Aktualisiert 20.05.2007 14:26

Warum sah «Bokito» rot?

Gorilla-Randale in Rotterdam: Im holländischen Zoo rastete ein Gorilla aus und verletzte eine Frau. Unklar ist, wie das 180-Kilo-Männchen überhaupt ausbrechen konnte.

Der vergnügliche Zoo-Besuch in Rotterdam wurde zum Albtraum: Ein 180 Kilogramm schwerer wütender Gorilla sprang über Wassergraben und Elektrozaun, schnappte sich eine Besucherin und riss sie mit sich.

Erinnerungen an Szenen aus «King Kong» wurden wach, als der Menschenaffe «Bokito» am Freitagnachmittag ausbrach und insgesamt vier Menschen in dem niederländischen Tierpark verletzte. In den nächsten Tagen sollen die Hintergründe geklärt werden. Möglicherweise war der Sicherheitsgraben nicht breit genug.

«Neueste europäische Sicherheitsstandards empfehlen einen mindestens sechs Meter breiten Graben, der in Rotterdam war nur vier Meter», sagte Frank Rietkerk vom Europäischen Erhaltungszuchtprogramm am Samstag. Allerdings gebe es diese Richtlinie erst seit vergangenem Jahr.

Kein Gesetzesverstoss

Der Blijdorp-Zoo habe nicht gegen Gesetze verstossen, betonte Rietkerk. Eigentlich hätten die vier Meter breite Barriere auch ausreichen müssen - zumal Gorillas wasserscheu seien. Das nützt der 58-jährigen Besucherin, die «Bokitos» erstes Opfer wurde, wenig.

Der Gorilla brach ihr den Arm und fügte ihr mehr als 100 Bisswunden zu. Ihr Zustand sei inzwischen stabil, hiess es aus dem Krankenhaus am Samstag. Nach der Attacke auf die Frau stürmte das Tier in Panik in das Restaurant und warf dort mit Stühlen und Tischen um sich.

Weitere Verletzte

Zwei Menschen verletzten sich auf der Flucht vor dem Gorilla. Ein Tierpfleger erlitt einen Schock. Erst nach eineinhalb Stunden konnte das mächtige Tier durch mehrere Betäubungsschüsse ausser Gefecht gesetzt werden.

Möglicherweise wurde der Gorilla von Besuchern des an diesem Tag besonders gut besuchten Zoos schikaniert und wollte seine Weibchen und Babys schützen, sagte Zoo-Direktor Ton Dorresteijn. «Bokito» werde nicht getötet, doch sei unklar, ob der Silberrücken in Rotterdam bleibe.

Ausbrecherkönig

Nach seinem Ausbruch war der Affe am Sonntag «wieder vollkommen normal», wie Tierpfleger berichteten. Der elfjährige «Bokito» ist kein unbeschriebenes Blatt. Der Affe, der seit zwei Jahren in den Niederlanden lebt, soll sich im Berliner Zoo bereits einen Namen als «Ausbrecherkönig» gemacht haben. (sda)

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