04.11.2018 15:44

Sula fragtWarum macht Stress dick?

Wer unter Dauerstrom ist, ernährt sich anders. Warum das so ist, verrät Ernährungsdiagnostiker Jürg Hösli.

von
Sulamith Ehrensperger
Wer einen stressigen Tag hatte, wird abends eher das Verlangen nach ungesunden Snacks haben.

Wer einen stressigen Tag hatte, wird abends eher das Verlangen nach ungesunden Snacks haben.

S_chum

«Da spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Wenn wir Stress haben, wird unser Hungergefühl verschoben und wir kompensieren unsere «Mehrarbeit» mit mehr Essen, der Körper will quasi eine Lohnerhöhung. Wir essen so mehr, als der Körper braucht, um uns zu stärken. Wenn wir über den Tag sehr viel zu tun haben, neigen wir dazu, zu wenig zu essen. Am Abend dann, wenn wir zur Ruhe kommen, werden es ein, zwei Bierchen oder ein Stück Pizza mehr. Wir nehmen zu – und das vor allem am Bauch. Ein dicker Bauch kann gesundheitlich negative Folgen haben.

Stress kann das hormonelle Gleichgewicht aus dem Konzept bringen. Ein dauerhaft erhöhter Spiegel des Stresshormons Cortisol verschlechtert den Transport von Kohlenhydraten in die Muskulatur, lagert vermehrt Fett im Bauchraum ein und und baut Eiweiss in der Muskulatur ab. Wenn wir dann weniger essen und noch exzessiv Sport treiben, wird es besonders lästig. Die Lust auf Zucker wird immer grösser. Warum?

Vereinfacht erklärt, nimmt bei Stress auch die Sauerstoffsättigung im Blut ab. Das heisst, der Körper ist nicht mehr optimal mit Sauerstoff versorgt. Wir fühlen uns schlapp, angeschlagen und sind körperlich weniger leistungsfähig. Auch die Fettverbrennung wird schlechter. Sind wir gestresst, haben wir also mehr Bedarf an Kohlenhydraten. Essen wir zu wenig davon, steigt der Appetit nach Süssem. Verdrängen wir diesen, holt uns der Heisshunger irgendwann ein.

Wenn ich den Körper stresse, kann ich nicht von ihm fordern, dass er auch noch Fett abbaut. Also bitte nicht in Stressphasen noch die Traumfigur erreichen wollen. Das funktioniert einfach nicht! Mein Tipp: Lieber kleine Portionen essen und die Mahlzeiten gut über den Tag verteilen.

Viele meiner Kunden nehmen in den Ferien zwei bis drei Kilo ab, weil der Körper ins Lot kommt. Das ist meiner Meinung nach artgerechte Haltung. Die Muskulatur erholt sich und der Körper kann wieder funktionieren. Wer nicht in die Ferien fahren kann, findet vielleicht mit einer Entspannungstechnik wieder ein bisschen mehr Balance.»

Jürg Hösli ist Ernährungswissenschaftler, Querdenker und greift gerne kontroverse Themen aus Sport, Psychologie und Ernährung auf. Er ist seit 30 Jahren im Leistungssport, hat Weltmeister und Olympiasieger betreut. Er ist Begründer der Ernährungsdiagnostik und der Schule für Ernährungsdiagnostik erpse in Winterthur. Hösli betreut hier vor allem übergewichtige Klienten und Menschen mit Reizdarm oder Erschöpfungszuständen. Für 20 Minuten schreibt er unter dem Namen Futterpapst Kolumnen.

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