Aktualisiert 08.09.2016 16:02

iPhone 7

Warum lässt Apple die Audiobuchse sterben?

Apple verzichtet künftig auf analoge Audiostecker. Es wäre nicht das erste Mal, dass Apple einem langjährigen Standard den Todesstoss versetzt.

von
F. Lindegger

Disketten- und CD-Rom-Laufwerk, Flash von Adobe oder USB-2.0-Stecker: Apple hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder als Totengräber von Technologien und Industriestandards betätigt – oft mit Erfolg. Nun folgt möglicherweise ein neues, bekanntes Opfer: der 3,5-Millimeter-Audioanschluss. Bei den neuen iPhones, die Apple am Mittwoch in San Francisco präsentierte, gibt es keine Kopfhörerbuchse mehr. Musik wird künftig drahtlos oder über die verbliebene Lightning-Schnittstelle übertragen.

«Apple erlaubt es sich, hemmungslos alte Zöpfe abzuschneiden und Innovationen voranzutreiben», sagt Jean-Claude Frick, Digital- und Telekom-Experte bei Comparis und langjähriger Tech-Blogger. Apple mache das nicht, um seine Kunden zu ärgern, sondern weil der Konzern überzeugt sei, dass es der richtige Weg sei, glaubt Frick. «Durch das Weglassen von CD-Laufwerken in Laptops wurden die Geräte leichter und der Weg für Musikdownload-Dienste geebnet.»

Musikqualität soll besser werden

Die Ankündigung, die Audiobuchse sterben zu lassen, sorgte erwartungsgemäss für viele negative Reaktionen – auch von Seiten der Apple-Fans. Doch der US-Konzern könne sich das erlauben, ist Frick überzeugt. «Apple weiss um seine treue Anhängerschaft, die solche Änderungen mitmacht.» Zudem seien immer dieselben Mechanismen zu beobachten, wenn Apple sich von einem Standard verabschiedet: «Zuerst gibt es einen Aufschrei, dann beruhigt sich das Ganze und die anderen Firmen ziehen schon bald mal nach.»

Bei den Kopfhörern ist der US-Konzern offenbar überzeugt, dass das iPhone ohne Buchse besser für die Kunden ist. Als Gründe nannte Apple-Chef Tim Cook bei der Präsentation des neuen iPhones unter anderem die vergleichsweise schlechte Audioqualität der heutigen Kopfhöreranschlüsse, die sich kaum verbessern lasse. Beim von Apple vorgestellten System ist die Audio-Schaltung direkt im Kopfhörer eingebaut und nicht wie bisher im Smartphone. Dadurch würden neue Lösungen möglich, die eine bessere Qualität garantieren würden.

«Schlechte Entwicklung für Konsumenten»

Nur um das Wohl seiner Kunden geht es Apple natürlich nicht. Dahinter stehen auch wirtschaftliche Überlegungen. Einerseits verfügt Apple mit Beats über eine eigene Audio-Sparte, die nun Kopfhörer für das neue iPhone verkaufen kann. Andererseits verdient Apple Lizenzgebühren, wenn andere Anbieter eine Lightning-Schnittstelle einbauen.

Im Gegensatz zu früheren Entscheiden von Apple, auf eine Technologie zu verzichten, setzt die Firma mit Lightning-Anschlüssen und Wireless-Kopfhörern eigene Lösungen und keine Industriestandards ein. Möglicherweise werden künftig viele Anbieter ihre eigenen Audio-Produkte präsentieren, die mit den Geräten von anderen Herstellern nicht kompatibel sind. Im Gegensatz zu heute, wo ein Kopfhörer mit 3,5-Millimeter-Buchse bei praktisch allen Handys funktioniert. «Samsung hat ebenfalls kürzlich Wireless-Kopfhörer präsentiert, die nur mit den eigenen Handys funktionieren. Aus Sicht der Konsumenten ist das eine schlechte Entwicklung», erklärt Frick.

Die sogenannten Klinkenstecker, die heute in praktisch allen Handys und Musikplayern verbaut sind, wurden von Sony in den 1960er-Jahren eingeführt und setzten sich mit dem Walkman in den 1980er-Jahren durch. Die 3,5-Millimeter-Stecker basieren dabei auf einer Technologie aus dem 19. Jahrhundert.

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