Aktualisiert 03.02.2020 16:28

Super LeagueWarum schmuggeln FCZ-Fans Rüebli ins Stadion?

Beim Spiel des FC Zürich in Sion wird bei der Einlasskontrolle viel Gemüse gefunden. Das hat mit Politik zu tun.

von
Florian Raz
Sitten
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Kevin Fickentscher umgeben von Rauch: Die FCZ-Fans zünden in Sitten Pyros. Gefunden wurden diese beim Einlass nicht. Dafür ganz viele Rüebli.

Kevin Fickentscher umgeben von Rauch: Die FCZ-Fans zünden in Sitten Pyros. Gefunden wurden diese beim Einlass nicht. Dafür ganz viele Rüebli.

Keystone/Olivier Maire
Das Gemüse diente den FCZ-Fans als Protest gegen die neue Politik im Wallis. Dort werden Fussballfans künftig wieder schärfer kontrolliert.

Das Gemüse diente den FCZ-Fans als Protest gegen die neue Politik im Wallis. Dort werden Fussballfans künftig wieder schärfer kontrolliert.

Keystone/AP
Die Partie im Torubillon war gerade mal drei Minuten alt, als Patrick Luan den FC Sion in Führung schoss. Der Brasilianer kam nach einem Abpraller von Brecher als erstes an den Ball und konnte einnetzen.

Die Partie im Torubillon war gerade mal drei Minuten alt, als Patrick Luan den FC Sion in Führung schoss. Der Brasilianer kam nach einem Abpraller von Brecher als erstes an den Ball und konnte einnetzen.

freshfocus / Daniela Frutiger

Da ein Rüebli und dort eins. Die Sicherheitsleute beim Eingang des Tourbillon stossen vor dem Spiel des FC Zürich beim FC Sion immer wieder auf Wurzelgemüse. Und immer, wenn wieder ein Rüebli gefunden wird, jubeln die angereisten Anhänger des FCZ.

Was ist da los? Die «Aktion Rüebli» ist ein Protest der Südkurve gegen neue Sicherheitsmassnahmen im Wallis. Der «Tages-Anzeiger» macht am Freitag publik, dass neu alle Gäste- und Heimfans vor dem Eintritt untersucht werden sollen.

Damit bricht das Wallis mit der Strategie des «Good Hosting», das seit fünf Jahren schweizweit in allen Stadien der Super League gilt. Dieses soll Gewalt im Eingangsbereich verhindern. Unter anderem dadurch, dass dank kurzen Wartezeiten vor dem Stadion keine Stresssituation entsteht.

Vier Drehkreuze für hunderte Fans

Staatsrat Frédéric Favre, der die neuen Massnahmen beschlossen hat, verfolgt laut seinem Departement ein Ziel: «Durch verstärkte Sicherheitsmassnahmen soll ein schwerer Zwischenfall durch den Einsatz illegaler pyrotechnischer Geräte verhindert werden.» Sprich: Das Wallis will keine Szenen mehr erleben, wie im März 2019, als GC-Fans einen Spielabbruch provozierten. Sie warfen Leuchtfackeln aufs Spielfeld.

Als der FCZ-Fanmarsch am Sonntag am Stadion eintrifft, sind vier Drehkreuze geöffnet. Und die Sicherheitsverantwortlichen des FC Sion vermelden, es könne mit den neuen Kontrollen bis Spielmitte dauern, bis alle Zürcher im Stadion seien.

Es kommt dann aber ganz anders. Vielleicht eine halbe Stunde lang werden die härteren Kontrollen durchgezogen. Dann gelingt es der Kurve einen Sack, vermutlich gefüllt mit pyrotechnischem Material, ins Stadioninnere zu werfen. Es kommt zu kurzen Tumulten, die Polizei setzt Tränengas im Eingangsbereich ein. Danach beruhigt sich die Lage.

Pyros werden trotzdem gezündet

Das hat auch damit zu tun, dass der Einlass der Fans nun plötzlich sehr speditiv vor sich geht. Kommt dazu, dass sich die Befürchtungen der Polizei nicht bewahrheiten, es könnten bis zu 2000 Zürcher ins Wallis reisen. Fünf Minuten vor Anpfiff sind alle 725 FCZ-Fans im Gästesektor. Und dort zünden sie nach der Pause so viel Feuerwerk, dass die zweite Halbzeit mit zwei Minuten Verspätung beginnt.

Bei den Sicherheitskontrollen zuvor ist kein pyrotechnisches Material gefunden worden. Nur Rüebli, Rüebli und nochmals Rüebli.

Die Walliser Polizei vermeldet am Ende des Nachmittags einen Einsatz «ohne Zwischenfälle». Sie mag noch keine Zwischenbilanz der neuen Massnahmen ziehen. Liga und FCZ haben schon vor dem Spiel mitgeteilt, dass sie das neue Sicherheits-Regime im Wallis kritisch sehen.

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