Trump am WEF: Warum macht Prügelknabe Trump jetzt alle hibbelig?
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Trump am WEFWarum macht Prügelknabe Trump jetzt alle hibbelig?

Kaum war Trump im Amt, prügelten alle auf ihn ein. Jetzt, da er die Schweiz mit einem Besuch beehrt, sind viele plötzlich ganz aus dem Häuschen. Warum?

von
D. Pomper
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Seit Donald Trump US-Präsident ist, kritisieren Bürger, Medien und Politiker fast täglich seine politischen Entscheide, Machtdemonstrationen und sexistischen Sprüche, reissen Witze über seine intellektuelle Kapazität und frotzeln über seine Frisur.

Seit Donald Trump US-Präsident ist, kritisieren Bürger, Medien und Politiker fast täglich seine politischen Entscheide, Machtdemonstrationen und sexistischen Sprüche, reissen Witze über seine intellektuelle Kapazität und frotzeln über seine Frisur.

AP/Andrew Harnik
Jetzt aber, da der vermutlich mächtigste Mann der Welt seinen Besuch am WEF in Davos angekündigt hat, sind alle ganz aus dem Häuschen. Ein Davoser Souvenirverkäufer will Trump laut «Blick» ein Alphorn schenken. Ein lokaler Wirt will ihm seinen Swiss Burger mit Raclette-Käse und Bündnerfleisch servieren.

Jetzt aber, da der vermutlich mächtigste Mann der Welt seinen Besuch am WEF in Davos angekündigt hat, sind alle ganz aus dem Häuschen. Ein Davoser Souvenirverkäufer will Trump laut «Blick» ein Alphorn schenken. Ein lokaler Wirt will ihm seinen Swiss Burger mit Raclette-Käse und Bündnerfleisch servieren.

Keystone/Arno Balzarini
Aviatik-Fans in der Schweiz können es kaum erwarten, dass die Air Force One hier landen wird, Journalisten reissen sich um zusätzliche Medien-Akkreditierungen, Tourismus- und Wirtschaftsvertreter reiben sich die Hände.

Aviatik-Fans in der Schweiz können es kaum erwarten, dass die Air Force One hier landen wird, Journalisten reissen sich um zusätzliche Medien-Akkreditierungen, Tourismus- und Wirtschaftsvertreter reiben sich die Hände.

AP/Susan Walsh

Wir erinnern uns: Seit Donald Trump US-Präsident ist, kritisieren Bürger, Medien und Politiker fast täglich seine politischen Entscheide, Machtdemonstrationen und sexistischen Sprüche, reissen Witze über seine intellektuelle Kapazität und frotzeln über seine Frisur.

Jetzt aber, da der vermutlich mächtigste Mann der Welt seinen Besuch am WEF in Davos angekündigt hat, sind alle ganz aus dem Häuschen. Ein Davoser Souvenirverkäufer will Trump laut «Blick» ein Alphorn schenken. Ein lokaler Wirt will ihm seinen Swiss Burger mit Raclette-Käse und Bündnerfleisch servieren. Aviatik-Fans in der Schweiz können es kaum erwarten, dass die Air Force One hier landen wird, Journalisten reissen sich um zusätzliche Medien-Akkreditierungen, Tourismus- und Wirtschaftsvertreter reiben sich die Hände.

«Trumps Besuch ist nur gut für die Schweiz»

Sogar linke Politiker freuen sich: «Seine Freundlichkeit ist nur gut für unser Land, und wir erhalten internationale Aufmerksamkeit», sagte etwa SP-Nationalrat Tim Guldimann im Interview mit 20 Minuten. Sei Trump in der Schweiz, werde er keine bösen Worte über unser Land verlieren.

Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» bezeichnete die CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter den Besuch Trumps als «einmalige Gelegenheit», welche die Bundesräte nutzen müssten, um wichtige Themen wie die US-Steuerreform anzusprechen. Filippo Lombardi (CVP) wertete Trumps Besuch als Beweis für die grosse Bedeutung des WEF.

Auch Ernst Wyrsch, der bis 2011 das 5-Sterne-Hotel Steigenberger Belvédère in Davos führte, freute sich im «Tages-Anzeiger»: «Für den Ort, Graubünden und die Schweiz ist er eine tolle Sache.» Die Medienaufmerksamkeit werde für die kurze Zeit, die Trump hier ist, Davos gehören. Der Besuch bringe Davos, dessen Image als Tourismusdestination gelitten hat, «im richtigen Moment die rechten Impulse».

«Schweizer leiden unter Kleinstaaten-Komplex»

Warum freuen sich plötzlich reihenweise Leute über den Besuch eines Mannes, der bei einem Grossteil der Bevölkerung noch bis anhin als Persona non grata gegolten hat? Ökonom und Gesellschaftsforscher Thomas Gees von der Berner Fachhochschule sagt: «Die Schweizer leiden unter einem Kleinstaaten-Komplex. Deshalb freuen sich viele wie kleine Kinder, dass ein US-Präsident nun unserem Land einen Besuch abstattet.» Als bisher einziger reiste Bill Clinton im Jahr 2000 nach Davos. Der letzte offizielle Staatsbesuch liegt 33 Jahre zurück. 1985 besuchte Ronald Reagan die Schweiz.

«Die Schweiz ist international betrachtet ein politischer Zwerg, der kaum beachtet wird. Mit Trump aber landet sie auf der politischen Weltagenda», sagt Gees. Politiker von links bis rechts, bis anhin eher Trump-feindliche Journalisten oder aber auch einfache Bürger hofften darauf, dass etwas vom Grossmachts-Glamour auch auf sie abfallen könnte. «Da spielt auch Neutralität keine Rolle mehr», sagt Gees.

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