Gigantischer Krater: Warum sich an manchen Orten – wie jetzt in Chile – plötzlich die Erde auftut

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Riesige KraterWarum sich an manchen Orten – wie jetzt in Chile – plötzlich die Erde auftut

In Chile hat sich am Samstag die Erde aufgetan. Es wird untersucht, ob die nahe Kupfermine etwas damit zu tun hat. Grundsätzlich können Erdlöcher verschiedene Ursachen haben.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Wie ausgestanzt wirkt das Bild des neuen Kraters im Norden Chiles. Doch das Erdloch existiert tatsächlich. Die Schwärze ist seiner Tiefe geschuldet.

Wie ausgestanzt wirkt das Bild des neuen Kraters im Norden Chiles. Doch das Erdloch existiert tatsächlich. Die Schwärze ist seiner Tiefe geschuldet.

Twitter/@Sernageomin
Derzeit hat der Krater einen Durchmesser von rund 32 Metern . Wie tief er ist, ist noch unklar. 

Derzeit hat der Krater einen Durchmesser von rund 32 Metern . Wie tief er ist, ist noch unklar. 

REUTERS
Das Erdloch befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Tierra Amarilla (grün) und in der Nähe von Kupferminen (rot). Daher gibt es Befürchtungen, das Wegsacken des Erdreiches könnte etwas mit dem Kupferabbau zu tun haben.

Das Erdloch befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Tierra Amarilla (grün) und in der Nähe von Kupferminen (rot). Daher gibt es Befürchtungen, das Wegsacken des Erdreiches könnte etwas mit dem Kupferabbau zu tun haben.

Screenshot My Google Maps

Darum gehts

  • Wieso hat es in der chilenischen Wüste auf einmal ein riesiges Loch? 

  • Die Fachleute des Nationalen Amt für Geologie und Bergbau untersuchen den Fall. 

  • Der Bürgermeister der betroffenen Regionen sieht die Schuld bei der nahen Kupfermine. 

  • Denkbar sind verschiedene Ursachen. 

Rund 32 Meter im Durchmesser, die Tiefe noch unbekannt: Das ist das Ausmass des riesigen Kraters, der sich Ende Juli 2022 ohne Vorankündigung in der Atacamawüste im Norden Chiles aufgetan hat (siehe Video). Die Gründe dafür liegen noch im Dunkeln. Weil sich das Loch in der Nähe einer Kupfermine befindet, gibt es Befürchtungen, das Wegsacken des Erdreiches könnte etwas mit dem Kupferabbau zu tun haben.

Es müsse geprüft werden, inwiefern das Loch mit den Minenarbeiten zusammenhänge und ob der Bergbau eine Gefahr für die Gegend und seine Anwohnenden werden könnte, so der Bürgermeister der betroffenen Gemeinde Tierra Amarilla, Cristóbal Zúñiga. «Wir haben immer befürchtet, dass so etwas passieren könnte.» In einem Facebook-Post wird er noch deutlicher: «Das liegt in der Verantwortung des Bergbauunternehmens, das durch die unkontrollierte Nutzung des Grundwassers, die starke Sprengung, die den Boden und unsere Häuser zerstört, dieses Risiko erzeugt hat.»

Ob dem tatsächlich so ist, wird derzeit geprüft, wie das Nationale Amt für Geologie und Bergbau (Sernageomin) mitteilte. Es seien bereits Fachleute vor Ort.

Erdlöcher können verschiedene Ursachen haben

Tatsächlich kommen – ganz generell – auch andere Ursachen in Frage. Und nicht immer ist der Mensch Schuld. Doch auch das kommt vor. Ein Überblick:

Beschaffenheit des Untergrunds

Erdlöcher können überall dort entstehen, wo der Untergrund aus Gesteinen wie Kalkstein, Gips oder Salz besteht. Diese sind anfällig für Lösungsprozesse, wie sie etwa durch Sickerwasser ausgelöst werden können. Dieses ist leicht sauer und sorgt dafür, dass sich mit der Zeit immer grössere Hohlräume im Gestein bilden. Ab einem bestimmten Punkt kann das Gestein dem auf ihm lastenden Gewicht nicht mehr standhalten und es bricht ein. So geschehen etwa im Jahr 2010 im deutschen Schmalkhalden (Thüringen). 

Im November 2010 klaffte mitten im thüringischen Schmalkalden plötzlich ein riesiger Krater. Ursache war ein Hohlraum, der durch Auswaschungen entstand. Das rund 30 mal 30 Meter grosse Loch wurde mit rund 40’000 Kubikmetern Kies verfüllt.

Im November 2010 klaffte mitten im thüringischen Schmalkalden plötzlich ein riesiger Krater. Ursache war ein Hohlraum, der durch Auswaschungen entstand. Das rund 30 mal 30 Meter grosse Loch wurde mit rund 40’000 Kubikmetern Kies verfüllt.

Screenshot Youtube/Karl Erberling

Unterirdische Gasblasen

Auch unterirdische Gasblasen können zur Bildung von Erdlöchern führen. Diese können zum Beispiel durch aufsteigende vulkanische Gase entstehen.

Natürlich freigesetzte Gase

In anderen Gegenden wie im sibirischen Permafrostboden setzen unterirdische Zersetzungsprozesse Gase wie Methan oder Kohlendioxid frei. Das geschieht nicht, wenn der Boden gefroren ist, sondern wenn er auftaut. Die Gase können sich anreichern. Werden sie nicht nach und nach freigesetzt, sondern treten explosionsartig aus, kann das einen Krater in den Untergrund sprengen.

Von Menschen freigesetzte Gase

Solche Gasblasen können auch von Menschen zum Platzen gebracht werden, wie das Beispiel des Kraters von Derweze in Turkmenistan zeigt. Das auch «Tor zur Hölle» genannte Loch entstand, als sowjetische Geologen im Jahr 1971 in der Wüste Karakum nach Öl bohren wollten. Dabei bohrten sie einen mit Gas gefüllten Hohlraum an und die Erde tat sich auf. Um dem Ausströmen des Gases ein Ende zu setzen, steckten die Verantwortlichen das Loch in Brand – das Feuer brennt bis heute.

Der Krater von Derweze ist ein brennendes Erdgasloch und hat einen Durchmesser von rund 70 Metern. 

Der Krater von Derweze ist ein brennendes Erdgasloch und hat einen Durchmesser von rund 70 Metern. 

Wikimedia Commons/Tormod Sandtorv/CC BY-SA 2.0

Verschwinden von Grundwasser

Wenn grosse Mengen Trinkwasser aus dem Untergrund gepumpt werden, wird der Boden zusehends instabil und seine Tragfähigkeit lässt nach. Der sinkende Grundwasserspiegel ist etwa der Grund, warum es rund um das Tote Meer in Israel so viele Erdlöcher hat (siehe obige Bildstrecke).

Eindringendes Wasser

Auch plötzlich ins Erdreich fliessendes Wasser kann zur Entstehung von Erdlöchern führen. Mögliche Ursachen sind etwa fehlende Drainagen oder kaputte Wasserrohre. Eine lecke Wasserleitung liess im Juni 2021 einen Fussgängerstreifen in Genf verschwinden. Dadurch war die Strasse unterspült worden.

Unterirdische Anlagen

Auch Bergwerksstollen, U-Bahn-Tunnel oder unterirdische Rückhaltebecken von Industrieanlagen stellen Hohlräume dar und können den Untergrund instabil machen, was bei ungenügender Abstützung zum Einbruch der Decke führen kann. Besonders anfällig dafür sind dabei deutsche Bergbaugegenden wie das Ruhrgebiet, in denen die Erde stark durchlöchert ist – vor allem, wenn die alten Stollen nicht zugeschüttet wurden. Bei Dortmund ist dadurch auch der Lanstroper See entstanden.

Der Lanstroper See entstand um 1963 durch eine Bergsenkung, die den Grundwasserspiegel erreichte. Die Gegend ist heute ein Naturschutzgebiet.

Der Lanstroper See entstand um 1963 durch eine Bergsenkung, die den Grundwasserspiegel erreichte. Die Gegend ist heute ein Naturschutzgebiet.

Wikimedia Commons/Tbachner/CC BY-SA 3.0

In Zukunft mehr Erdlöcher

Einige Forscher vermuten, dass es in Zukunft mehr Erdlöcher geben wird, denn wenn extreme Wetterereignisse wie Starkregenfälle wahrscheinlicher werden, steigt auch die Gefahr von Unterspülungen des Bodens. Zudem bedient sich der Mensch – vor allem in trockenen Regionen  – immer öfter am Grundwasser und baut aus dem Boden Rohstoffe ab. Das Problem: Solche Erdlöcher sind deutlich schwieriger vorherzusagen als beispielsweise Erdbeben, sind aber eine grosse Gefahr – vor allem, wenn sie dicht besiedelte Gebiete oder Verkehrswege treffen. Deshalb empfehlen Fachleute dazu, künftig vor Bodenarbeiten und neuen Bauten die Beschaffenheit des Bodens genauer zu überprüfen. Auch regelmässige Kontrollen seien ratsam.

Das riesige Erdloch entstand in der chilenischen Wüste wie aus dem Nichts. 

20min/al

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