt: Lonza hat mit der US-Firma Moderna, die an einem Impfstoff arbeitet, einen Produktionsvertrag. Bis Freitag sass Slaoui auch bei Moderna im Verwaltungsrat.

«Riesiges Know-how»

Will Trump mit der Aktion Druck auf Lonza machen, damit die USA als erstes Land an den Impfstoff kommen? Eher nicht, glaubt Pharmaexperte Salvatore Volante: «Slaoui hat im Bereich der Impfstoffe ein riesiges Know-how.» Volante geht davon aus, dass man ihn an Bord geholt hat, um im eigenen Land genug vom Impfstoff produzieren zu können und die Bevölkerung in einer grossen Kampagne «durchimpfen» zu lassen.

Dazu kommt, dass Lonza als Hersteller und Zulieferer kaum einen Einfluss darauf hat, wer den Impfstoff als Erstes bekommt. Das Unternehmen hat typischerweise Lieferverträge mit Abnehmern, die die Medikamente fertigstellen und auf den Markt bringen.

Moderna

Jagd nach dem Impfstoff

Ausser der medikamentösen Therapie gilt vor allem ein Impfstoff als Hoffnungsträger in der Coronavirus-Krise. Verschiedene Firmen forschen derzeit daran. Das US-Unternehmen Moderna ist eine davon. Sie führt derzeit klinische Tests für den Stoff MRNA-1273 durch und hat am Montag bekanntgegeben, dass die erste Testphase positive Ergebnisse lieferte. Moderna erhält unter anderem finanzielle Unterstützung vom US-Gesundheitsministerium. Donald Trump will seinem Volk noch dieses Jahr einen Impfstoff zur Verfügung stellen – und zwar in grossen Mengen, wie er letzte Woche versprach.

Moderna entscheidet

Sanna Fowler, Sprecherin von Lonza, sagt zu 20 Minuten, dass das Unternehmen nicht an der Diskussion über den Zugriff zum Impfstoff teilnehme. Moderna produziere den Impfstoff für klinische Tests bereits in US-Anlagen von Lonza und plane, nach erfolgreichen Tests auch in der Schweiz zu produzieren.

Wer den Impfstoff zuerst erhalte, obliege letztlich Moderna in Zusammenarbeit mit weiteren Parteien wie etwa den US-Behörden und der World Health Organisation, so Fowler. Was sie aber sagen könne: «Moderna wollte mit Lonza arbeiten, weil wir dem Unternehmen ein globales Netzwerk anbieten können, das eben nicht nur in den USA angesiedelt ist.»

Ethische Verantwortung

Eine gewisse ethische Verantwortung muss der Konzern aber tragen, findet Pharma-Experte Volante: «Von einer Firma mit Sitz in Basel erwarte ich, dass sie, sollte der Impfstoff auch auf Schweizer Boden hergestellt werden, diesen der Schweizer Bevölkerung zeitnah anbietet.»

Solange Schweizer Firmen aber Lieferbindungsverträge mit ausländischen Abnehmern haben, fehlt ihnen teils der Handlungsspielraum. Darum ist Volante der Meinung, die Schweiz müsse bei Medikamenten den Selbstversorgungsgrad erhöhen: «Sonst haben wir bei der nächsten grösseren Pandemie-Welle ein Problem.»

Schweiz hat wenig Chancen auf dem Markt

Der Markt schere sich kaum um die Schweiz, das habe man etwa bei den Masken gesehen. Die chinesischen Hersteller hätten zuerst die grossen Bestellungen von Nationen wie den USA, Kanada oder Deutschland verarbeitet. Die seien nun mal ertragreicher, so Volante: «Die Schweiz wird im globalen Wettbewerb mit ihren knapp 9 Millionen Einwohnern erst nachrangig beliefert.»

Der Nachteil der Selbstversorgung: Würde die Schweiz Medikamente und Impfstoffe komplett im eigenen Land herstellen, würde das wohl die Preise in die Höhe treiben.

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25 Kommentare
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Nasodenn

19.05.2020, 08:15

Ob WHO, EU und anderes Gedöns, die Schweiz spielt keine Rolle. Wir bekommen die Krumen, bezahlen aber fürstlich dafür. Und eine Schweizer Produktion rentiert nie und nimmer bei der Absatzmenge. Und, dazu kommt, dass der Impfstoff immer wieder angepasst werden muss.

Fragen

19.05.2020, 07:43

Ist die Lonza nicht mit einer gewissen EMS Chemie verbandelt? Ist die Chefin dieser EMS nicht eine gewisse Frau M.-B.? Ist diese nicht die Tochter eines gewissen C. B. aus Herrliberg? Ist dieser nicht der Patriarch einer angeblichen Volkspartei? Ein Schelm, der dabei böses denkt.

M. Meier

19.05.2020, 06:29

GlaxoSmithKline ist das grösste, britisches Pharmaunternehmen. Der Hauptsitz ist in London. Der Konzern gehört zu den 10 grössten Pharma-Unternehmen weltweit, ist eines der grössten Unternehmen des FTSE-100-Aktienindex und ist aktuell u.a. der grösste Hersteller von Impfstoffen.