Aktualisiert 03.12.2008 12:42

Nach Bonnet-Unfall

Warum kein Halsschutz-Obligatorium?

Die Bilder vom schweren Zwischenfall in Lausanne schockten die Schweiz. Liga-Manager Denis Vaucher will in der Eishockey-Nationalliga auch nach dem Unfall von Jérôme Bonnet kein Halsschutz-Obligatorium einführen.

von
Klaus Zaugg

Unfälle dieser Art sind selten. Am 15. November 2001 fügte der Churer Johan Witehall dem ZSC-Stürmer Michel Zeiter mit der Schlittschuhkufe eine lebensgefährliche Schnittwunde am Hals zu. Und nun der Unfall von Lausannes Jérôme Bonnet. Er wurde im Nacken vom Schlittschuh von Oltens Zarley Zalapski getroffen (20 Minuten Online berichtete).

«Einen huntertprozentigen Schutz gibt es nicht»

Ein Halsschutz aus weichem, schnittfestem Material, im Handel zwischen 29 und 79 Franken erhältlich, könnte solche Unfälle unter Umständen vermeiden. «Aber einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht» sagt Kurt Lionardi Verkaufsleiter beim Eishockey-Ausrüster Interhockey im Kirchberg/BE. Da Bonnet im Nacken getroffen wurde, hätte ihn ein Halsschutz möglicherweise nicht ganz vor der Verletzung bewahrt.

Trotzdem: Die Tragpflicht eines Halsschutzes wird wieder zum Thema.

Liga-Manager Denis Vaucher hätte die Rechtsmittel, um eine solche Tragpflicht einzuführen. Er hat es jedoch nicht vor. «Es geht um die Verhältnismässigkeit. Durch das Helmvisier-Obligatorium werden sicher jede Saison Dutzende von Verletzungen vermieden. Das macht Sinn. Aber Halsverletzungen sind sehr selten.» Gemäss Willi Vögtlin, dem ehemaligen Spitzenschiedsrichter und heutigen Leiter des Spielbetriebes in der Nationalliga, hat es früher Versuche gegeben, die Halsschutz-Tragpflicht einzuführen. «Aber sie liess sich von den Schiedsrichtern auf dem Eis einfach nicht durchsetzen und deshalb hat man diese Versuche aufgegeben.»

Halsschutz ist nicht «cool»

Pflicht ist der Halsschutz lediglich bei den Junioren bis zum Alter von 18 Jahren durch eine zwingende Weisung des Int. Eishockeyverbandes (IIHF). Gemäss Lionardi tragen in der Nationalliga heute zwei bis drei Spieler pro Team einen Halsschutz. Beispielsweise Martin Plüss und Ivo Rüthemann beim SC Bern.

Warum sind es so wenig? Lionardi: «Es scheint offenbar nicht cool zu sein, einen solche Schutz zu tragen. Anders kann ich es mir nicht erklären.» Der Tragkomfort sei jedenfalls kein Argument. «Dieser Halsschutz ist so bequem zu tragen wie ein Rollkragenpullover.»

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