Sportler des Jahres: Warum nicht der Schwingerkönig?
Aktualisiert

Sportler des JahresWarum nicht der Schwingerkönig?

Heute wird im Rahmen der «Sports Awards» in einer Publikumswahl der Sportler des Jahres gekürt. Eigentlich kann der Sieger nur Kilian Wenger heissen. Oder?

von
Klaus Zaugg
Kilian Albrecht:Wird der Schwingerkönig heute zum Sportler des Jahres gewählt? (Bild: Keystone)

Kilian Albrecht:Wird der Schwingerkönig heute zum Sportler des Jahres gewählt? (Bild: Keystone)

In den letzten Wochen ist in den Medien im Zusammenhang mit verschiedenen Volksabstimmungen unser Wesen und Wirken oft recht eigenwillig beschrieben worden: Wir hausen abgeschlossen in unseren Bergtälern, leben still für uns von Milch und Brot und den Batzen, die wir für allerlei Gauner verwahren und nicht besteuern. Vor der Türe hängt das Schild «Bitte nicht stören.» Isolationistischer als Amerika in den Zeiten des Alkoholverbotes und konservativer als Spanien während der heiligen Inquisition.

Wenn auch nur ein Körnchen Wahrheit in diesem Schweizbild steckt, erübrigt sich die Wahl zum Sportler des Jahres. Weil es sowieso nur einen Sportler gibt, der von diesem kuriosen Volk gewählt werden kann und darf: Kilian Wenger, der König der Schwinger. Die Sagengestalt aus dem Oberland, wie einem Gemälde von Ferdinand Hodler entstiegen, die unseren Gründungsmythos ins21. Jahrhundert hinübergerettet hat. Der Wilhelm Tell in Zeiten der EU, der sich mit seiner Geschicklichkeit und überlegenen Körperkraft zum König emporschwingt. Aber nur für drei Jahre. Bis zum nächsten Eidgenössischen Denn die rebellischen Schweizer lassen sich ja nicht regieren, nur verwalten und dulden es nicht, dass einer zu lange an der Macht bleibt.

Zu viel im Ausland?

Bei diesem Volk müssen Roger Federer und Simon Ammann chancenlos sein. Der Federer ist ja nachgerade ein globaler Sportstar und arbeitet fast nur im Ausland und in kurzen Hosen. Er wird von Ausländern über alle Massen gerühmt und nimmt wahrscheinlich auch noch Geld von Ausländern, vielleicht sogar von Arabern und Chinesen. Da kann etwas nicht ganz koscher sein. Schliesslich hat der Hodler auch keine Tennisspieler gemalt und der Gotthelf nicht über Wimbledon, Flushing Meadows und Roland Garros geschrieben. Sondern über Schwingen und Hornussen.

Der Simon Ammann ist zwar schon ein sympathischer Sportler. Er könnte einer der sechs Kummerbuben sein und die waren nachweislich alle richtige und nicht bloss eingebürgerte Schweizer. Aber auch er ist verdächtig viel im Ausland und hat Umgang mit Ausländern und ständig Streit mit den Österreichern. Dabei haben wir doch seit dem Tell das mit den Österreichern ein für allemal geregelt. Und dann so hoch und so weit durch die Luft fliegen! Hat uns doch Bruder Klaus schon geraten: «Machet den Zaun nicht zu weit!» Er meinte damals auch den Luftraum.

Unser Sportler des Jahres ist also Kilian Wenger. Ein richtiger Eidgenosse. Und was ist, wenn dieses seltsame Volk doch den Roger Federer oder den Simon Ammann zu seinem Sportler des Jahres kürt? Na ja, dann sollten einige politische Analysen der letzten Wochen neu geschrieben oder ein wenig justiert werden.

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