Aktualisiert 09.07.2009 14:56

Rätsel der MedizinWarum juckt es uns eigentlich?

Er überfällt uns plötzlich und dann gerne an Stellen, die für unsere Hände schwer zu erreichen sind. Doch was bezweckt das lästige Jucken und wie entsteht es überhaupt?

von
rre

Auf einmal ist es einfach da und nur kratzen kann es augenblicklich lindern: Das Jucken. Was beim einen als schnell vorübergehendes, lokales Phänomen auftritt, lässt andere regelrecht leiden. Nahezu unterträglich wird es, wenn kaum noch ein Fleck der Haut vom quälenden Gefühl verschont bleibt - so zum Beispiel bei der Hautkrankheit Neurodermitis. Je nach Ausprägung ist der Juckreiz so gross, dass sich Betroffene immer und immer wieder wundkratzen - buchstäblich bis aufs Blut.

Und es juckt uns doch - aber warum?

Der Juckreiz (in der Fachsprache auch als Pruritus bekannt) ist eine Sinnesempfindung der Haut. Dabei handelt es sich nicht - wie ursprünglich vermutet - um die selben Nervenfasern, die sich dort für das Schmerzempfinden verantwortlich zeichnen. Beim Vorgang des Juckens wirken verschiedene Botenstoffe auf die Nervenendungen in der Haut. Die Botenstoffe selbst vermitteln auch die Art des Juckens, also ob dieses Empfinden mit einem Stechen, Brennen oder einem Kribbeln einhergeht. Wissenschaftlern von der Wake Forest University in Winston-Salem (North Carolina, USA) ist es in einem Versuch sogar gelungen, die Erleichterung, die uns durch das Kratzen überkommt, im Gehirn durch ein bildgebendes Verfahren nachzuweisen.

Schön und gut - aber was soll dieses unangenehme Gefühl bezwecken? Ähnlich wie der Schmerz will uns auch das Jucken mitteilen, dass etwas mit unserem Körper nicht stimmt. So macht es uns beispielsweise auf Stechmücken, Prasiten oder Reizungen durch Pflanzen (Brennnesseln) aufmerksam. Unser Gehirn bekommt den Befehl «kratzen» - der Fremdkörper wird beseitigt.

Neckisches Kitzeln oder grosse Qual?

Für chronischen - also immer wieder auftretenden Juckreiz - kommen ganz unterschiedliche Ursachen infrage. Von nicht ansteckenden Hauterkrankungen wie die bereits erwähnte Neurodermitis oder die Schuppenflechte (Psoriasis) über Schilddrüsenfunktionsstörungen, Nieren- oder Leberleiden bis hin zu einem Mangel an bestimmten Vitaminen kann es laut einer Mitteilung der Abteilung für Hautkrankheiten des Universitätsklinikums Münster (D) ganz unterschiedliche Gründe für das zum Kratzen animierende Gefühl geben. Auf jeden Fall ist es wichtig, bei anhaltendem oder immer wiederkehrendem Juckreiz einen Hautarzt aufzusuchen.

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