16.10.2020 20:44

Fragen und AntwortenWarum rufen die Kantone jetzt nach dem Bundesrat?

Die Kantone fordern den Bund zum Handeln auf. Dieser plant gemäss einem Medienbericht, Familienanlässe zu beschränken. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

von
Daniel Waldmeier
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Will offenbar eingreifen: Gesundheitsminister Alain Berset. 

Will offenbar eingreifen: Gesundheitsminister Alain Berset.

Keystone
Zu einem Lockdown soll es nicht wieder kommen. 

Zu einem Lockdown soll es nicht wieder kommen.

Keystone
Zentral bleibt in der Schweiz das Testen. Bald sollen auch Schnelltests zum Einsatz kommen.

Zentral bleibt in der Schweiz das Testen. Bald sollen auch Schnelltests zum Einsatz kommen.

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Welche neuen Corona-Massnahmen stehen zur Debatte?

Gemäss der «Aargauer Zeitung» plant der Bundesrat rigorose Verschärfungen, um den Anstieg der Corona-Fallzahlen zu bremsen. So sollen Menschenansammlungen im öffentlichen Raum von mehr als 15 Personen verboten werden. Bei einem privaten Fest mit mehr als 15 Leuten soll der Organisator die Kontaktdaten aufnehmen müssen. Es soll eine Maskenpflicht gelten und eine feste Sitzordnung herrschen.

Der Vorstand der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) hat den Bund bereits aufgefordert, eine Maskenpflicht in Läden und öffentlichen Innenräumen zu erlassen und die Homeoffice-Empfehlung für Unternehmen zu erneuern.

Auch das Nachtleben nehmen die Kantone ins Visier: St. Gallen etwa hat bereits ein Tanzverbot erlassen, die GDK empfiehlt den Kantonen strengere Auflagen für Bars und Clubs – zum Beispiel eine Sperrstunde. «Mit reduzierteren Öffnungszeiten wird insgesamt die Anzahl der Gäste reduziert. Damit werden dem Virus mehr Steine in den Weg gelegt», sagt GDK-Präsident Lukas Engelberger zu 20 Minuten.

Der Bundesrat betonte wiederholt, die Kantone seien im Lead. Warum spielen sie den Ball jetzt dem Bund zu?

GDK-Präsident Lukas Engelberger begründet dies damit, dass die Entwicklung im ganzen Land ähnlich sei: «Wir haben nicht mehr sehr differenzierte Entwicklungen zwischen den Kantonen, sondern die Infektionszahlen steigen in der ganzen Schweiz sehr rasch an, sodass gewisse Massnahmen durchaus sinnvollerweise auch auf Bundesebene getroffen werden.» Viele Kantone hatten zuletzt ihre eigenen Corona-Regeln erlassen. Der «Flickenteppich» sorgte auch für Kritik. Beispielsweise schrieb Epidemiologe Christian Althaus auf Twitter: «Die Schweiz ist gerade dabei, zum Land mit 26 Ausgestaltungen einer Maskenpflicht zu werden.»

«Mit reduzierteren Öffnungszeiten legen wir dem Virus mehr Steine in den Weg»

GDK-Präsident Lukas Engelberger

Bis wann kann der Bundesrat neue Massnahmen anordnen?

Anders als im Frühling gilt die besondere, nicht die ausserordentliche Lage. Virginie Masserey vom Bundesamt für Gesundheit sagt, man werde alles tun, um zu verhindern, erneut die ausserordentliche Lage ausrufen zu müssen. In der besonderen Lage muss der Bundesrat die Kantone gemäss dem Epidemiengesetz in einem sogenannten Konsultationsverfahren anhören. Engelberger sagt, es sei am Bundesrat, seinen Terminkalender festzulegen. «Kantons- wie auch Bundesseite sind sich einig, dass der Konsultations- und Entscheidprozess rasch ablaufen muss.» Klar ist, dass sich der Bundesrat am Sonntag zu einer Krisensitzung trifft.

Was sagt die Wissenschaft zu den steigenden Fallzahlen?

Martin Ackermann, Leiter der wissenschaftlichen Covid-Taskforce des Bundes, sprach von einem «Schock». Das BAG vermeldete am Freitag 3105 laborbestätigte Fälle in den vergangenen 24 Stunden. Zudem wurden 68 neue Spitaleintritte gezählt. Laut Ackermann stecken 10 infizierte Personen derzeit 15 weitere an. Er rechnet mit 12’000 Fällen in zwei Wochen, wenn mit Massnahmen eine weitere Woche gewartet werde. Auch die Zahl der Hospitalisationen könnten sich alle sieben bis zehn Tage verdoppeln.

Wo stecken sich die Leute an?

«Kleinvieh macht auch Mist», sagt Rudolf Hauri, der oberste Kantonsarzt der Schweiz. Die Kantone hätten vermehrt Ansteckungen bei privaten Festen, Hochzeiten, Singveranstaltungen, aber auch bei Sportveranstaltungen im Amateurbereich festgestellt.

Haben die Kantone beim Contact-Tracing versagt?

Das Contact-Tracing sei in verschiedenen Kantonen an die Grenzen gestossen, sagte Hauri an der Medienkonferenz des Bundes. «Man hat eine Beule, würde man bei einem Auto sagen.» Es gelinge nicht mehr, alle Angesteckten und deren Kontaktpersonen zu erreichen. Versagen sei aber ein hartes Wort, meinte der Kantonsarzt. «Wir kennen das Virus noch nicht in jeder Facette.» Man habe offenbar unterschätzt, welche Rolle kleine Festivitäten in Innenräumen bei der Verbreitung des Virus spielten. Auch GDK-Präsident Engelberger weist den Vorwurf zurück. Die Kapazitäten seien überall «rasch und bedarfsbezogen ausgebaut» worden. «Aber wir stossen an Grenzen, wenn der Anstieg derart exponentiell erfolgt. Dabei haben wir es aber mit einer internationalen Entwicklung zu tun.»

Corona-Infos

  • Wie entwickeln sich die Corona-Fälle in der Schweiz und in Europa? Wie siehts in meinem Kanton aus? Den Überblick über die wichtigsten Zahlen gibts hier.

  • Welche Corona-Massnahmen gelten in den Kantonen? Eine Übersicht gibts hier.

  • Für Rückkehrer aus welchen Staaten und Gebieten gilt eine Quarantänepflicht in der Schweiz? Die aktuelle Quarantäneliste gibts hier.

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1810 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Heidi SH

18.10.2020, 01:56

Der beste Bundesrat Alain Berset 👍 wir müssen nur ihn folgen mit Schutzmassnahmen den es kommt dann schon gut.!

Maskenträgerin aus Luzern.

18.10.2020, 01:50

an die 20 Minuten Redaktion: Erklären Sie mir,einer älteren Mitbürgerin endlich mal was Links im Inhalt sind? Danke! Im Bezug auf Links sehe ich zu meinem Kommentar keinen Unterschied zu den anderen veröffentlichen Kommentaren. Bitte endlich auch gleich mitteilen,dass die Kommentarfunktion geschlossen wird,anstatt von technischer Panne zu schreiben.

Coronavirus Pandemic

18.10.2020, 01:24

In den USA heute Freitag 7.17 PM ET Total Cases 8'097'739, Deaths 219'136. Wurde die Kommentarfunktion geschlossen?