Deadface statt Duckface: Warum junge Frauen auf Fotos bewusst abgelöscht schauen
Abwesender Blick und gelangweilter Ausdruck: Das Deadface, hier bei Schauspielerin Sydney Sweeney, ist in den sozialen Medien omnipräsent. 

Abwesender Blick und gelangweilter Ausdruck: Das Deadface, hier bei Schauspielerin Sydney Sweeney, ist in den sozialen Medien omnipräsent. 

Instagram / Sydney Sweeney
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Statt DuckfaceWarum junge Frauen auf Fotos bewusst abgelöscht schauen

Während früher eher verführerisch posiert wurde, setzt die Generation Z auf einen bewusst distanzierten Fotoausdruck: das sogenannte Deadface.

von
Geraldine Bidermann

Die Kardashians haben es vorgemacht: Wangen einziehen und Lippen spitzen. Das Duckface bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie Entengesicht, oder frei übersetzt: Schnute. Seit 2015 hat sich der Selfie-Trend im Netz rasend verbreitet. Selfies im Enten-Stil sollten einerseits schön und sexy aussehen, andererseits aber auch selbstironisch oder komisch wirken. 

Tod dem Duckface

Eine neue Generation von Selfie-Fans distanziert sich klar von diesem kokett-süssen Look. Coole Fotos zeigen heute eher aufgeblasene Lippen und weit aufgerollte Augen ohne Ausdruck. Trotzdem möchten die Nutzerinnen auch hier einen bestimmten Zweck erzielen.

Das sogenannte Deadface soll im Gegensatz zur Entenpose aber deutlich seriöser und unabhängiger wirken und eine gewisse Langeweile und Distanz repräsentieren, à la «mir egal, ich bin mit meinen Gedanken eh ganz woanders». Eine Königin der Deadface-Disziplin ist Billie Eilish, die den Look auf diesem Selfie demonstriert:

Wieso wollen Frauen distanziert aussehen?

Der Selfie-Trend könnte an Popularität gewonnen haben, weil immer mehr feministische Frauen ihr Selbstbewusstsein durch Selfies und Bilder stärken, die bewusst nicht fröhlich und flirty wirken sollen, sagt die Psychotherapeutin Barbara Santini gegenüber dem Online-Magazin «Femail».

Der sogenannte Dissoziationsfeminismus wurde 2019 geprägt, nachdem es in der Populärkultur eine Welle von Frauen gegeben hatte, die es satt hatten, ihre Probleme leidenschaftlich und vergeblich vorzutragen, und die stattdessen einen dunklen und sarkastischen Ansatz für ihre Beschwerden wählten.

Diese Frauen streben laut der Expertin oft ein müheloses, «unordentliches» Aussehen an, obwohl auch das viel Zeit kostet. Ein Teil des dissoziativen Feminismus bestehe darin, sein Selbstvertrauen mit Selfies zu stärken.

Der kantige, kühle Look könnte auch auf den Anstieg eines Soft-Grunge-Looks zurückzuführen sein, den Mode-Insider als Tumblr-Girl-Ästhetik bezeichnen. Auch in aktuell gehypten TV-Shows wie «Euphoria» wird der grungige Look zelebriert.

Ob einem dieser Selfie-Trend gefällt oder nicht – soziale Medien bestimmen das Frauenbild mittlerweile mehr als Magazine oder das Fernsehen. Der Unterschied: Frauen bestimmen auf Insta und Co. vermehrt selber darüber, wie sie sich auf Selfies zeigen. 

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