Killer-Krankheit: Warum Pharma-Multis Ebola ignorieren

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Killer-KrankheitWarum Pharma-Multis Ebola ignorieren

Ebola ist sehr selten - und für Multis kaum ein Geschäft. Interessiert sind aber kleine Anbieter. In Basel forscht eine Biotechfirma an einem Impfstoff gegen das Virus.

von
Isabel Strassheim

Das Ebola-Virus ist so tödlich wie selten. Bislang gibt es weder ein Medikament noch einen Impfstoff gegen die Krankheit, die seit rund 40 Jahren bekannt ist. «Die Zahl der Patienten, aber auch der Preis, der für ein neues Medikament gefordert werden kann, macht für Pharmafirmen die Forschung und Entwicklung von Medikamenten attraktiv. Beides ist bei Ebola weniger gegeben», sagt Pharmaexperte Samuel Stursberg von Adamantinvest zu 20 Minuten.

Die Forscher von Okairos in Basel sind trotzdem dabei, ein gentechnisch hergestelltes Impfserum gegen Ebola zu entwickeln. «Wir diskutieren momentan den Eintritt in die frühe klinische Forschung noch in diesem Jahr», sagte eine Sprecherin des britischen Konzerns GlaxoSmithKline, der die Basler Firma vergangenes Jahr übernommen hat, auf Anfrage. Bis der Impfstoff nach erfolgreichen Tests dann auch zugelassen werden könnte, dürfte es allerdings noch zehn Jahre oder länger dauern.

Verkürzte Tests am Menschen

Auch andere kleine Biotechfirmen weltweit forschen zu dem Ebola-Virus. So auch die beiden US-Biotechfirmen Tekmira und Mapp. Derzeit gibt es allerdings noch ein Hin und Her, ob ihnen die US-Behörden verkürzte Tests am Menschen erlaubt. Dabei geht es nicht nur darum, dass die Medikamente schneller von Ebola-Patienten genommen werden können. Es geht auch um viel Forschungsgeld für die Pharmafirmen, das sie durch die beschleunigte Studie sparen. Denn die klinischen Tests am Menschen sind die teuerste Phase der Medikamentenforschung.

Dennoch ist die Ebola-Forschung für kleine Unternehmen zwar ein willkommener Nischenmarkt, aber ein kaum lukrativer.

«Weil es sich bei den Ausbrüchen bisher nur um lokale Ereignisse handelte, war das Interesse der Pharmaproduzenten schlichtweg zu klein, um zu investieren. Oder anders: Es fehlte der kommerzielle Nutzen», wie der Virologe Marc Strasser von Labor Spiez vergangene Woche zu 20 Minuten sagte.

Denn Ebola ist nicht nur eine extrem selten auftretende Infektionskrankheit - seit der Entdeckung 1976 sind gerade einmal 10'000 Fälle bekannt geworden -, sondern das Virus tritt bislang auch nur in Entwicklungsländern auf, wo kaum Geld für Arzneimittel vorhanden ist. Das macht es laut Branchenkennern für die grossen Pharmakonzerne schlicht uninteressant, dort zu forschen. So hat GlaxoSmithKline die Basler Okairos vergangenes Jahr auch nicht wegen ihrer Ebola-Forschung für 300 Millionen Franken übernommen, sondern weil sie auch eine neue Impfstoffart gegen Krebs oder HIV entwickelt. Die Briten sind zwar auch an der Erforschung von Tropenkrankheiten beteiligt, aber dann eher in Zusammenarbeit mit Stiftungen und Regierungen, um sich die Kosten zu teilen.

Rare Krankheiten können auch lukrativ sein

Dabei sind seltene Krankheiten für die Pharmaindustrie in den vergangenen Jahren durchaus attraktiv geworden. Denn die Unternehmen haben dort weniger Konkurrenz bei der Forschung zu fürchten. Allerdings müssen sie in den Industriestaaten auftreten, wo sich dann höhere Preise fordern lassen und die Krankenkassen auch bereit sind, wegen der Seltenheit einer Krankheit diese auch zu erstatten.

Dennoch ist auch Afrika für Pharmamultis wie Novartis sehr attraktiv. Konzernchef Joe Jimenez hat den Kontinent zum neuen Wachstumsmarkt nach Asien ernannt. Dabei geht es ihm allerdings um Massenkrankheiten wie Malaria und Krebs. Das seltene Ebola-Virus zählt nicht dazu. Und genau das macht es so tödlich.

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