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WiederholungstäterWarum kommt Betrüger-Fotograf mit Busse davon?

Ein angeblicher«Playboy»-Fotograf belästigte Frauen. Verurteilungen nützten nichts. Nun wurde er wieder straffällig, kommt aber milder davon.

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pam
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Der Koch S. S.* aus Ostermundigen gab sich zwischen März und Oktober des letzten Jahres dreimal als «Playboy»-Fotograf aus, um Frauen zu einem Shooting zu überreden, und bot ihnen Honorare von bis zu 12'000 Franken.

Der Koch S. S.* aus Ostermundigen gab sich zwischen März und Oktober des letzten Jahres dreimal als «Playboy»-Fotograf aus, um Frauen zu einem Shooting zu überreden, und bot ihnen Honorare von bis zu 12'000 Franken.

Joel Carillet
Dabei prellte er die Frauen nicht nur um das Geld, sondern belästigte sie während des Shootings auch sexuell.

Dabei prellte er die Frauen nicht nur um das Geld, sondern belästigte sie während des Shootings auch sexuell.

Niserin
Für SP-Nationalrätin Mattea Meyer zeigt der Fall, dass bei sexueller Belästigung die Taten immer wieder verharmlost werden.

Für SP-Nationalrätin Mattea Meyer zeigt der Fall, dass bei sexueller Belästigung die Taten immer wieder verharmlost werden.

Keystone/Alessandro Della Valle

Der Berner S.S.* (51) kann es nicht lassen: Der gelernte Koch gab sich zwischen März und Oktober des letzten Jahres dreimal als «Playboy»-Fotograf aus, um Frauen zu einem Shooting zu überreden, und bot ihnen Honorare von bis zu 12'000 Franken. Dabei prellte er die Frauen nicht nur um das versprochene Geld, sondern belästigte sie während des Shootings auch sexuell.

Laut Strafbefehl vom Januar 2019, der 20 Minuten vorliegt, rieb S. in einem Fall während des Shootings seine Hand an der Scheide der Frau. In einem anderen Fall berührte er die Brust eines Models.

Die Masche war bereits 2002 dieselbe

S. ist kein unbeschriebenes Blatt: Wegen Delikten nach demselben Muster verurteilte ihn das Kreisgericht Bern-Laupen S. schon im Dezember 2002 wegen Betrugs, sexueller Belästigung und sexueller Nötigung in 15 Fällen zu 20 Monaten Freiheitsstrafe. Bereits damals machte er einfach weiter und kassierte 2004 zusätzliche acht Monate. Jetzt fällt die Strafe deutlich geringer aus: Für drei Fälle aus dem letzten Jahr muss er eine Busse von 1500 Franken bezahlen, zudem erhält er eine bedingte Geldstrafe, die 60 Tagen Freiheitsstrafe entspricht.

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Ein 52-Jähriger gab sich jahrelang als Fotograf aus. Seine Absichten waren aber andere: Er prellte die Frauen nicht nur um das Geld, sondern belästigte sie während des Shootings auch sexuell.

Ein 52-Jähriger gab sich jahrelang als Fotograf aus. Seine Absichten waren aber andere: Er prellte die Frauen nicht nur um das Geld, sondern belästigte sie während des Shootings auch sexuell.

Niserin
Der Berner gab stets vor, Aktfotos für den «Playboy» oder das «Penthouse»-Magazin zu schiessen.

Der Berner gab stets vor, Aktfotos für den «Playboy» oder das «Penthouse»-Magazin zu schiessen.

epa/Jason Szenes
Er versprach den Frauen grosse und professionelle Shootings und eine hohe Gage.

Er versprach den Frauen grosse und professionelle Shootings und eine hohe Gage.

Matt Sayles/Symbolbild

Die Strafen fallen unterschiedlich aus, weil die damalige Haftstrafe zeitlich weit zurückliegt. Solche Strafen dürften gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei der Strafzumessung nicht mehr berücksichtigt werden; sie seien gewissermassen als inexistent zu betrachten, sagt Christof Scheurer, Stellvertretender Generalstaatsanwalt des Kantons Bern.

Damalige Strafe fliesst nicht in neues Urteil ein

Zudem stuft die Staatsanwaltschaft im jüngsten Strafbefehl den Betrug offenbar als weniger schwer ein, und auf den Straftatbestand der sexuellen Belästigung stehen laut Strafgesetzbuch lediglich Bussen.

Für SP-Nationalrätin Mattea Meyer zeigt der Fall, dass bei sexueller Belästigung die Taten immer wieder verharmlost werden. «Vermögensdelikte werden zum Beispiel oft härter bestraft als Straftaten von sexueller Gewalt. Das sendet ein falsches Signal.»

Sie hat denn auch eine Motion ihres Parteikollegen Mathias Reynard unterzeichnet. Er fordert, Fälle wie jenen von S. härter anzupacken und «endlich wirklich abschreckende Strafen» für sexuelle Belästigung einzuführen. Zudem soll der Straftatbestand genauer gefasst werden. «Sexuelle Gewalt darf keinesfalls durch Lücken im Gesetz bagatellisiert werden», sagt Meyer. Denn sie kann für Opfer traumatisierend sein.

Motionär Reynard verweist auf die härtere Praxis in anderen Ländern: In Frankreich drohe bei sexueller Belästigung eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, in schweren Fällen von drei Jahren. In Spanien drohe eine Freiheitsstrafe von bis zu 14 Monaten.

Auch SVP fordert härtere Strafen bei Belästigung

Die Forderung findet auch beim politischen Gegner Anklang. SVP-Nationalrätin Verena Herzog betont, es könne nicht sein, dass ein solcher Betrüger mit einer Busse davonkomme. «Gerade ein Wiederholungstäter darf nicht mit Milde rechnen können.»

Wo Frauen nachweislich belästigt würden, brauche es harte Strafen. Erstaunlich: Herzog bekämpfte im Rat noch ein Postulat von Reynard, in dem er verlässliche Zahlen zur sexuellen Belästigung forderte. Für die SVP-Nationalrätin ist das kein Widerspruch: Sie wehre sich lediglich gegen den «Hyperaktivismus» der Linken, immer weitere Berichte und Studien zu erstellen. «Geht es aber um tatsächliche Straftaten, sind harte Strafen nötig.»

Das rät eine Expertin

Corina Elmer, Geschäftsführerin der Fachstelle Frauenberatung – sexuelle Gewalt, findet, dass bei Wiederholungstätern Strafen nur eine bedingt abschreckende Wirkung hätten. «Ebenso wichtig für eine Rückfallprävention sind in solchen Fällen Täterprogramme und -therapien.»

Es brauche zudem strukturelle Veränderungen. «Wenn solche Taten stärker geächtet werden und nicht mehr ‹gefahrlos› begangen werden können, dann wird das ebenfalls abschrecken.» Sie rät betroffenen Frauen: «Unbedingt klar abgrenzen, Kontakt abbrechen, alles dokumentieren, den Auftraggeber informieren, sich an einer Opferhilfestelle beraten lassen, Anzeige machen.»

*Name der Redaktion bekannt

Anmerkung der Redaktion: Beim im Artikel genannten S.S. handelt es sich nicht um den Fotografen Sven Schwab von Seven Motion Photography, der ebenfalls in der Stadt Bern tätig ist.

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