Stefan Bürer und Jann Billeter gehen - Warum laufen SRF die Moderatoren davon?
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Stefan Bürer und Jann Billeter gehenWarum laufen SRF die Moderatoren davon?

Vor wenigen Tagen gab Sport-Kommentator Stefan Bürer seinen Abgang bekannt, zuvor verliess Moderator Jann Billeter das Gebühren-TV. Was die Abgänge grosser SRF-Namen bedeuten.

von
Christina Duss
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Im Juni 2021 gab SRF bekannt, dass erneut eine bekannte TV-Persönlichkeit den Sender verlassen wird. 

Im Juni 2021 gab SRF bekannt, dass erneut eine bekannte TV-Persönlichkeit den Sender verlassen wird.

imago images/Andreas Haas
Der 57-jährige Stefan Bürer, Tennis- und Eishockey-Kommentator, verantwortet ab Oktober neu den PR- und Kommunikationsbereich der Lakers – seinen «Herzensclub».

Der 57-jährige Stefan Bürer, Tennis- und Eishockey-Kommentator, verantwortet ab Oktober neu den PR- und Kommunikationsbereich der Lakers – seinen «Herzensclub».

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28 Jahre lang war der gebürtige Rapperswiler beim SRF tätig. Und kommentierte, wie hier bei diesem Bild grosse Tennis-Events wie den Davis Cup.

28 Jahre lang war der gebürtige Rapperswiler beim SRF tätig. Und kommentierte, wie hier bei diesem Bild grosse Tennis-Events wie den Davis Cup.

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Darum gehts

  • Mit Stefan Bürer (57) und Jann Billeter (49) verlassen zwei grosse Sport-Namen das SRF.

  • In den vergangenen Jahren orientierten sich viele bekannte Gebühren-TV-Persönlichkeiten beruflich neu.

  • Was die Abgänge bedeuten könnten, weiss «Medienwoche»-Chefredaktor und Branchenexperte Nick Lüthi.

Die Nachricht, dass der Tennis- und Eishockey-Kommentator Stefan Bürer sich vom Schweizer Radio und Fernsehen verabschieden würde, kam diese Woche überraschend – immerhin war Bürer 28 Jahre für SRF tätig. Der 57-Jährige wird künftig bei den heimischen Rapperswil-Jona Lakers im Bereich PR und Kommunikation in der Geschäftsleitung sitzen. «Die SCRJ Lakers sind für mich eine Herzensangelegenheit und ich werde versuchen mitzuhelfen, das Profil der Organisation zu stärken und zu schärfen», so Bürer.

Stefan Bürer ist bereits der zweite grosse Sportmoderations-Name, der dieses Jahr einen Neuanfang wagt. So wurde Ende Mai bekannt, dass SRF-Moderator Jann Billeter den Sender nach 24 Jahren verlässt und zum Privatsender MySports wechselt. Entscheidend sei unter anderem gewesen, dass sich MySports die Eishockey-Rechte für weitere fünf Jahre sichern konnte, sagte der 49-Jährige in einem Interview mit 20 Minuten kurz nach der Bekanntgabe. «Meinen Hauptsport von A bis Z zu begleiten, mit einem agilen Team, das Grosses vorhat. Diese Herausforderung reizt mich enorm», wird der Davoser ausserdem in einer Medienmitteilung des Sportsenders zitiert.

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Jann Billeter berichtet künftig für MySports über das Schweizer Eishockey.

Jann Billeter berichtet künftig für MySports über das Schweizer Eishockey.

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Der 49-Jährige gehörte zu den beliebtesten SRF-Gesichtern.

Der 49-Jährige gehörte zu den beliebtesten SRF-Gesichtern.

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Neben Eishockey kam Billeter unter anderem auch beim Tennis, Ski oder in der Leichtathletik zum Einsatz.

Neben Eishockey kam Billeter unter anderem auch beim Tennis, Ski oder in der Leichtathletik zum Einsatz.

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Schlankere Abläufe vs. Schwerfälligkeit

Was Bürer in seiner Begründung zum Wechsel sagt, etwa dass er sich auf ein «agiles Team, das Grosses vorhat» freue, ist gemäss Branchenkenner und «Medienwoche»-Chefredaktor Nick Lüthi bezeichnend. «Die Medienlandschaft hat sich gewandelt, bei Sport gibt es neue, potente Konkurrenz für SRF.» Den Sportjournalistinnen und Sportjournalisten seien in den vergangenen Jahren zunehmend attraktive Jobs zu vergleichbaren Arbeitsbedingungen wie bei SRF angeboten worden.

Denn journalistisch gesehen befinde sich die Konkurrenz mittlerweile auf gleichem Niveau, so Lüthi: «MySports etwa produziert tolle Dok-Filme, zeigt Talks und präsentiert Analysen.» Jann Billeter müsse journalistisch sicher nicht zurückstecken. Was Jann Billeter zudem mit einem «agilen Team» meint, ist wohl ebenfalls nicht zu verkennen – bei den Privaten sind die Abläufe deutlich schlanker, weniger schwerfällig als bei SRF.

Liegts vielleicht auch an der Unternehmens-Kultur?

Dass die Abgänge womöglich weniger mit der Attraktivität anderer Jobs, aber eher mit der Firmenkultur bei SRF zu tun haben könnten, weist Susan Schwaller, Chefredaktorin von SRF Sport auf Anfrage von sich: «Stefan Bürer wechselt nach 28 Jahren bei SRF Sport die Stelle, Jann Billeter nach 24 Jahren. Dass Mitarbeitende nach einer derart langen Zeit Lust auf eine berufliche Veränderung haben, ist absolut nachvollziehbar.» Überhaupt sei es alles andere als selbstverständlich, dass Mitarbeitende ihrem Arbeitgeber weit über zwei Jahrzehnte treu blieben. «Das spricht sowohl für unsere Mitarbeitenden als auch für SRF Sport.»

Auch «Medienwoche»-Chefredaktor Lüthi sieht gerade im Sportbereich des Senders keine Anzeichen für betriebskulturelle Probleme. «SRF Sport hat eine Strategie.» Nachdem man aus vertragsrechtlichen Gründen etwa keine Live-Spiele aus der Champions League mehr zeigen könne oder sich ab 2022 die Spiele des Fussball-Nationalteams mit 3+ teilen müsse, setze man seit ein paar Jahren verstärkt auf mittelgrosse Mannschaftssportarten wie Handball, Volleyball oder Unihockey.

Lüthi sieht die betriebskulturellen Probleme stärker in der Newsabteilung von SRF. «Da herrscht seit No Billag und den Sparprogrammen permanente Unruhe.»

Kein «lebenslänglich» mehr

Stefan Bürer und Jann Billeter sind nicht die einzigen grossen Namen, die in den vergangenen vier Jahren SRF verlassen haben. 2017 wechselte auch Sportmoderatorin Steffi Buchli (43, inzwischen Sportchefin der Blick-Gruppe) vom Gebühren-Fernsehen zum Privat-TV, in 2018 verliess «Donnschtig-Jass»-Moderator Roman Kilchsperger (51) den Sender, im September 2019 war auch für «Arena»-Moderator Jonas Projer (39) Schluss und im Dezember 2019 verliess «1 gegen 100»-Moderatorin Susanne Kunz (42) die Schweizer Fernsehbühne. Ein Jahr später verabschiedete sich «SRF bi de Lüt»-Mann Nik Hartmann (49) von SRF und im April 2020 gab «SRF Börse» und «Eco»-Moderatorin Patrizia Laeri (44) ihren Abgang bekannt.

Die Haltung gegenüber SRF als Arbeitgeberin hat sich bei den Mitarbeitenden offenbar verändert. Während früher eine Anstellung und eine erfolgreiche Karriere bei SRF bedeutete, dass man sich quasi lebenslänglich dem grossen Gebühren-Riesen dankbar verpflichtete, scheint in den vergangenen Jahren ein Wandel stattgefunden zu haben. «Es ist heute sicher einfacher bei SRF zu gehen als in früheren Jahren», sagt auch «Medienwoche»-Chefredaktor Lüthi.

Wer rückt jetzt nach?

Wie die aktuellen Abgänge im Sport ersetzt werden, bleibt abzuwarten. «Persönlichkeiten, die unsere Sportberichterstattung mehrere Jahrzehnte mitprägten, lassen sich nicht von heute auf morgen ersetzen. Darum geben wir laufend neuen Gesichtern und Stimmen die Chance, sich vor der Kamera oder am Mikrofon zu beweisen», sagt Susan Schwaller, Chefredaktorin von SRF Sport.

In den letzten Jahren hätten auch mehrere aufstrebende Kommentatoren und Moderatorinnen von den Privaten zu SRF Sport gewechselt, so Schwaller. «Etwa Annette Fetscherin, die seit ihrem Wechsel zu SRF Sport bereits in verschiedenen Rollen zum Einsatz gekommen ist und bei der aktuellen Euro erstmals als Moderatorin eines Fussballgrossevents vor der Kamera steht.»

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