Die Welt rätselt: Warum landen 100'000 Euro in einem Genfer WC?
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Die Welt rätseltWarum landen 100'000 Euro in einem Genfer WC?

Die mit Banknoten verstopften Toiletten in Genf sorgen weltweit für Aufsehen. Noch ist das Motiv dahinter unklar – war es ein Racheakt?

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vro
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500-Euro-Noten im Wert von rund 100'000 Euro wurden in Genf an einer ungewöhnlichen Stelle entdeckt.

500-Euro-Noten im Wert von rund 100'000 Euro wurden in Genf an einer ungewöhnlichen Stelle entdeckt.

Patrick Seeger
In der UBS-Filiale an der Rue de la Corraterie in Genf lagen die Noten zerstückelt in einem verstopften WC beim Tresorraum.

In der UBS-Filiale an der Rue de la Corraterie in Genf lagen die Noten zerstückelt in einem verstopften WC beim Tresorraum.

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Auch in der Pizzeria Molino an der Place du Molard, die sich nicht weit von der Bankfiliale entfernt befindet, verstopften Banknoten die WCs.

Auch in der Pizzeria Molino an der Place du Molard, die sich nicht weit von der Bankfiliale entfernt befindet, verstopften Banknoten die WCs.

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In Genf hatten im Juni gleich mehrere Restaurantbetreiber und eine UBS-Filiale verstopfte WCs. Als Sanitäre sich der Sache annahmen, fanden sie in den WC-Schüsseln, Lavabos und Leitungsrohren zerstückelte 500-Euro-Noten. Offenbar wurden sie im WC beim Tresorraum der Bank entsorgt. Weshalb, ist noch unklar. Während die Staatsanwaltschaft ermittelt, geht die aussergewöhnliche Nachricht um die Welt – selbst in den USA und in Australien wird über den Fall berichtet.

Fest steht, dass das Geld von einem Schliessfach stammt, das zwei spanischen Frauen gehört. Ihr Anwalt wollte sich gegenüber den Ermittlern nicht äussern. Laut Vincent Derouand, Sprecher der Genfer Staatsanwaltschaft, dürften die Noten wahrscheinlich mit Scheren zerstückelt worden sein, wie er der Nachrichtenagentur AFP sagt. Nun werde untersucht, ob das Geld mit illegalen Aktivitäten zusammenhänge.

War es Absicht oder Rache?

Bei der UBS will man sich nicht zum Fall äussern, wie es auf Anfrage von AFP heisst. Doch weshalb will jemand rund 100'000 Euro einfach so die Toilette hinunterspülen? «Echtes Geld wird nur dann entsorgt, wenn seine Anwesenheit für den Eigentümer ein grösseres Problem darstellt als seine Vernichtung», sagt der Zürcher Rechtsanwalt David Zollinger. Geldwäsche schliesst er jedoch aus. Eine andere Option sei, dass das Geld nicht der Person gehörte, die es entsorgt hat. «Es könnte sich letztlich um eine Art Racheaktion gegenüber den tatsächlich berechtigten Personen handeln.» Der Täter müsste allerdings Zugriff auf das Schliessfach haben.

Dass die Noten in der Banktoilette entsorgt worden sind, deute auf die zeitliche Dringlichkeit hin. Zudem könnten weitere Dokumente mit dem Geld entsorgt worden sein, da die Besitzerinnen ja identifiziert worden sind. Aber, so Zollinger: «Die Bank wird sich wegen des Bankgeheimnisses nicht dazu äussern.»

Der Fiskus würde davon erfahren

«Das ist für alle ein Rätsel», sagt auch der Zürcher Steuerexperte Lukas Strittmatter über den Fall. Dass das Geld vor dem spanischen Fiskus verheimlicht werden sollte, glaubt er nicht. «Das macht keinen Sinn.» Denn das Gesetz über den automatischen Austausch von Steuerdaten zwischen der Schweiz und 28 EU-Staaten sei schon seit dem 1. Januar 2017 in Kraft. Die Informationen würden zwar erst ab dem 1. Januar 2018 weitergegeben, doch Konten, die im Jahr 2017 noch bestehen, können nur mit einer straflosen Selbstanzeige legalisiert werden.

Baldiges Aus für 500-Euro-Noten

Gemäss der «Tribune de Genève» war das Geld ohnehin in einem Schliessfach gelagert worden. Das sähen Banken nicht gern, sagt Strittmatter. «Wird Bargeld in einem Bankschliessfach deponiert, kann das gegen die Gesetzgebung gegen Geldwäscherei verstossen.» Wolle man es legalisieren, helfe nur eine Selbst-Anzeige. «Oder man braucht es halt auf», so der Steuerexperte. Das erklärt zwar nicht, weshalb jemand zerstückelte Noten die Toilette hinunterspült, aber, so Strittmatter: «Man darf Geld loswerden.»

500-Euro-Noten wird es nicht mehr allzu lange geben. Im Laufe des nächsten Jahres soll ihre Ausgabe eingestellt werden, wie die Europäische Zentralbank 2016 bekannt gegeben hatte. Mit der Abschaffung will man gegen Terrorfinanzierung, Geldwäsche und Schwarzarbeit vorgehen.

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