Aktualisiert 21.07.2020 20:49

«Ich habe genug von diesem Leben»

Warum sich der Flüchtling auf dem Bundesplatz selbst angezündet hat

Der Flüchtling, der sich am Montag auf dem Bundesplatz in Bern selbst angezündet hatte, erzählt in einem Interview von der Protestaktion. Er habe genug von diesem Leben gehabt, so der Kurde, dem die Ausschaffung droht.

von
Bianca Lüthy

Darum gehts

  • Am Montag hat sich auf dem Bundesplatz in Bern ein Flüchtling selbst angezündet.
  • In einem Interview mit «Tele Bärn» spricht er über die Protestaktion.
  • Der Kurde habe sich das Leben nehmen wollen.

Am Montag hat sich auf dem Bundesplatz in Bern ein Flüchtling in Brand gesetzt. Ein paar Demonstranten kamen ihm zur Hilfe, sodass er mit Brandverletzungen am Bein davon gekommen ist. In einem Interview mit «Tele Bärn» erzählt der Flüchtling über seine Beweggründe für die Protestaktion. Demnach wollte er sich das Leben nehmen. «Ich habe genug von diesem Leben», sagt der Kurde Behzad Kaikhosravi. Er sei verzweifelt, da er am 10. Juli den Bescheid bekommen hat, dass er wieder in den Iran zurückkehren müsse.

«Ich kann nicht zurück. Wenn ich im Iran bin, werde ich zur Todesstrafe verurteilt», so Kaikhosravi. Im Iran werde er als Kurde als politischer Feind eingestuft. Seine Familie habe er seit vier Jahren nicht mehr gesehen. Diese lebt zur Zeit in Deutschland.

Kaikhosravi befindet sich in psychiatischer Obhut

Für die nächsten Tage bleibt Kaikhosravi in einer psychiatrischen Einrichtung. Danach wird er mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder ins Rückkehrzentrum gebracht, wo er bereits die letzten neun Monate verbracht hat. Die Situation dort grenze ans Unerträgliche: «In unserem Zentrum ist es dreckig, fast alle Toiletten und Duschen sind kaputt. Wir wohnen wie in einem Gefängnis.»

Die Kundgebung am Montag sei von der Organisation «Stopp Isolation» veranstaltet worden, nachdem die Sicherheitsdirektion des Kantons Bern einen Brief an sie veröffentlicht hatte. Darin verteidigte diese die neuen Rückkehrzentren als «demokratisch legitimiert».

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe

Beratung:

Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch)

Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch)

Kirchen (Seelsorge.net)


Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:

Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (Nebelmeer.net);

Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (Verein-refugium.ch);

Verein Regenbogen Schweiz (Verein-regenbogen.ch).

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.