Aktualisiert 09.12.2011 20:42

Dona Nobis Pilulam

Warum Nonnen die Pille nehmen sollten

Ordensschwestern leben – wenigstens offiziell – keusch. Dennoch macht es durchaus Sinn, dass auch Nonnen die Anti-Baby-Pille nehmen. Das zumindest behaupten zwei australische Forscher.

von
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Die Pille für die Nonne? Aus gesundheitlichen Gründen macht das Sinn, finden australische Wissenschaftler. (Bild: Colourbox)

Die Pille für die Nonne? Aus gesundheitlichen Gründen macht das Sinn, finden australische Wissenschaftler. (Bild: Colourbox)

Die katholische Kirche soll ihre Nonnen mit der Anti-Baby-Pille versorgen. Das fordern die beiden australischen Forscher Kara Britt von der Monash-Universität und Roger Short von der Universität in Melbourne.

Allerdings soll das orale Kontrazeptivum nicht dem Zweck der Empfängnisverhütung, sondern der Krebsprävention dienen, wie die beiden Wissenschaftler betonen. Im Rahmen einer Studie mit 31 000 amerikanischen Ordensfrauen konnten Britt und Short zeigen, dass Nonnen und andere kinderlose Frauen ein deutlich höheres Risiko haben, an Brust-, Gebärmutter- oder Eierstock-Krebs zu erkranken, als Frauen, die Kinder zur Welt brachten. Grund dafür ist, dass die kinderlosen Frauen mehr Menstruationszyklen durchleben als Frauen, die ihre Regel durch eine Schwangerschaft oder das Stillen unterbrechen.

Gefahr um 50 Prozent verringert

Den beiden Forschern gelang es nachzuweisen, dass die in die Studie eingeschlossenen Nonnen ab einem Alter von 80 Jahren ein doppelt so hohes Risiko aufwiesen, an Brust-, Eierstock-, oder Gebärmutter-Krebs zu erkranken, als Frauen, die der Normal-Bevölkerung angehörten. Auch während des 7. Lebensjahrzehnts war das Krebsrisiko der Ordensfrauen im Vergleich zur Durchschnittsfrau deutlich höher.

Im medizinischen Fachjournal «The Lancet», in dem die Studie veröffentlicht wurde, plädierten Britt und Short, die häufigen Menstruations-Zyklen, die zu einem erhöhten Krebsrisiko führten, durch die Gabe eines oralen Kontrazeptivums zu verringern. Alleine die Gefahr, an einem Eierstock-, beziehungsweise Gebärmutter-Krebs zu erkranken, könne auf diese Weise um 50 bis 60 Prozent vermindert werden, sagen die Forscher.

Rezept vom Papst?

Gleichzeitig warnen sie vor den gefährlichen Nebenwirkungen, die mit der Einnahme der Pille einhergehen können. Dazu gehören unter anderem ein höheres Schlaganfall- beziehungsweise Thrombose-Risiko. Entsprechende organische Dispositionen sollten deshalb während eines medizinischen Check-ups vor der Einnahme des Medikaments abgeklärt werden, wie die Wissenschaftler schreiben.

Den Vorschlag der Forscher, die Kirche solle die Pille an ihre Ordensschwestern abgeben, hält Brian Lucas, Generalsekretär der australischen Bischofs-Konferenz, für «lächerlich», wie er gegenüber dem Sidney Morning Herald erklärte: «Die Verschreibung von Hormonen sollte jede Ordensschwester individuell mit ihrem Arzt abklären – nicht zuletzt wegen der Nebenwirkungen.»

Stichwort Pille

Die Antibaby-Pille ist eine beliebte Verhütungsmethode: Schätzungsweise rund 500 000 Frauen in der Schweiz nehmen orale Kontrazeptiva. Doch das seit Anfang der 60er Jahre erhältliche Hormonpräparat hat Tücken: Zwar wurde die Pille im Laufe der vergangenen Zeiten kontinuierlich weiterentwickelt und von vielen ihrer Kinderkrankheiten befreit - doch Nebenwirkungen treten auch bei der neusten Generation niedrig dosierter Präparate auf. Frauen mit Gefässerkrankungen neigen durch die Einnahme der Pille eher zu Thrombosen, Lungenembolien und Schlaganfällen. Raucherinnen gehören ebenfalls zur Riskogruppe.

Ob die Einnahme von Kontrazeptiva die Entstehung von Krebs begünstigt, wurde bereits in diversen Studien untersucht. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Datenlage eher verwirrend: Während für die einen Krebsarten laut dem Horten-Zentrum für praxisorientierte Forschung und Wissenschaftstransfer das Risiko offenbar sinkt, könnten andere bösartige Erkankungen durch die Einnahme der Pille begünstigt werden.

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