GP von Italien: Warum Krummenacher Bradl besiegt hat
Aktualisiert

GP von ItalienWarum Krummenacher Bradl besiegt hat

Zu Beginn der Saison befand sich Randy Krummenacher (21) in einer Krise. Dass er nun der schnellste Schweizer Töffpilot ist, hat er auch WM-Leader und «Teamkollege» Stefan Bradl zu verdanken.

von
Klaus Zaugg
Mugello
Randy Krummenacher hat sein eigenes Team im Team.

Randy Krummenacher hat sein eigenes Team im Team.

Sie sind juristisch Teamkollegen. Sie fahren das gleiche Bike. In Wirklichkeit gehen bzw. fahren Stefan Bradl und Randy Krummenacher jedoch getrennte Wege. Ein Direktvergleich ist schwierig.

Die Geschichte beginnt im letzten Sommer: Marco Rodrigo will mit Randy Krummenacher von der 125er-WM in die Moto2-Klasse aufsteigen. Aber seine Bewerbung wird abgelehnt. Doch er findet einen Weg: Er bringt Randy Krummenacher als zweiten Piloten neben Stefan Bradl im Team von Stefan Kiefer ein. Kiefer bestellt bei Kalex auch gleich die Bikes für beide Fahrer.

In Wirklichkeit ein eigenes Team für Krummenacher

Aber Rodrigo baut in Wirklichkeit sein eigenes Team auf. Auf dem Papier ist Krummenacher zwar der zweite Pilot bei Kiefer – tatsächlich bekommt der Schweizer ein eigenständiges Team samt Teammanager und Cheftechniker, eigenen Mechanikern, eigenem Budget, eigenen Sponsoren und einem eigenen Hospitality. Er wird Teamkollege von WM-Dominator Stefan Bradl – und doch gehen beide im Fahrerlager und aus sonst ihre eigenen Wege. Freundschaften gibt es im Rennsport ohnehin keine.

In der Moto2-WM 2011 setzen beide das Deutsche Fabrikat Kalex ein. Der Name ist aus den Firmeninhaber Alex Baumgärtl und Klaus Hirsekorn zusammengebastelt. Die beiden sind mit ihrer Firma bei der Holzer-Gruppe in Bobingen eingemietet. Krummenacher hat bis auf die Stossdämpfer und eine etwas andere Geometrie das gleiche Bike wie der WM-Leader. Der Schweizer verwendet Kayaba, der Deutsche Öhlins. Zwar besteht die vertragliche Abmachung, dass Daten ausgetauscht werden. Krummenachers Teamchef Marco Rodrigo sagt allerdings, ein Datentausch finde nicht mehr statt. «Weil die Teams beider Fahrer ja selbständig arbeiten und der Fahrstil zu unterschiedlich ist.»

Bradls Daten als Hilfe

Allerdings hat Krummenacher dank den Daten von Bradl am Anfang der Saison aus der Krise gefunden. Nach zwei Rennen und zwei 27. Plätzen beschafft sich Rodrigo die Daten von Bradl. Die Bordcomupter zeichnen jeden Meter auf: Schräglagen-Winkel, Eintauchen der Federbeine, wo wie stark gebremst wird, wo wie viel Gas gegeben wird. «Wir haben die Daten verglichen und gesehen, dass Randy zu spät bremst, zu extreme Schräglagen fährt und deshalb zu spät aus der Kruve heraus wieder voll beschleunigen kann. Kurzum: Wir haben gesehen, dass er seinen Fahrstil ändern muss.»

Inzwischen fährt Krummenacher als Klassenneuling nicht mehr wie ein 125er-Pilot. Sondern wie ein Moto2-Haudegen – und er hat den Anschluss an die Weltspitze geschafft. Bestes Trainingsresultat in Mugello mit Rang 5 und erstmals einen Startplatz in der zweiten Reihe. Diese Position hat er erst ganz am Schluss herausgefahren. «Ich hatte eigentlich Anweisung, das Training zu Ende zu fahren. Trotzdem bin ich noch einmal in die Box zurückgekehrt um noch einmal etwas an der Einstellung des Fahrwerks zu verändern. Mit ein paar Klicks haben wir die Hinterradaufhängung optimiert. Ich bin wieder rausgefahren und hatte sofort ein sehr gutes Gefühl.»

So gelang es Krummenacher, in den letzten Runden des Abschlusstrainings aus dem Mittelfeld heraus (er lag noch hinter Tom Lüthi) in die Spitzengruppe hineinzufahren und erstmals im Training seinen Teamkollegen Stefan Bradl (7.) hinter sich zu lassen. Der WM-Leader hatte allerdings Pech: Auf dem Weg zur Bestzeit ging ihm kurz vor dem Ziel der Sprit aus.

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