«Warum lachen Sie?»
Aktualisiert

«Warum lachen Sie?»

Christoph Mörgeli präsentiert ein Tondokument mit den bisher unveröffentlichten Mengele-Mörgele-Äusserungen von Bundesrat Pascal Couchepin vor einer laut herauslachenden Zuhörerschaft. Hören Sie selbst.

von
Tina Fassbind

Lange wurde über Couchepins genauen Wortlaut im Fall «Mengele-Mörgele» spekuliert. Heute führte ihn SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli der versammelten Presse vor. Hören Sie selbst, was Bundespräsident Pascal Couchepin an der Sitzung der nationalrätlichen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) vom vergangenen 1. Februar 2008 gesagt hat:

In der umstrittenen Passage «(...) sonst kommt man zu Forschungen des Doktors ... (Pause)... ich musste seinen Namen nachfragen, weil ich dachte, er heisse Doktor Mörgele, aber es ist Doktor Mengele» hat Pascal Couchepin «Mörgeli und Mengele vorsätzlich und mit voller Absicht in einen Zusammenhang gebracht», sagt Christoph Mörgeli in einer heute anberaumten Medienkonferenz. «Es handelte sich nicht um einen Versprecher. Wir wollen nicht zulassen, dass ein Mitglied des Bundesrates die Bürger belügt», sagt Mörgeli. Er spielt auf die Aussagen Couchepins an, die er im Rahmen einer Medienkonferenz gemacht hatte. Damals leugnete er, während der fraglichen Kommissionssitzung eine absichtliche Verbindung zwischen Nationalrat Mörgeli und dem KZ-Arzt Mengele gemacht zu haben.

Couchepin als Bundespräsident «nicht geeignet»

Den Verweis, den das Ratsbüro wegen Vorstosses gegen die Vertraulichkeit der Kommissionsverhandlungen ausgesprochen hat, will Mörgeli nicht akzeptieren. Denn Couchepin habe das Sitzungsgeheimnis verletzt. Dass der Bundespräsident unbehelligt bleibe, sei nicht akzeptabel. «Pascal Couchepin ist nicht geeignet, dieses Land und seine Bürger als Bundespräsident zu vertreten», sagte Mörgeli. In jedem anständigen Betrieb wäre Couchepins straf- und zivilrechtlich unzulässige Beschimpfung ein fristloser Kündigungsgrund. Rechtsmittel behalte er sich vor, sagte Mörgeli.

Die SVP als Opposition könne es nicht dulden, «dass der Schmutz in Bundesbern erfolgreich unter den Teppich gekehrt wird», sagte Mörgeli. Sie könne es nicht zulassen, dass die Koalition der Regierenden den Rechtsstaat ausser Kraft setze und mit der Opposition umspringe, wie es ihr gerade passe.

Departement des Innern: «Es ist kein neues Element zum Vorschein gekommen.»

Das Eidgenössische Departement des Innern wollte die Aussagen von Christoph Mörgeli auf Anfrage von 20minuten.ch nicht kommentieren. «Alles, was es zu diesem Thema zu sagen gibt, wurde an der Medienkonferenz von Pascal Couchepin gesagt. Seither ist kein neues Element zum Vorschein gekommen», betont EDI-Kommunikationschef Jean-Marc Crevoisier.

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Der Fall «Mörgele - Mengele» sorgt seit ein paar Wochen für rote Köpfe in Bern. Weil sie das Kommissionsgeheimnis verletzt haben, erteilte das Büro des Nationalrats wegen Indiskretionen Verweise gegen die SVP-Nationalräte Mörgeli, Oskar Freysinger, Lieni Füglistaller sowie die CVP-Politiker Jacques Neirynck und Kathy Riklin aus. . Ihm seien terminliche Gründe für die Verschiedung genannt worden, sagte Mark Stucki, Sprecher der Parlamentsdienste.

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