26.06.2017 04:49

Doktor Sex

«Warum lässt er mich nicht gehen?»

Seit bald zwei Jahren hat Sandra eine Affäre mit ihrem verheirateten Chef. Sie möchte eine Beziehung, er nicht.

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Im Bett mit dem Boss: Eine Affäre mit dem Vorgesetzten kann zur Katastrophe werden.

Im Bett mit dem Boss: Eine Affäre mit dem Vorgesetzten kann zur Katastrophe werden.

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Frage von Sandra (34) an Doktor Sex: Ich habe seit über einem Jahr eine Affäre mit meinem Chef. Er ist 17 Jahre älter und verheiratet. Ich hätte gern mehr, aber er will nicht. Auch in den Ferien schreibt er mir jeweils SMS, meist belanglose Sachen. Er hat mir auch schon Geschenke gemacht. Manchmal ist er aber kalt und desinteressiert. Der Sex ist sehr gefühlvoll, aber das letzte Mal, als er bei mir war, ging er danach einfach in die Küche, ohne sich etwas zu holen. Es war, als wolle er dort nachdenken und etwas herausfinden.

Ich habe schon einige Male versucht, die Sache zu beenden. Aber dann will er sofort reden und lässt mich nicht wirklich gehen. Wenn ich ihm jedoch sage, was ich nicht in Ordnung finde, spielt er es runter oder sagt, ich solle mal locker bleiben. Bei Fragen weicht er aus und ignoriert mich für ein paar Tage. Was soll ich von dem Ganzen halten? Warum macht er das alles und hat sogar Sex mit mir, wenn er dann doch keine Beziehung will? Ich verstehe das nicht. Und warum lässt er mich nicht gehen?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Sandra

Ganz einfach: Weil du so rührend naiv bist, dass du offensichtlich nicht bemerkst – oder möglicherweise auch einfach nicht bemerken willst –, wie er dich und deine Gutgläubigkeit scham- und skrupellos ausnutzt, während er in Tat und Wahrheit nicht im Entferntesten daran denkt, seine Familie zu verlassen und mit dir eine Beziehung einzugehen.

Ich vermute, dass du für diesen Mann nichts weiter bist als eine pflegeleichte Sexgespielin, die man mit kleinen Geschenken bei der Stange halten kann. Würde er den gleichen Service bei einer Begleitagentur buchen, würde ihn allein die Dienstleisterin eine ziemliche Stange Geld kosten, ganz zu schweigen von den Aufwendungen für das Hotelzimmer.

Da du ja bereits mehrmals den Versuch unternommen hast, die Angelegenheit zu beenden, mag ich nicht wirklich glauben, dass du dir das alles nicht selber auch schon überlegt und dabei herausgefunden hast, woran du mit diesem Menschen bist oder welche Rolle du in diesem Spiel spielst. So unschuldig, wie du dich in der Frage gibst, kannst du also nicht sein.

Die Vermutung liegt daher nahe, dass du einen Nutzen aus der Sache ziehst, denn niemand tut etwas, ohne dass es für ihn oder sie Sinn macht, ausser, er wird mit Gewalt dazu gezwungen – und davon muss ich ja wohl nicht ausgehen. Aus dieser Perspektive betrachtet, ergeben sich bezüglich des weiteren Vorgehens für mich zwei Szenarien: Entweder bleibst du dabei, dich selber zu belügen und so zu tun, als hättest du keine Ahnung vom bösen Spiel, das da gespielt wird. Oder du beginnst damit, die volle Verantwortung für dich und diese Beziehung zu übernehmen, was bedeuten würde, Klartext zu reden und dich keine Sekunde länger abspeisen und hinhalten zu lassen.

Letzteres hätte wahrscheinlich zur Folge, dass du innert kürzester Zeit allein wärst und die Tatsache akzeptieren müsstest, dass du dir ein Jahr lang etwas vorgemacht hast und nun wieder am gleichen Ort stehst wie vorher – mit dem kleinen Unterschied, dass du etwas über dich und die Welt gelernt hast. Alles Gute.

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