Babysprache in der Beziehung: Das sind Gründe und Gefahren des Verhaltens

«Bisch mis Mausepupseli»: Findest du diese Sprache unter Erwachsenen herzig oder einfach nur grässlich?

«Bisch mis Mausepupseli»: Findest du diese Sprache unter Erwachsenen herzig oder einfach nur grässlich?

Pexels / Anna Tarazevich
Publiziert

«Schätzi-Putzeli»Warum Paare Babysprache benutzen – und wo Gefahren liegen

Wenn sich Paare mit hohen Stimmen und niedlichen Spitznamen ansprechen, ist das für Aussenstehende oft unangenehm. Was steckt hinter dem kindlichen Getue?

von
Geraldine Bidermann

«Schatzi-Bär, han dich fescht gern», «Ich dich au, Schnuggeli-Pups»: Zieht es dir bei diesen Sätzen alles zusammen? Oder gibt dir diese Wortwahl ein wohlig-warmes Gefühl im Bauch? So oder so: Babysprache unter Paaren ist extrem häufig. Aber wieso sprechen Erwachsene so, um ihre Liebe zueinander zu zeigen?

Verniedlichend miteinander zu sprechen, kommt ursprünglich aus dem Kleinkind-Universum. Studien zeigen, dass Babysprache Kleinkindern hilft. Denn Erwachsene, die Babysprache nutzen, sprechen meist extra deutlich und so verständlicher für ein Baby. Die Untersuchungen zeigen, dass Kinder mit Babysprache schneller mehr Wörter lernen als die Vergleichsgruppe der Kinder, mit denen normal gesprochen wird.  

«Em Bébé im Buucheli es Kusseli gäh»: Eine dem Kleinkind angepasste Sprache kann die Entwicklung fördern. Aber wieso tun das auch Erwachsene unter sich?

«Em Bébé im Buucheli es Kusseli gäh»: Eine dem Kleinkind angepasste Sprache kann die Entwicklung fördern. Aber wieso tun das auch Erwachsene unter sich?

Pexels / Pixabay

Babysprache tröstet und schenkt Sicherheit

Während Eltern also Babysprache mit Kleinkindern verwenden, um den Spracherwerb zu fördern, entwickelt sich dadurch auch eine intime emotionale Bindung zwischen der Betreuungsperson und dem Kind. Die Verwendung dieser Liebessprache mit einem Liebespartner bedeutet ein ähnliches Gefühl der Sicherheit und des Komforts in der Beziehung.

«Babysprache bei Paaren ist die Fähigkeit, die albernen, kindlichen Seiten von sich selbst zu zeigen, die man bei der Arbeit, unter Freunden oder in anderen sozialen Situationen nicht zeigen kann. Es eröffnet den Partnern ein neues Territorium der Nähe und Sinnlichkeit», erklärt Susanna Abse, Psychotherapeutin für Beziehungen, in ihrem Buch «Tell Me the Truth About Love», in dem sie ihre in drei Jahrzehnten Berufspraxis gewonnenen Erkenntnisse weitergibt. 

Sprichst du in Babysprache, wenn du verliebt bist?

Gefahren von Babysprache in der Beziehung

Übertreibt man es mit der niedlichen Pärchensprache, kann sie aber schnell zum Ablöscher werden – gerade beim Sex. Für viele symbolisiert die Babystimme Ungleichheit und Unterschätzung. Denn Babysprache kann auch so verstanden werden, dass man für sein Gegenüber verantwortlich ist und ihm quasi ein Schöppeli bringen, «Heile, heile, Säge» singen oder gar das Fudi putzen muss. Für die meisten nicht gerade eine sexy Vorstellung. Auch das Gefühl, unterdrückt zu werden, weil Babysprache an den autoritären Ton der Eltern erinnert, ist verbreitet.

Babysprache kann verbinden, aber auch Distanz schaffen. Denn es gibt Momente, in denen eine klare Kommunikation zielführender ist als Verniedlichungen. 

Babysprache kann verbinden, aber auch Distanz schaffen. Denn es gibt Momente, in denen eine klare Kommunikation zielführender ist als Verniedlichungen. 

Pexels / Gustavo Fring

Vielleicht lohnt es sich, eure Babysprache ein bisschen zu beobachten. Sprecht ihr ständig mit piepsig verstellter Stimme, obwohl ihr beide schon längst wisst, was «Brumm Brumms» und «Wau Waus» sind? Und ist euer Sexleben ein wenig eingeschlafen? Dann könnte der Wechsel zur Erwachsenen-Sprache im richtigen Moment ein Versuch wert sein.

Wer zudem anfängt, sich über die Babysprache des Gegenübers zu nerven, sollte das unbedingt ansprechen, um den gegenseitigen Respekt nicht zu verlieren. Ein weiterer Hinweis, an der Kommunikation zu arbeiten, ist, wenn die Babysprache dazu dient, in brenzligen Momenten Probleme zu umschiffen oder Diskussionen abzublocken.

Wie sieht es bei euch aus? 

Nun wolllen wir natürlich wissen: Wie steht ihr zu Babysprache in Liebesbeziehungen unter Erwachsenen? Findet ihr sie süss, wendet ihr sie selber an – oder ist das ganze Thema für euch einfach nur super cringe und peinlich? Diskutiert mit und füllt das Formular aus!   

Deine Meinung

51 Kommentare